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In Burgdorf flogen die Fäuste

Wenn Fäuste auf Muskelberge einprügeln und Körper durch die Luft wirbeln und schliesslich auf den Boden krachen, dann ist Wrestling angesagt. Am Wochenende gabs davon in Burgdorf eine Kostprobe zu sehen.

Knalliges Outfit und mehr oder weniger trainierte Körper: So zeigten sich die Wrestler in Burgdorf.
Knalliges Outfit und mehr oder weniger trainierte Körper: So zeigten sich die Wrestler in Burgdorf.
Marcel Bieri

Am Samstagabend vor der Burgdorfer Markthalle. Ein Brüllen ist zu hören, ein lautes Krachen, dann ertönen ein paar Buhrufe. «Explosion III» ist angesagt, ein Wrestling-Event, organisiert von Swiss Championship Wrestling (SCW). Doch wer die 27 Franken Eintritt bezahlt und die Halle betritt, sieht zunächst wenig Explosives. In geordneten Stuhlreihen sitzen an die hundert Leute und beobachten gebannt das Geschehen im Ring. Dort geht gerade ein Kampf zu Ende: Kobra und Diamond besiegen Bad Snake und Magic Sly. So exotisch die Wrestler heissen, so hässlich ist ihre Kampfbekleidung. Nebst nackten Oberkörpern sind violette enge Hosen mit weissen Stiefeln zu sehen, Boxershort mit Schlangenhautmuster oder schwarze Hosen mit roten Lackstiefeln.Reverend gegen Oogy DogDramatische Musik läutet die nächste Runde ein. Und da steht er, im Trockeneisrauch unter dem Schweizerkreuz: der Reverend (Pastor). Mit verzücktem Gesichtsausdruck lässt er sich auf die Knie fallen und hebt die Hände zum Himmel. Er trägt weisse Trainerhosen und ein weisses Rippshirt, dessen Beulen im Bauchbereich vermuten lassen, dass er mit den austrainierten Vorbildern aus den USA nicht ganz mithalten kann. Er schreitet den Publikumsreihen entlang, pöbelt gleich die ersten Zuschauer an. Im Ring schnappt er sich das Mikrofon des Kommentators und sagt salbungsvoll: «God gave me a message for you: shut up!» – frei übersetzt: Gott gab mir eine Botschaft für euch: Haltet das Maul!Sein Gegner ist Oogy Dog, ebenfalls mit weissem Rippshirt, aber ansonsten das Gegenteil des Reverends: drahtig, die Oberarmmuskeln quellen zwischen einem engen schwarzen Gummiband hervor. Und schon geht es los: Der Reverend hebt das Leichtgewicht hoch und lässt es krachend auf den Boden fallen. Oogy Dog windet sich mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden, dann springt er auf und versucht, den Reverend zu rammen. Doch dieser hält dagegen, Oogys Beine fliegen hoch in die Luft – und schon wieder landet er unsanft auf dem Boden. «Reverend sucks», rufen die eingefleischten Fans – gut erkennbar an den SCW-Shirts – und schwenken ihre Bierdosen. Für das Publikum ist er der Bad Guy; der unterlegene Oogy Dog ist der Gute. Der steht nun wippend oben und lässt sich mit einem Schrei auf den Reverend fallen. Ein paar Minuten später hinkt er mit einem Mitleid erregenden Gesichtsausdruck in den Backstagebereich, während sich der Reverend selbst feiert.Tribun mit BierbauchAuftritt Benny Montana: Mit Poncho, Strickmütze und roten Stiefeln tritt ein junger Mann hinter dem schwarzen Vorhang hervor. Unbekümmert hüpft er und schwenkt eine Gitarre. Beim Anblick des Gegners gefriert jedoch sein Lachen. Es ist der Tribun. Er trägt schwarze Trainerhosen, Ellbogenschoner – und einen kleinen Bierbauch. «Die haben gar nicht so viele Muskeln», raunt ein Zehnjähriger. Doch auch ohne Muskelberge bringen die Wrestler die Zuschauer zum Staunen. Bei dem ganzen Krachen, Brüllen und Stöhnen vergessen sie gerne, dass der grösste Teil der Kampfhandlungen abgesprochen ist und der Sieger im Voraus feststeht. Denn das, was hier geboten wird, ist pure Unterhaltung.Mit Bart und FellrockDann, die grosse Länderfehde, Team Schweiz gegen Italien. Star des Schweizer Teams ist der bullige Hellvetic Warrior, er trägt einen rotschwarzen Ringerdress mit Sternen und eine rotweisse Kriegsbemalung im Gesicht. Ihm zur Seite: Ragnarok, ein langhaariger, bärtiger bleicher Fleischberg mit Fellrock und beigen Strümpfen. Luke Styles ist der dritte Schweizer. «Hopp Schwiiz» und «Warrior, Warrior» skandieren die Fans, während die Italiener ihre Flagge schwenken und «Italia» rufen. Ein erbitterter Kampf geht los, Fäuste prügeln auf Muskelberge ein, Körper werden durch die Luft gewirbelt und krachen auf den Boden. Irgendwann sagt der Ringrichter: «Lupo has been eliminated.» Später muss Red Devil gehen. Schliesslich heisst es: «And the winner is Switzerland!» Wieso, wird nicht ganz klar. Aber eigentlich ist es egal. Amüsant ist der Abend allemal.

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