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Hitzefrei liegt nicht drin

Die acht Kilometer lange Baustelle auf dem Autobahnabschnitt zwischen Kirchberg und Kriegstetten verlangt den Strassenarbeitern einiges ab.

Gebaut wird tagsüber. Mobile Leitplanken und orange Markierungen führen den Verkehr. Fotos: Beat Mathys
Gebaut wird tagsüber. Mobile Leitplanken und orange Markierungen führen den Verkehr. Fotos: Beat Mathys

Da. Und da wieder. Ein Bagger dreht. Ein Kipplaster wird befüllt. Ein Dumper brummt. Walzen rollen. Ein Fugenschneider fräst. Alle paar hundert Meter tauchen auf der Durchfahrt Männer und Maschinen bei der Arbeit auf. 40 Leute stehen auf den Pannenstreifen Richtung Bern und Zürich mit gut einem Dutzend Baufahrzeugen im Einsatz.

Auf der acht Kilometer langen Autobahnstrecke zwischen Kirchberg und Kriegstetten wird tagsüber gebaut. Mobile Leitplanken und orange Markierungen führen den Verkehr, zwei Spuren je Richtung. Es ist enger als sonst, die Geschwindigkeit ist auf 80 Kilometer pro Stunde begrenzt. Baustellenverkehr eben – für den gewohnten Autobahnfahrer ein bekanntes Szenario.

Mark Siegenthaler setzt den Warnblinker, bremst etwas und biegt zwischen den Absperrungen auf den geschlossenen Rastplatz Chölfeld bei Utzenstorf ein, der während der Bauzeit als Installationsplatz dient.

Baggerschaufeln, Mulden, Container mit Büros und Werkzeugräumen sind hier abgestellt, ein Haufen Material stapelt sich. Siegenthaler ist Mediensprecher des Bundesamtes für Strassen (Astra). Der Bund als Eigentümer der Nationalstrasse ist für die Sanierung (siehe Kasten unten am Text) verantwortlich; im Mandat hat er Planung und Bau an Privatunternehmen vergeben.

Es ist eng, die Geschwindigkeit ist auf 80 Kilometer pro Stunde begrenzt.
Es ist eng, die Geschwindigkeit ist auf 80 Kilometer pro Stunde begrenzt.

Nächstes Jahr gehts richtig los

Chefbauleiter Stefan Segessemann und Bauführer Richard Hildbrand begrüssen den Astra-Sprecher. «Wie läufts?» «Wir liegen im Zeitplan», antwortet Hildbrand. Momentan sei die Bautruppe daran, die Stützmauern bei den Nothaltebuchten zu hinterfüllen. Solche Anhaltemöglichkeiten bei Pannen werden alle Kilometer errichtet, sie werden grösstenteils auch nach der Bauzeit bestehen bleiben.

«Bis zur zweiten Augusthälfte sollten wir fertig sein.» Danach würden die Arbeiten bis März nächsten Jahres ruhen, denn vor dem Winter eine neue Etappe zu starten, rentiere nicht, erklärt Hildbrand. Sieben Monate lang wird deshalb der Verkehr wieder hindernisfrei rollen. Nur der Utzenstorfer Rastplatz ist auch in dieser Zeit für Durchfahrende gesperrt.

«Keine zusätzlichen Staus»

Heuer – Baustart war im April – sei das Vorbereitungsjahr, so der Bauführer. Lediglich im Aussenbereich der Autobahn werde punktuell gearbeitet, der Pannenstreifen verbreitert sowie der an die A1 angrenzende Oberholzbach verschoben und revitalisiert. Erst ab nächstem Jahr beginnen die Hauptarbeiten, die auch die Erneuerung der Fahrbahnen beinhalten. 2020 sind der Mittelbereich und ab Juli die Fahrspur Richtung Zürich an der Reihe.

2021 werden die Spuren nach Bern ersetzt und Abschlussarbeiten vorgenommen, die Betriebs- und Sicherheitsausrüstung, darunter Steuerung und Kabel für Beleuchtungen und Signalisationen, werden definitiv installiert. Die Arbeiten werden mehrere Wechsel in der Spurenführung zur Folge haben. «Grundsätzlich werden aber in allen Phasen je zwei Spuren in beide Richtungen offen bleiben», betont Mark Siegenthaler.

«Über 70'000 Fahrzeuge donnern täglich durch.»

Mark Siegenthaler, Astra-Mediensprecher

Ein schmaler Übergang führt vom Installationsplatz Chölfeld über die viel befahrene Autobahn. «Über 70'000 Fahrzeuge donnern täglich durch», sagt der Astra-Sprecher, während er vom Geländer der provisorisch eingerichteten Passerelle auf die A1 hinunterblickt. Und schiebt nach: «Bis dahin gab es praktisch keine zusätzlichen Staus.» Im Gegenteil, meint er, die Baustelle erweise sich eher als verkehrsberuhigend. Nur: Ein Unfall oder eine Panne hätten halt gravierendere Auswirkungen, weil der Pannenstreifen nicht benutzt werden könne. Pannenfahrzeuge würden den Verkehr blockieren, sofern sie es nicht bis zu einer Nothaltebucht schaffen.

Der Platz ist knapp bemessen, der Bagger ist eingeklemmt zwischen Strasse und Schiene.
Der Platz ist knapp bemessen, der Bagger ist eingeklemmt zwischen Strasse und Schiene.

An diesem Vormittag ist es angenehme 25 Gard warm, ideales Wetter für Bauarbeiten. Das ist in diesem Sommer oftmals anders. Wenn das Thermometer über 35 Grad klettert, hätten die Arbeiter schon zu beissen, sagt Richard Hildbrand. Genug Flüssigkeit trinken und regelmässig Pausen einlegen seien das A und O. Sie müssen sich allerdings an Kleidervorschriften des Astra halten: Helm und lange Hosen tragen, ein nackter Oberkörper ist tabu, Ober- und Unterteil müssen reflektieren.

Selbst bei der grössten Hitze könne man sich keinen Unterbruch leisten, hält der Bauführer von der Arbeitsgemeinschaft Kikri fest. «Wir sind unter Termindruck und müssen die vertraglich vereinbarten Fristen einhalten.» Die beteiligten Unternehmen arbeiten im Bonus-Malus-System. Jeder Tag, den sie länger brauchen, verursacht ihnen Kosten. Wenn sie schneller sind, winkt ein Gewinn.

Zwischen Strasse und Schiene

Strassenarbeiter müssen hart im Nehmen sein. Nebst dem Wetter sind sie weiteren Belastungen ausgesetzt, wie etwa dem Lärm der ständig vorbeibrausenden Autos, der sich mit der Zeit auf die Konzentration auswirken kann. Doch eben diese ist zentral. Hildbrand zeigt auf die andere Strassenseite. Dort schwenkt gerade der Arm eines Pneubaggers aus. Der Maschinenführer muss umsichtig vorgehen, der Platz ist knapp bemessen, der Bagger ist eingeklemmt zwischen Strasse und Schiene: Auf der einen Seite befindet sich die Autobahn, auf der anderen die Bahnlinie der SBB-Neubaustrecke, die nur durch einen Sicherheitszaun abgegrenzt ist.

Eine weitere Herausforderung stelle die Logistik dar, fügt Bauleiter Stefan Segessemann an. «Wir haben auf beiden Seiten nur je eine Spur zur Verfügung.» Ein zum Abtransport bereiter Lastwagen muss irgendwie an den Maschinen vorbeikommen, bis er an einer vorgesehenen Stelle auf die Autobahn einfahren kann. Ausserdem: Bei einem Unfall müssen die Blaulichtfahrzeuge passieren können. Deswegen muss der Baubereich bei einem Zwischenfall innert 15 Minuten geräumt werden, damit die Rettungskräfte den Ort des Ereignisses rasch erreichen.

Für Lärm-, Luft- und Gewässerschutz würden freilich gesetzliche Auflagen gelten, so Segessemann weiter. Mit Giftstoffen belastetes Material muss als Sondermüll entsorgt werden. Gewisse Teile des Betons könnten aber aufbereitet und wiederverwertet werden.

Bis zum Ende der Bauzeit in über zwei Jahren müssen also Autofahrer und Bauarbeiter mit engen Platzverhältnissen zurechtkommen. Nun denn, besser nicht aufregen...

Der Bach, der bis dahin neben der Autobahn in einem Betonkanal floss, wird auf einer Länge von 900 Meter ins Waldesinnere verschoben und naturnaher gestaltet.
Der Bach, der bis dahin neben der Autobahn in einem Betonkanal floss, wird auf einer Länge von 900 Meter ins Waldesinnere verschoben und naturnaher gestaltet.

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