Gerbematte: «Der Bau soll ins Dorf passen»

Rüegsauschachen

Bauherr Peter Blaser sagt, dass für ihn bei der Grossüberbauung Gerbematte in Rüegsauschachen nicht die Rendite im Vordergrund stehe. Die Interessen des Dorfes seien ihm ebenso wichtig, erklärt der Swisslube-Verwaltungsratspräsident.

Was bisher nur auf Plänen existiert, wird nun umgesetzt: die Überbauung Gerbematte von Architekt Jürg Vogel (links) und Bauherr Peter Blaser.

Was bisher nur auf Plänen existiert, wird nun umgesetzt: die Überbauung Gerbematte von Architekt Jürg Vogel (links) und Bauherr Peter Blaser.

(Bild: Andreas Marbot)

Noch ist die Gerbematte im Zentrum von Rüegsauschachen das, was sie seit je gewesen ist: eine Wiese. Doch dass hier in Bälde gewaltige Veränderungen stattfinden werden, ist unübersehbar – Dutzende Bauprofile kündigen an, dass eine Überbauung mit 62 Mietwohnungen sowie Gewerbeflächen entstehen wird.

Dafür sorgen Peter Blaser und Jürg Vogel. Bauherr Peter Blaser ist Verwaltungsratspräsident des ortsansässigen Familienunternehmens Blaser Swisslube AG, Jürg Vogel Partner des Architekturbüros Stadler & Vogel AG.

Neustart nach dem Konkurs

Nachdem Einsprecher ihre Einwände gegen das wohl grösste Bauvorhaben, das die Gemeinde je gesehen hat, nicht weiterzogen, hat Peter Blaser nun grünes Licht für den Bau erhalten. Dass die Gerbematte nun überbaut wird, schien lange alles andere als selbstverständlich. 2011 ging die Genossenschaft Wohnen im Alter (Wima) Konkurs. Diese hatte auf der Matte altersgerechte Wohnungen geplant. Viele Anteilseigner, die an das Projekt geglaubt hatten, verloren Geld: «Übrig geblieben war ein Scherbenhaufen, das hat alle auf dem falschen Fuss erwischt», erinnert sich Architekt Jürg Vogel.

Am Grundstück, das einerseits der Gemeinde, anderseits dem benachbarten Alters- und Pflegeheim gehörte, habe sich zunächst niemand mehr die Finger verbrennen wollen, so Vogel. Peter Blaser nahm das Risiko trotzdem auf sich und entwickelte ein neues Projekt. Nachdem er mit der Stiftung Alters- und Pflegeheim Rüegsau sowie der Gemeinde die Landbesitzer hinter sich wusste, gab letztes Jahr auch die Bevölkerung im Rahmen von zwei Abstimmungen über eine Änderung der Überbauungsordnung und über den Landverkauf ihre Zustimmung.

Weshalb ging Peter Blaser dieses Wagnis – er beziffert die Gesamtkosten der Überbauung auf rund 30 Millionen Franken – überhaupt ein? Der Unternehmer gesteht, dass er sich in der Zeit um den Wima-Konkurs gar nicht gross für die Gerbematte interessierte. Doch: «Ehemalige Angestellte unserer Firma verloren mit dem Konkurs Geld.»

So sei die Idee entstanden, auf der Matte aktiv zu werden. Nicht zuletzt sei die zentrale Lage im Dorf ideal. Überzeugt war Blaser auch vom Plan, altersgerechte Wohnungen zu realisieren, «das entspricht dem Trend der Zeit». Er möchte aber auch Familien in die Gerbematte locken. Ein Argument für diese soll die vorgesehene Kindertagesstätte sein, die vom Tageselternverein Mittleres Emmental betrieben werden soll.

Peter Blaser betont, dass für ihn nicht die Rendite im Vordergrund stehe – obwohl natürlich klar sei, dass die eigens geschaffene Gerbematte AG am Ende selbsttragend, sprich: rentabel sein soll. Architekt Jürg Vogel erklärt: «Wenn es alleine ums Geld ginge, würden wir Eigentumswohnungen bauen.» Die 62 Wohnungen werden aber allesamt vermietet. Zudem: «Die Baukosten sind hier in etwa gleich hoch wie in der Stadt Bern – das Mietniveau liegt aber um etwa 40 Prozent tiefer.» Peter Blaser seinerseits betont, dass es ihm auch darum gehe, für das Dorf die beste Lösung zu finden. Zum Beispiel sei man punkto Auslastung nicht ans Maximum gegangen, «der Bau soll hierher passen».

Bezug: Herbst 2017

Das ursprüngliche Ziel, noch heuer mit den Bauarbeiten zu beginnen, werden Blaser und Vogel nicht mehr einhalten können. Mit ein Grund dafür sind die mittlerweile erledigten Einsprachen aus der Nachbarschaft. «Inzwischen haben wir das Submissionsverfahren gestartet», führt Vogel aus. Im Herbst würden Bodensondierungen vorgenommen. Er gehe zurzeit davon aus, dass die Bauarbeiten im Frühjahr 2016 richtig beginnen würden, damit im Herbst 2017 die ersten Wohnungen bezugsbereit seien.

Wie alle Bauprojekte in Rüegsauschachen wird auch die Gerbematte mit einem ortsspezifischen Problem konfrontiert sein: dem Wasser. Der Boden der Baugrube wird fast zwei Meter unter dem Grundwasserspiegel liegen. «Es wird schon nur eine gewaltige Herausforderung sein, die Grube während der Bauzeit trocken zu halten», bestätigt Architekt Vogel.

Berner Zeitung

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