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Eine wechselvolle Schulgeschichte

Eben ist ein Heft erschienen, das einen Blick in Kernenrieds Vergangenheit wirft. Zusammengetragen hat Hansjürg Häni auch etwas zur Schulgeschichte. Immer wieder spielte hier die Nachbargemeinde eine Rolle – bis heute.

Erhaltenswert: Das Primarschulhaus in Kernenried wurde 1924 erbaut. Zuvor wurden die Kinder in einem Bauernhaus unterrichtet.
Erhaltenswert: Das Primarschulhaus in Kernenried wurde 1924 erbaut. Zuvor wurden die Kinder in einem Bauernhaus unterrichtet.
Thomas Peter

Die Primarschule ist in Kernenried derzeit ein grosses Thema. Eben erst hat die Gemeindeversammlung 2,9 Millionen Franken für den Ausbau der Schule gesprochen. Eben erst hat sie auch beschlossen, in Sachen Schule enger mit der Nachbargemein-de Zauggenried zusammenzuarbeiten.

Die Schulen Kernenried und Zauggenried haben eine lange Tradition, erst gingen sie gemeinsame, später getrennte, dann wieder gemeinsame Wege. Dies zeigt ein Blick in das neue Heft zum geschichtlichen Dorfrundgang, das nun im Nachgang des 750-Jahr-Jubiläums von Kernenried erschienen ist. Der pensionierte Tierarzt Hansjürg Häni hat aus verschiedenen Quellen Zahlen und Fakten zu Kernenried zusammengetragen.

Unterricht in der Bauernstube

Am Anfang des 17.Jahrhunderts entstanden in der Kirchhöre Kirchberg fünf Schulen, darunter auch die Schule Kernenried und Zauggenried. 1781 erfolgte dann der Bau des ersten Schulhauses in Kernenried. «Es stand ganz in der Nähe des heutigen Schulhauses», weiss Hansjürg Häni. Vermutlich Anfang des 19.Jahrhunderts wurde die gemeinsame Schule wieder getrennt. Die Zauggenrieder bauten ein eigenes Schulgebäude.

1854 wurde das alte Schulhaus in Kernenried umgebaut und vergrössert, seinen Bauernhauscharme behielt es aber bei. So jedenfalls beschreibt es der verstorbene Pfarrer und Theologieprofessor Fritz Buri, der in Kernenried geboren und aufgewachsen ist und zur Zeit des Ersten Weltkrieges hier zur Schule ging:

«Das Schulhaus Kernenried war zu meiner Zeit noch ein Bauernhaus mit Schindeldach, Tenne und Bühne und einem Stall. Die Schulkinder wurden von einem bejahrten Ehepaar in zwei durch eine leichte Bretterwand getrennten Stuben unterrichtet. In der Unterschule konnte man gut die Stimmen der Schüler und des Lehrers hören, vor allem wenn dieser vom Stock Gebrauch machte, was nicht selten vorkam.» (In: Schulz/Sommer: Fritz Buri. Sein Weg: Leben – Denken – Glauben.)

1924 errichtete die Gemeinde Kernenried dann das heutige Schulhaus an der Dorfstrasse. 1983 wurde ein gemeinsamer Kindergarten mit Zauggenried gebaut, drei Jahre später schlossen sich auch die Schulen nach knapp 200 Jahren wieder zusammen. Als damaliger Präsident der Schulkommission kann sich Hansjürg Häni noch an die Debatten rund um die Zusammenlegung erinnern: «Die Schülerzahlen sanken, der Schulinspektor setzte uns das Messer an den Hals. Wir mussten reagieren.» Was damals entschieden wurde, ist heute noch gültig. Im nächsten Sommer steht sogar ein weiterer grosser Schritt an: Einziger Kindergarten- und Schulstandort wird künftig Kernenried sein, Zauggenried schliesst seine Schule.

Mühle, Burg und Grabhügel

Der kurze Abriss zur Schule ist nur ein Kapitel im «geschichtlichen Dorfrundgang»; weitere Themen sind beispielsweise die einstige Moorburg der Ritter von Kerren (siehe Kasten), von der heute nichts mehr übrig ist, die Mühle an der Hauptstrasse, die 1887 und wiederum 1966 einem Brand zum Opfer fiel, oder die eisenzeitlichen Grabhügel von Kernenried.

Das Heft erhebe keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit oder Vollständigkeit, betont Hansjürg Häni. Vielmehr biete es eine Auswahl, die sicher auch von persönlichen Interessen geprägt sei. Entstanden ist das Dossier im Rahmen der 750-Jahr-Feier, die letztes Jahr stattfand. Der Gemeinderat beauftragte Häni damals damit, etwas zur Geschichte Kernenrieds zusammenzutragen, da er sich schon immer für Geschichte und Archäologie interessierte. «Der Zeitplan war denkbar knapp. Im Oktober fand das Jubiläumsfest statt. Ich hatte gerade mal vier Monate Zeit.» In zwei, drei schlaflosen Nächten entwarf der Kernenrieder das Konzept eines Dorfrundgangs. Häni begab sich auf Recherche, vor allem auch im Internet stiess er auf das eine oder andere Dokument, suchte Fotos und Pläne zusammen. Jetzt, ein Jahr später, gab die Gemeinde seine Ergebnisse als Heft heraus. So entstand eine kleine Sammlung, die umso wertvoller ist, als bis anhin nichts Vergleichbares über das Dorf existierte.

Das Heft 750 Jahre Kernenried, 1261–2011. Geschichtlicher Dorfrundgang vom 15.Oktober 2011 kann auf der Gemeindeverwaltung von Kernenried für 12 Franken bezogen werden.

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