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Ein Brand als Hilfeschrei

Ist das Langenthaler Sozialamt mitschuldig am Brand in Madiswil? Der mutmassliche Täter hatte sein Vorhaben angekündigt – wurde aber nicht daran gehindert. Jetzt befindet er sich in stationärer Behandlung.

Mit feinem Holz und Papier zündet er das Feuer, ein paar dicke Bretter besorgen den Rest. Einen Moment lang bleibt Jakob F.* stehen, richtet seinen Blick in die Flammen, bis er sicher ist, dass die zerstörerische Kraft genügt, um den Schopf an der Madiswiler Steingasse in Schutt und Asche zu legen. Das war vor elf Tagen. Verkohlte Landwirtschaftsgeräte und Maschinen bleiben übrig, auf mehrere zehntausend Franken schätzt die Kantonspolizei den Schaden. Nach dem Täter muss sie gar nicht erst suchen. Der Mann habe «in der Nähe des Brandobjekts angehalten werden können», heisst es in der Pressemitteilung der Untersuchungsbehörden. Tatsache ist: Als das Feuer richtig brennt, setzt sich Jakob F. auf eine Bank, beobachtet das Inferno – und ruft per Handy die Polizei.

Ein Hilfeschrei?

Tage später besucht Jakob F. die Redaktion dieser Zeitung. Mit Fotomaterial und einem Tagebuch, in dem er die Geschehnisse der letzten Wochen minutiös auflistet. Wem der Schopf in Madiswil gehört, weiss er nicht. Ein Hilfeschrei, weil er sich von den Langenthaler Stadtbehörden nicht richtig behandelt fühlt? Diese Zeitung weiss:?Jakob F. hatte vom städtischen Sozialamt eine Mietwohnung verlangt – diese aber nicht erhalten. Adrian Vonrüti, Vorsteher des Sozialamtes, rechtfertigt sich: «Es ist nicht unsere Aufgabe, für Klienten eine Wohnung zu suchen. Das wäre zeitlich auch gar nicht möglich.» Allerdings habe man in diesem Fall eine Kostengutsprache erteilt. Hätte Jakob F. also eine Wohnung gefunden, wäre die Stadt für die Miete aufgekommen. Für den arbeitslosen Langenthaler ist das offenbar zu wenig: Er droht der zuständigen Sozialarbeiterin, ein Delikt zu begehen. Tage später brennt der Schopf in Madiswil. Wurde seine Drohung zu wenig ernst genommen? Adrian Vonrüti wehrt ab. Der Klient habe zwar gesagt, er mache «einen Seich», von Brandstiftung sei aber nie die Rede gewesen. «Ganz allgemein sind Drohungen bei uns leider ein beliebtes Druckmittel. Sie gehören schon fast zur Tagesordnung.»

Brandstifter krebst zurück

Als das Sozialamt vom geplanten Bericht in dieser Zeitung erfährt, stellt sie Jakob F. zur Rede. Mit Erfolg. Der Brandstifter zieht sämtliche Aussagen zurück, von der Kritik am Sozialamt will er plötzlich nichts mehr wissen. «Wir haben ihn bestimmt nicht unter Druck gesetzt», betont Adrian Vonrüti. Während des «klärenden Gesprächs» auf dem Sozialamt sei der Klient selber zur Einsicht gelangt, dass ihm ein Zeitungsbericht nur schaden könnte. Rasch auf freiem Fuss Weniger ausführlich äussert sich das Untersuchungsrichteramt Emmental-Oberaargau zum Fall Madiswil. Die Voruntersuchung sei geheim, man gebe dazu momentan keine Auskunft, heisst es auf Anfrage. Offen bleibt damit, weshalb Jakob F. nur wenige Stunden nach seinem Geständnis schon wieder auf freiem Fuss war. Erst jetzt, nachdem Jakob F. die Zeitung informierte, haben die Behörden reagiert und den Brandstifter in eine stationäre psychiatrische Einrichtung überwiesen.

*Name von der Redaktion geändert.

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