Zum Hauptinhalt springen

Das Geisterhaus in der Oberstadt

Geht im Haus an der Schmiedengasse 21 in Burgdorf der Geist einer seit 1865 verschollenen Frau um? Ueli Arm hört immer wieder ein Klopfen in seinen vier Wänden.

Vor dem Umbau des Kaufhauses Strauss bot das Gebäude den Geistern manch dunkle Orte dafür,  sich zu verstecken.
Vor dem Umbau des Kaufhauses Strauss bot das Gebäude den Geistern manch dunkle Orte dafür, sich zu verstecken.
Walter Pfäffli
Ueli Arm während des Umbaus im Jahr  2011 im Dachgeschoss. In dieser Wohnung sind die Klopfgeräusche kaum zu hören.
Ueli Arm während des Umbaus im Jahr 2011 im Dachgeschoss. In dieser Wohnung sind die Klopfgeräusche kaum zu hören.
Andreas Marbot
Das Haus an der Schmiedengasse 21, wie es sich heute präsentiert. Wie einst ist hier wieder eine Feinbäckerei.
Das Haus an der Schmiedengasse 21, wie es sich heute präsentiert. Wie einst ist hier wieder eine Feinbäckerei.
Olaf Nörrenberg
1 / 3

Unheimliches tut sich in der Burgdorfer Oberstadt. Spuken soll es in einem Gemäuer, das nach dem Stadtbrand von 1865 erbaut worden ist. Ist es ein Geist, der im Haus Schmiedengasse 21 lebt? Ueli Arm hat sich diese Frage schon oft gestellt.

Doch bis heute hat der Architekt, der das ehemalige Kaufhaus Strauss vor gut vier Jahren umgebaut hat, keine befriedigende Antwort gefunden. Allerdings: Er will gar nicht auf Biegen und Brechen herausfinden, woher die Geräusche kommen, die er in seiner Wohnung hört. «Warum soll ich es herausfinden wollen? Das Geräusch ist etwas Spezielles und gehört offenbar zu dieser Wohnung», sinniert Arm.

Zu hören sind nicht irgendwelche Geräusche, sondern: «Es ist ein Klopfen und tönt so, als würde ein Pingpongball auf den Boden fallen.» Mal lauter, mal leiser. Zu jeder Tages- und Nachtzeit. «Morgens um zwei Uhr, zwei- bis dreimal pro Stunde, alle drei bis vier Stunden, dann ein paar Tage nicht mehr», erzählt Ueli Arm, der mit Spiritismus nichts am Hut hat.

Trotzdem: Könnte es sein, dass er sich das Klopfen nur einbildet? Dass er sich wünscht, ein Geist würde in seinem Haus in der Oberstadt sein Unwesen treiben und den Bewohnern auf der Nase herumtanzen? «Nein, nein», winkt der Hausherr ab und versichert die Echtheit des Geräusches, «wenn wir Besuch haben, sagt plötzlich jemand: ‹Hesch ghört?›.»

Kein Holz, das knarrt

Hörbar sei das Klopfen nicht im ganzen Haus – nicht im Dachgeschoss, kaum in der unteren Wohnung, «nein, es muss auf unserer Höhe sein». Doch auf der 7,5 mal 14 Meter grossen Fläche der Wohnung sei der Ton «schlicht nicht lokalisierbar». Das Klopfen komme weder aus der Decke noch aus dem Boden und schon gar nicht aus den Sandsteinmauern. Und es sei auch nicht der Nachbar, der sich mit ihm einen Scherz erlaube, zumal das Klopfen auch dann zu hören sei, wenn die übrigen Hausbewohner in den Ferien seien.

Als Architekt kennt Ueli Arm das Haus Schmiedengasse 21 vom Fundament bis zum Dachfirst. Knarrende Holzböden, die sich bei Wärme ausdehnen und bei Kälte zusammenziehen, können nicht Ursprung des rätselhaften Geräuschs sein.

Beim Umbau des einstigen Kaufhauses Strauss wurden alle Holzböden durch Betondecken ersetzt. Gab es keine Warnung des früheren Besitzers? «Als ich Strauss das Haus abgekauft habe, hat dieser nie etwas von unbekannten Geräuschen gesagt.» Dass auf Arms Wohngeschoss früher die Spielwarenabteilung von Strauss gewesen sei, habe mit dem Klopfen wohl nichts zu tun. Was ist es dann?

Der gute Geist im Haus

Wären die mysteriösen Klopf-geräusche nicht ein Fall für die Wissenschaft oder gar für Geisterforscher? Ueli Arm winkt ab: «In unserer Wohnung lebt es sich unproblematisch, und die auftretenden Geräusche schränken unsere Lebensqualität nicht ein. Im Gegenteil: Selbst wenn man allein zu Hause ist, fühlt man sich nie allein. Es ist doch schön, einen guten Geist um sich zu haben – sofern es denn einer ist.»

Aha, also doch ein Geist? «Mir ist noch nie einer begegnet. Aber», sagt der Hausherr, ohne den Satz vollenden zu wollen. Er zögert. Die Sache sei delikat. Möglich sei, aber natürlich nicht zu beweisen, dass der Geist von Witwe Heggi im Gemäuer wohne. Jene Frau also, die beim grossen Brand von Burgdorf am 21.Juli 1865 zu Tode gekommen war. Dies jedenfalls nimmt man an.

Denn von Witwe Heggi fehlte nach dem Brand jede Spur, nicht einmal die Gebeine der Küchlerin (Feinbäckerin) wurden in der Brandruine gefunden. Just an jenem Ort, an welchem heute Ueli Arm wohnt. Gut könne es da sein, dass die Frau, die auf keinem Kirchhof den Frieden gefunden habe, nach wie vor im Haus auf und ab gehe – besonders im Winter, wenn es sie fröstele. Dies würde erklären, weshalb das Klopfen in der kalten Jahreszeit häufiger zu hören ist.

Witwe Heggi nicht ärgern

«Uns ist Witwe Heggi gut gesinnt», ist Ueli Arm überzeugt, zumal jetzt mit «La Brioche» wieder eine Feinbäckerei im Haus untergebracht sei. Doch der Hausbesitzer mahnt, die Geschichte von Witwe Heggi nicht herumzuerzählen: «Wir wollen Frau Heggi weder ärgern noch vertreiben, sondern hoffen, dass sie uns auf ihre Weise noch lange begleiten wird.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch