Bauer spritzt Wässermatten mit Abbrennmittel

Lotzwil

Landwirt Franz Wächli (62) ist der Kragen geplatzt. Er spritzte Abbrennmittel auf die Wässermatten unterhalb von Lotzwil. Der Bauer ist es leid, von der Wässermattenstiftung nur ungenügend entschädigt zu werden.

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Patrick Jordi@jordipatrick

Trauriges Bild am Dienstagnachmittag auf den Wässermatten zwischen Langenthal und Lotzwil: Bauer Franz Wächli (62) fährt mit seinem Traktor auf. Geladen hat er laut eigenen Angaben ein Abbrennmittel (Herbizid). Er spritzt damit Teile seiner Wässermatten. Schon bald wird dort, wo heute saftiges Gras und Feldblumen blühen, nur noch verdorrte Fläche sein.

Warum tut Franz Wächli so etwas? Der Bauer hat die Nase voll. Seit Jahren kämpft er darum, von der Wässermattenstiftung eine gerechte Entschädigung zu erhalten. Denn Wächli kann seine Flächen, die als Wässermatten gekennzeichnet sind, nicht für die Bewirtschaftung nutzen. Die ausgeschiedenen Parzellen sind geschützt und dienen unter anderem der Biodiversität und als Naherholungsgebiet. Franz Wächli ist als Wässerbauer vertragsgemäss für den Unterhalt dieser Flächen zuständig – und sollte dafür von der Stiftung entsprechend entschädigt werden.

Weniger Zins gegenüber früher

Die Stiftung indes ist sich bewusst, dass die Entschädigungszahlungen nicht mehr der ursprünglich abgemachten Höhe entsprechen. Offen räumt die Stiftung in einem Brief an den Gesamtregierungsrat ein, «dass die Entschädigungen an die Wässerbauern (…) nicht ihrer Leistung, sondern dem Marktzins des Stiftungskapitals entsprechend» seien. Will heissen: Das angelegte Stiftungskapital wirft nicht mehr so viel Zins ab wie in früheren Jahren.

Die Wässermattenstiftung ist grundsätzlich bereit, eine Sanierung der Stiftung herbeizuführen. Man hat dem Kanton verschiedene Vorschläge gemacht, wie diese aussehen könnte. Eine Sanierung würde ermöglichen, den Wässerbauern dereinst wieder gerechte Entschädigungen für ihre Leistungen bezahlen zu können.

Beim Kanton stellte man der Stiftung einen Grundsatzentscheid für Frühsommer 2015 in Aussicht. Bauer Franz Wächli indes mag nicht mehr warten. «Meine Existenz ist gefährdet. Ich lebe von den Entschädigungszahlungen der Stiftung, also muss jetzt etwas gehen», sagte der 62-Jährige am Dienstagnachmittag.

Berner Zeitung

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