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Auf den Spuren der alten Römer

Das Juradorf ist eine wahre Fundgrube für Archäologen. Jetzt sind sie im Gebiet Wybrunne auf die Überreste eines römischen Gutshofes und einer Siedlung aus der Bronzezeit gestossen. Morgen kann die Grabungsstelle besichtigt werden.

Stefan Aerni
Findig: René Bacher zeigt, wo sich der Keller des Römerbaus befand.
Findig: René Bacher zeigt, wo sich der Keller des Römerbaus befand.
Geordnet: Keramikscherben aus der Spätbronzezeit (13.Jahrhundert vor Christus).
Geordnet: Keramikscherben aus der Spätbronzezeit (13.Jahrhundert vor Christus).
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Auf einem Tisch liegen Steine und Scherben, sorgfältig sortiert, beschriftet und in kleinen Schachteln aufgehoben. «Das hier ist ein Stück von einem Teller», erklärt Marianne Ramstein vom Archäologischen Dienst des Kantons und hält ein unscheinbares Ding in der Hand. «Sieht ein bisschen aus wie eine Röstischüssel, oder?»

Die Wissenschaftlerin beweist Humor. Natürlich kannten die Menschen in der Spätbronzezeit, also vor über 3'000 Jahren, noch keine Kartoffeln. Aber ein Spässchen lockert die Knochenarbeit auf.

Beliebtes Siedlungsgebiet

Seit Februar gräbt Ramstein mit ihrem rund zehnköpfigen Team in Attiswil nach Siedlungsüberresten aus längst vergangenen Zeiten. Lunte gerochen haben die Kantonsarchäologen, weil beim Bau eines privaten Mehrfamilienhauses an der Leimenstrasse im Gebiet Wybrunne verdächtige Keramikscherbenstücke zum Vorschein kamen. Was für Laien bloss «Brösmelizüüg» (Ramstein) ist, ist für Archäologen ein gefundenes Fressen.

Und bei Attiswil werden die Altertumsforscher sowieso hellhörig. Denn das 1'300-Seelen-Dorf am Jura ist ein Ort, wo sich die Menschen offenbar schon in Urzeiten gerne niederliessen. So waren dort bereits früher zwei römische Gutshöfe entdeckt worden: einer im Westen des Dorfes in der Scharlematte und einer im Osten (Gärberhof). «Der Südfuss der ersten Jurakette war schon immer eine beliebte Siedlungsterrasse», sagt Kantonsarchäologe Daniel Gutscher.

Gewerbebau statt Gutshof?

Neben den Relikten aus der Bronzezeit – gefunden wurden bisher Keramikscherben, Werkzeuge und Pfostengruben – steht vor allem ein grosses römisches Gebäude im Fokus der Archäologen. Nach über einem halben Jahr Grabungsarbeiten in Attiswil sehen die Fachleute hier etwas klarer.

Anfänglich waren sie davon ausgegangen, dass es sich an der Leimenstrasse ebenfalls um einen Gutshof handelt. Mittlerweile sind sie aber zu einer anderen Erkenntnis gekommen: Demnach dürften die inzwischen grösstenteils freigelegten Mauerresten von einem Gewerbebau stammen.

Die Erklärung von René Bacher, dem für dieses Objekt zuständigen wissenschaftlichen Leiter: Der römische Bau an der Leimenstrasse liege ziemlich genau in der Mitte zwischen den bereits bekannten Gutshöfen von Attiswil. Dies und der relativ einfache Gebäudegrundriss liessen vermuten, dass es sich nur um ein Nebengebäude handelt und nicht um einen weiteren Gutshof. Dafür sprächen auch die zahlreichen Feuerstellen. Möglicherweise sei das jetzt neu entdeckte Gebäude von den beiden benachbarten Gutshöfen gemeinsam genutzt und unterhalten worden – als eine Art Gewerbebau. «Dennoch», so Bachers Fazit, «ist die Funktion des Baus bisher noch nicht restlos geklärt.»

Grabungen dauern bis 2012

Die archäologischen Grabungen in Attiswil dauern voraussichtlich noch bis Februar 2012. Die genaue Auswertung der Fundgegenstände dürfte danach fünf bis zehn Jahre in Anspruch nehmen.

Bevor die prähistorischen Relikte in den Studierstuben der Wissenschaftler landen, haben alle Interessierten die Möglichkeit, selber einen Augenschein zu nehmen: Der Archäologische Dienst lädt morgen zu einem Tag der offenen Grabungsstätte ein. Für Kantonsarchäologe Daniel Gutscher eine einmalige Gelegenheit. «Denn nachher verschwinden die Fundstücke für die Öffentlichkeit wieder wie eine Fata Morgana.»

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