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Am Verkehr scheiden sich die Geister

Die Meinungen zum Entwurf des Verkehrsrichtplans in Langnau driften weit auseinander: Die einen befürchten, das Dorf bei Tempo 30 sterbe aus. Die andern plädieren für eine grössere Begegnungszone mit Tempo 20.

Läge die Marktstrasse in einer Begegnungszone, gäbe es keine Fussgängerstreifen mehr, die Passanten hätten Vortritt.
Läge die Marktstrasse in einer Begegnungszone, gäbe es keine Fussgängerstreifen mehr, die Passanten hätten Vortritt.
Thomas Peter

Damit hat Bauverwalter Oliver Mischler nicht gerechnet. Über 150 Personen, Parteien und Vereine haben während der Mitwirkungsfrist ihren Kommentar zum Entwurf des neuen Verkehrsrichtplans abgegeben. «Wir sind von weniger Eingaben ausgegangen, sind aber sehr erfreut, dass in so grosser Anzahl mitgewirkt wurde», hält Mischler fest. Für die Verwaltung bedeutet es viel Arbeit, die Antworten auszuwerten.

Und am Gemeinderat ist es dann, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Das dürfte schwierig werden, denn die Meinungen gehen weit auseinander: Die einen unterstützen den Vorschlag des Gemeinderates, wonach im Dorf Langnau – ausser auf der Kantonsstrasse – flächendeckend Tempo 30 eingeführt werden soll. Erwartungsgemäss sind dies der Verein Dorfbild Langnau (VeDL), die SP und die Grünen.

Wobei Letztere den Verkehr auch gleich auf der Kantonsstrasse verlangsamen möchte. Auch für die GLP ist die flächendeckende Zone 30 «ein Muss» und – etwas überraschend – auch bei den Fraktionsmitgliedern der FDP willkommen.

«Zu grosser Perimeter»

Die BDP, die EVP und der Gewerbeverein konnten sich zu keiner einheitlichen Meinung durchringen. Die SVP allerdings ist gegen eine flächendeckende Einführung. Auch die Vereinigung pro Langnau (VpL), die Detaillisten, erachtet den Perimeter für die Einführung einer Tempo-30-Zone als zu gross.

«Als punktuelle Massnahme ist das sicher richtig, aber Tempo 30 auf den Durchgangsstrassen ist übertrieben», sagt Präsident Peter Bichsel. Gar keine Freude haben die Detaillisten zudem an der Idee, im Dorf neue Begegnungszonen zu schaffen – Strassen also, auf denen die Fussgänger Vortritt haben und nicht schneller als mit Tempo 20 gefahren werden darf. Eine solche existiert bereits beim Bahnhof und soll gemäss den Plänen des Gemeinderates neu bis zum Bären und im Bereich Viehmarktplatz eingerichtet werden.

Detaillisten wehren sich

Der Wechsel zwischen Tempo-30- und Begegnungszonen stifte Verwirrung und erhöhe das Unfallrisiko, monieren die Gegner. Zu den Kritikern neuer Begegnungszonen im Dorfzentrum zählen auch BDP, FDP und die GFL. Klar begrüsst würden sie von den Grünen, der SP und dem VeDL. Mehr noch: «Die SP möchte die Begegnungszone unbedingt noch erweitern», schreibt sie. Sie möchte den Fussgängern auch auf der Dorfstrasse – zwischen der Raiffeisen und der Berner Kantonalbank – Vortritt verschaffen, was auch vom VeDL unterstützt würde.

Der Dorfbild-Verein argumentiert mit dem «einheitlich nachvollziehbaren Verkehrsregime», das entstehen würde. Und er schreibt: «Eine Begegnungszone ist gewerbefreundlich.» Der Dorfkern werde attraktiv, lade zum Verweilen ein, und die Autos hätten trotzdem noch uneingeschränkte Zufahrt.

Doch die Detaillisten sehen das anders, wie VpL-Präsident Peter Bichsel deutlich macht. Die im Dorfkern geplante Begegnungszone mit dem Einbahnregime lehnen sie entschieden ab. «Den Einbahnverkehr vom Hirschenplatz Richtung Viehmarktplatz hatten wir schon, er hat sich nicht bewährt», sagt er. Weiter befürchtet er, dass zu viele verschiedene Zonen die auswärtigen Kunden von einer Fahrt ins Dorfzentrum abschrecken könnten. «Aber Langnau ist auf den motorisierten Verkehr angewiesen. Fahren die Leute nur noch zu den Grossverteilern jenseits der Bahnlinie, verkommt das Dorf zu einem Ballenberg», sagt Bichsel. Aus dem gleichen Grund warnt er davor, Gratisparkplätze aufzuheben.

Heftig kritisiert wird der Entwurf des Gemeinderates auch vom TCS Landesteil Emmental. Er schiesse in vielen Punkten über das Ziel hinaus. Präsident Max Gerber schreibt in seiner Stellungnahme, bei der Beurteilung komme man zum Schluss, zentrales Ziel des Richtplanes sei es, den motorisierten Individualverkehr zu behindern. Würden bei der Zufahrt ins Dorf Hindernisse aufgebaut, drohe diesem «ein Aussterben, wie in der Oberstadt in Burgdorf».

Während die einen befürchten, die Umsetzung der neuen Vorschläge würde zu viel Geld verschlingen, packt der Verein Dorfbild Langnau weitergehende Wünsche obendrauf: Er möchte den Viehmarkt-, den Pferdemarkt-, den Hirschen- und den Bärenplatz sowie die Plätze bei der alten Post und dem alten Amthaus von einem «qualifizierten Landschaftsarchitekten gestalten lassen».

Die Planungskommission wertet die Eingaben aus und verfasst einen Bericht, den der Gemeinderat dann verabschieden und beim Kanton zur Vorprüfung einreichen wird.

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