Langenthal

Zum Tempel jetzt auch ein Take-away

LangenthalEnde Jahr soll im Gaura-Bhakti-Yoga-Zentrum im ehemaligen Ochsen nun auch ein Take-away mit indischem Spezialitätenladen den Betrieb aufnehmen und die Finanzierung einer religiösen Schule sichern.

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Mauern sind herausgebrochen, neue Eisenträger zur Deckensicherung eingebaut worden. Sichtlich zufrieden führt Roberto «Rasananda» Arnoldi durch die neu entstandenen Räumlichkeiten im Erdgeschoss seiner Liegenschaft an der Dorfgasse 43 in Langenthal. Fast auf den Tag genau fünf Jahre sind vergangen, seit Arnoldi hier im ehemaligen Restaurant Ochsen mit Gleichgesinnten seiner Hare-Krishna-Gemeinschaft das Gaura-Bhakti-Yoga-Zentrum eröffnet hat.

Die Gemeinschaft wächst

Der grosse Saal im ersten Stock des ehemaligen Restaurants dient den Gläubigen seither als Zeremonien-, Vortrags- und Gebetsraum. Die frühere Gaststube wurde inzwischen zur Wohnung umgebaut; aus der darüber liegenden Wohnung sind deren zwei geworden. Selbst ein Massenlager für Mönche fehlt nicht im Zentrum der Langenthaler Hare-Krishna-Bewegung.

«Fast vier Jahre blieb es ungenutzt, da haben wir uns schon gefragt, wieso wir das überhaupt eingerichtet haben», sagt Arnoldi. Doch dann hätten plötzlich gleich acht Mönche gleichzeitig angeklopft. Seither trifft man die jungen Männer überall in Schoren an. Und mit ihnen die vielen jungen Paare, die sich gegen das Mönchsleben in völligem Zölibat und für eine Ehe entschieden haben.

Rund 30 Angehörige zählt die Langenthaler Hare-Krishna-Bewegung mittlerweile, Kinder miteingerechnet. Ihr Zentrum in Schoren erweitern sie jetzt um zwei neue Bereiche: ein Take-away mit integrierter Verkaufsfläche für indische Spezialitäten sowie Räume für eine religiöse Privatschule.

Vorerst Privatunterricht

Diese Pläne hatte Arnoldi schon Ende 2011 publik gemacht. Stiess das Vorhaben anfänglich auf Widerstand – gegen das Baugesuch waren damals eine Einzeleinsprache sowie zwei Kollektiveinsprachen eingegangen –, hat das Regierungsstatthalteramt Oberaargau schliesslich aber grünes Licht gegeben. Denn den Einbau von Schulungsräumen hatte Arnoldi noch während des Baubewilligungsverfahrens wieder zurückgezogen. Seine Pläne hat er damit aber nicht fallen gelassen.

«Noch haben wir zu wenig schulpflichtige Kinder, um eine Privatschule zu eröffnen», erklärt er. Vorerst werden die Kinder – derzeit zwei im Primarschulalter und vier im Kindergartenalter – von ihm und seiner Frau deshalb als Basisstufe privat unterrichtet. Das Gesuch um Bewilligung des Unterrichts hat Arnoldi beim Schulinspektorat Oberaargau-Emmental eingereicht. Sobald genügend Kinder für die Eröffnung einer ganzen Schule vorhanden seien, werde man dann einen entsprechenden Antrag bei der kantonalen Erziehungsdirektion stellen.

Arnoldi ist zuversichtlich, dass die Bewegung ihre Pläne dereinst umsetzen kann. An Nachwuchs, der in ein paar Jahren schulpflichtig wird, fehlt es der Hare-Krishna-Bewegung in Langenthal nicht. Auch gibt es laut Arnoldi keinen Grund, eine Privatschule nicht zu bewilligen: «Wir unterrichten unsere Kinder gemäss kantonalem Lehrplan», betont er. «Mit dem einzigen Unterschied, dass die Religion unseren Unterricht mitprägt.»

Auch für die Finanzierung – vorerst des Privatunterrichts, später der Privatschule – hat Arnoldi eine Lösung gefunden: Erfolgen soll diese über den Gewinn aus dem Catering.

Fronarbeit fürs Zentrum

Bereits ist die künftige Verkaufsfläche im Rohbau fertig; und auch bei den daneben liegenden Unterrichtsräumen schreiten die Arbeiten zügig voran. Ausgeführt werden die Umbauten von den Gläubigen in Fronarbeit. Deshalb sei auch nicht ganz sicher, ob das Take-away tatsächlich bereits Ende Jahr eröffnet werden könne, sagt Arnoldi. Denn für die Herstellung der indischen Produkte, die dort verkauft werden sollen, muss auch die Kegelbahn erst noch einer neuen Gewerbeküche weichen. Aber eilig, sagt Arnoldi, habe man es schliesslich nicht. (Berner Zeitung)

Erstellt: 21.08.2013, 10:08 Uhr

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Die Gemeinschaft

Die Hare-Krishna-Bewegung orientiert sich an den Gesetzen der Veden, den religiösen Schriften des Hinduismus. Frühmorgens um 4.30 Uhr treffen sich die Frühaufsteher unter den Langenthaler Gläubigen in ihrem Zentrum jeweils bereits zur ersten Zeremonie; es folgen Vorträge und ein gemeinsames Frühstück, ehe die einen danach ihrem Beruf nachgehen und andere ihren Dienst im Zentrum verrichten. Es seien nur zwei Dinge, die bei Novizen, die im Tempel leben wollen, nicht toleriert würden, erklärt Roberto «Rasananda» Arnoldi, Gründer und Präsident der Bewegung: «Verrücktheit und Faulheit.»
Das hingebungsvolle Dienen Gottes bildet denn auch den zentralen Bestandteil ihrer Religion. Es gelte auch Regeln einzuhalten, sagt Arnoldi, wobei diese aber stets als Ziel zu betrachten seien, zu dem viele Wege führen könnten. Es sind dies der Verzicht auf Glücksspiel und Rauschmittel aller Art sowie auf Fleisch, Fisch und Eier; die Sexualität sollte nur innerhalb der Ehe und ausschliesslich zum Kinderzeugen praktiziert werden.
Laut Arnoldi zählt die Bewegung in Langenthal rund 30 Mitglieder, Kinder miteingerechnet. Man sei bestrebt, zu der Bevölkerung einen guten Kontakt zu haben. So ist das Zentrum grundsätzlich jedem zugänglich; am Samstag findet jeweils um 16 Uhr ein öffentliches Fest im Tempel statt.
Finanzieren kann sich das Zentrum laut Arnoldi durch Spenden sowie aus den Mieteinnahmen der Wohnungen.khl

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