Ein König für den kleinen Hunger

Oberburg

Frische Sandwiches streichen und ausliefern: Mit diesem Konzept starteten Urs Leuenberger und Stefan Wegmüller vor drei Jahren zu zweit in Oberburg den Sandwichkönig. Inzwischen beschäftigen sie 13 Mitarbeiter.

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Christian Häderli@ChriguHaederli

Oberburg, früher Dienstagmorgen: Um 3.30 Uhr sind die Strassen leer, die Häuser dunkel, es ist still. An der Bahnhofstrasse 34 herrscht zu nachtschlafender Zeit aber schon Betrieb. Seit Ende 2011 ist dort im ersten Stock der Sandwichkönig eingemietet, ab 0.30 Uhr werden dort Sandwiches produziert.

Vier Leute sind daran, frische Brötchen zu bestreichen und zu belegen. Unter ihnen die beiden Geschäftsführer. Rund 900 Sandwiches wird das Quartett in der Nacht von Montag auf Dienstag herstellen. Je nachdem, wie viele Bestellungen eingehen, bestreicht und belegt das Team aber bis zu 2000 «Eingeklemmte» pro Nacht.

Das Geschäftsmodell des Sandwichkönigs ist schnell erklärt: Während sechs Nächten pro Woche werden in Oberburg auf Bestellung Sandwiches fabriziert und in den frühen Morgenstunden an die Kundschaft ausgeliefert. Zu den Kunden zählen inzwischen über 20 Tankstellenshops, das Salem-Spital in Bern und die Armee.

Drei verschiedene Touren

Bereits um 4.15 Uhr ist die Produktion in jener Nacht abgeschlossen. Die Brote sind in grosse Kisten verstaut worden und warten nun im Eingangsbereich darauf, ausgeliefert zu werden. Bis es so weit ist, bleibt Zeit für einen Kaffee. Ausgeliefert wird jeweils ab 5 Uhr auf drei verschiedenen Touren in die Regionen Emmental, Grossraum Bern und Berner Oberland.

Beim Sandwichkönig läuft es derzeit wie geschmiert. «Allein im Jahr 2014 konnten wir unseren Umsatz um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigern», sagt Urs Leuenberger, der zusammen mit Stefan Wegmüller die Geschäftsleitung innehat. Wie sieht das Erfolgsrezept des Start-up-Unternehmens aus?

«Wir haben von Anfang an auf frische, qualitativ hochstehende und schweizerische Zutaten gesetzt und uns damit einen Namen gemacht», erklärt Leuenberger. Das Brot bezieht sein Betrieb von der Bäckerei Meier, die ihre Backstube ein Stockwerk höher hat. Das Gemüse wird von Bauern aus der Region geliefert, mit Ausnahme von Truten ist in den Sandwiches ausschliesslich Schweizer Fleisch zu finden.

Waffenplatz grösster Kunde

Offensichtlich hat sich das herumgesprochen: «Einige unserer heutigen Kunden haben uns angefragt, ob wir sie regelmässig beliefern können», sagt Wegmüller. So auch der Waffenplatz Thun, der gegenwärtig grösste Kunde. Thuner Rekruten erhalten ihre Zwischenverpflegung seit zwei Jahren aus Oberburg.

Inzwischen sind die beiden Fahrer eingetroffen, die die Ware an die Kundschaft ausliefern. Die dritte Tour übernehmen die beiden Geschäftsführer an jenem Morgen ausnahmsweise gleich selber. Sie sind es sich gewohnt – in den Anfangszeiten ihres Unternehmens schmissen sie den ganzen Laden zu zweit, bevor sie erfolgsbedingt zusätzliches Personal anstellen konnten. Heute arbeiten insgesamt 15 Personen im Unternehmen – mit Ausnahme der Geschäftsführer alle in einem Teilzeitpensum.

Die auffällige Krone

Die beiden Sandwichkönig-Chefs führen das stetige Wachstum auch auf ein auffälliges Detail in ihrer Marketingstrategie zurück: Auf dem Dach von zwei ihrer Lieferfahrzeuge prangt eine grosse goldene Krone. «Offenbar bleibt diese im Zusammenhang mit unserem Namen in den Gedächtnissen der Leute gut haften», stellt Leuenberger fest. «Wir haben unzählige Rückmeldungen darauf erhalten.»

Wo jemand expandiert, verlieren häufig andere Betriebe Aufträge. Ist dies auch beim Sandwichkönig der Fall? «In unserem Einzugsgebiet gibt es kein vergleichbares Unternehmen», sagt Leuenberger. Viele der von seiner Firma belieferten Shops und Kioske haben zuvor keine frischen Sandwiches im Sortiment geführt. Wenn das Start-up für jemanden eine direkte Konkurrenz darstellt, dann wohl am ehesten für lokale Bäckereien.

Auf dem Weg zum Salem-Spital ist die Stadt Bern kurz vor 6 Uhr nach wie vor ungewohnt leer. Nur wenige Leute befinden sich auf dem Weg zur Arbeit. «Man gewöhnt sich daran, regelmässig nachts zu arbeiten», sagt Wegmüller. «Wenn man selbstständig sein und Erfolg haben will, muss man Kompromisse machen», fügt Leuenberger an. «Man muss bereit sein, alles zu geben.»

Berner Zeitung

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