Zum Hauptinhalt springen

90 Schwingerhosen muss er nähen

Paul Eggimann näht für das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2013 in Burgdorf. In seinem Atelier entstehen die Schwingerhosen.

Gertrud Lehmann
Ob kurz oder lätz: Die Nähte müssen halten. Paul Eggimann hat als Kind eines Schwingers und Sattlers gelernt, wie man Schwingerhosen näht.
Ob kurz oder lätz: Die Nähte müssen halten. Paul Eggimann hat als Kind eines Schwingers und Sattlers gelernt, wie man Schwingerhosen näht.

Was wären Schwinger ohne ihre typischen Zwilchhosen? Sie wüssten nicht, woran sich festzuhalten. Welch ein Skandal, wenn die Naht krachen und der Angreifer mit einem leeren Hosenbein in der Hand auf den Rücken purzeln würde. Dass das nicht passiert, dafür sorgt Paul Eggimann in Grünen, Sumiswald. Seine Hosen halten – ob «Böser» oder «Churz läz».

Schwingen ist «in»

Eigentlich ist Paul Eggimann Sattler und nicht Schneider. Aber schon als Kind lernte er vom Vater, selbst aktiver Schwinger, Schwingerhosen zu nähen. Eggimann ist kein Schwinger geworden, besucht jedoch gerne Schwingfeste. Zu Vaters Zeiten fertigte man in der Sattlerei auch Kummet, Sättel und Zaumzeug für Pferde an. Daneben war das Militär ein wichtiger Auftraggeber. Zeiten und Material änderten, diese Arbeiten würden heute in Billiglohnländern ausgeführt, bedauert Eggimann. Geblieben sind die Schwingerhosen und die Glockenriemenstickerei.

Es braucht solides Material

Schwingen liegt im Trend, Zuschauer- und Teilnehmerzahl an Schwingfesten wachsen. Und nächstes Jahr findet das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Burgdorf statt. Deshalb hat Paul Eggimann gegenwärtig alle Hände voll zu tun. Bis in einem Jahr muss er rund 90 Schwingerhosen genäht haben.

Schwingerhosen sind immer noch aus Zwilch, das heisst der Zettel ist aus Zwirn, der Schuss aus Leinen. Leinen wiederum stammt von einer zarten, blauen Blume, dem Flachs – zu Gotthelfs Zeiten der gängigste Bekleidungsstoff. Heute wird in der Schweiz kaum mehr Leinen produziert, deshalb bezieht Eggimann den Stoff grösstenteils aus dem Osten.

Die Teile für die in sieben Grössen hergestellten Hosen schneidet er mittels einer Schablone von Hand zu und näht sie dann mit einer Spezialnähmaschine doppelt und dreifach – manchmal sogar sechsfach – zusammen. Kritische Stellen sind mit Lederspickeln gesichert, teilweise muss Eggimann mit der Ahle vorlochen und von Hand übers Kreuz zusammennähen, so dick ist das Material. Das alles dauert zwei bis drei Stunden. Auch die dazu gehörenden Ledergürtel stellt Eggimann selber her. Hosen für besondere Anlässe werden zusätzlich mit einem Siebdruck gekennzeichnet.

Dem Brauchtum verpflichtet

Schwingerhosen sind von jeher beige. Aber seit das Fernsehen Wettkämpfe überträgt, müssen die Kontrahenten in dunkelbraunen und naturfarbenen Hosen antreten, damit man sie besser unterscheiden kann. Die Schwingerhose gehört übrigens nie dem Schwinger, sie wird vom Klub oder Veranstalter zur Verfügung gestellt. Das Stück kostet zwischen 90 und 120 Franken, je nach Grösse. Auch das «Darunter» muss korrekt sein, Jeans sind nicht erlaubt, jegliche Werbeaufdrucke verboten. Das gute Stück wird nach dem Kampf ausgebürstet, aber nie gewaschen. Auch eine Schwingerhose hält nicht ewig, nach sechs bis sieben Jahren treten Abnützungserscheinungen auf. Dann werden neue bestellt – bevor ein Schaden entsteht.

Dieser Artikel wurde automatisch auf unsere Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch