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36 Monate für einen «Dauerkunden»

Seit der Mitte der 1990er-Jahre beschäftigte der Angeklagte die Gerichte regelmässig. Nun muss er wegen verschiedenen Delikten ins Gefängnis.

Das Regionalgericht hat einen «Dauerkunden» verurteilt.
Das Regionalgericht hat einen «Dauerkunden» verurteilt.

Eine Zeit lang standen die Zeichen günstig, dass «die Angelegenheit» im abgekürzten Verfahren erledigt werden kann. Um viel Neues ging es nämlich nicht. Erneut hatte der grossmehrheitlich geständige Angeklagte eine Reihe Delikte verübt.

In zwei Malen hatte er bei einem Kleinkreditinstitut über 110'000 Franken ertrogen, indem er im Namen und mit gefälschten Dokumenten seiner damaligen Lebenspartnerinnen Anträge gestellt hatte. Weiter fuhr er «chronisch» ohne gültigen Führerschein Autos.

Dass es vor dem in Dreierbesetzung tagenden Regionalgericht Emmental-Oberaargau in Burgdorf trotzdem zu einer ordentlichen Verhandlung kam, lag an der unterschiedlichen Würdigung der Sachverhalte durch Verteidigung und Staatsanwaltschaft.

Letztere forderte eine unbedingte Gefängnisstrafe von 30 Monaten. Die Verteidigung eine von maximal 20. Dies, weil der Angeschuldigte auf dem Weg der Besserung sei. Dank einer soliden Partnerschaft und einem Töchterchen. Gerichtspräsident Jürg Bähler anerkannte in der Urteilsbegründung, dass der heute gut vierzig Jahre alte Mann seit eineinhalb Jahren nicht mehr in Erscheinung getreten ist.

Was angesichts der Vorgeschichte aber nicht mehr als ein Silberstreifen am Horizont sei. Weiter erklärte Bähler, dass das Gericht bei einem einfachen Verfahren zu 30 Monaten möglicherweise Ja gesagt hätte. Bähler weiter: «Heute kam das Gericht aber zum Schluss, dass 36 angemessen sind.» Dazu kommt ein Widerruf von 3 Monaten aus früheren Urteilen.

Betrügen als Lebensstrategie

«Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass ihr ganzes Leben auf Lug und Betrug aufgebaut ist», fuhr Bähler fort. Eine Feststellung, welche er mit entsprechenden «Müsterchen» untermauerte. So delinquierte der Mann nach bedingten Entlassungen aus dem Strafvollzug und während laufender Strafverfahren. Weiter gelang es ihm, mit gefälschten Dokumenten dem Amt für Justizvollzug ein Arbeitsverhältnis vorzutäuschen. Was ihm ermöglichte, eine Strafe mit Fussfesseln abzusitzen.

Ein Gutachten attestierte dem Täter eine verminderte Schuldfähigkeit. Einer dringend empfohlenen, stationären Massnahme verweigerte er sich aber mit Vehemenz. Auf die Rechnung kam auch das geschädigte Kreditinstitut, welches nun im Besitz einer Schuldanerkennung ist.

Damit, dass er aber noch einmal zu Geld kommt, rechnet der anwesende Bankenvertreter nicht. Er wird das Dokument einem Inkassobüro überlassen. Hat dieses Erfolg, schaut für die Bank eine «Erfolgsbeteiligung» heraus.

BZ/flü

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