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Eine späte Katzenrache

Claude hämmerly

Die ganze Geschichte begann nicht gerade harmlos, aber alltäglich: mit unserem greisen Hund – wäre er ein Mensch, erschiene er im Guinessbuch –, hat er doch bald 16 Lenze auf dem Buckel. In jüngeren Jahren war er ein ausgekochter Katzenschänder, und er liess sich keine Gelegenheit entgehen, den Miauis nachzustellen. Der einstige Kraftprotz kannte alle Schwächen der Katzen. Diesmal zog er den Kürzeren. Im Kopf noch feurig jugendlich, in den Gelenken hoffnungslos geriatrisch, stürzte er sich auf eine halbwilde Katze mit dem Resultat, dass das fauchende Tier unserem «Waldschreck» wohlgezielt eine gehörige Ohrfeige verpasste. Dort, wo sich bei den Menschen die Backen befinden, hängen bei den Jagdhunden bekanntlich die Ohren. Nach drei Tagen war das Ohr des Oldies sackartig in einem Masse angeschwollen, dass der Veterinärbesuch unumgänglich wurde. Die Konsultation beimVeterinär verlief problemlos, es sei ein schwerer Bluterguss mit Folgen, deshalb Antibiotika, zwei Spritzen, Tabletten et cetera. Leider müsse er mir für die eigentlich einfache Behandlung 65 Euro abknöpfen. Während meine Frau das Geld aus der Tasche hervorklaubte, begann ein längerer Veterinärpolitvortrag: Er habe es satt, überhaupt noch zu arbeiten. Als er vor 24 Jahren seine Veterinärpraxis eröffnet habe, seien ihm vom Staat ungefähr die halben Einnahmen als Steuern abgezwackt worden. Heute blieben ihm von 100 Euro noch gerade 22. Er erkläre mir warum. Er stelle fest, dass Heerscharen von Profiteuren und Nichtsnutzen auch aus dem Ausland das Arbeiten verweigerten und sich liebend gerne vom Staat aushalten liessen. Die Politiker hüllten sich trotz massiver Proteste der Bevölkerung in eisernes Schweigen mit der Begründung der Humanität. Er als Veterinär koche vor Wut, wenn Drückeberger und Einwanderer ihre Köter zu ihm brächten und er die Rechnung dem Sozialamt schicken müsse. Es sei eine Frage der Zeit, bis die arbeitende Bevölkerung die Soziallasten nicht mehr tragen könne, und dann wehe, er sehe nur noch Gewalt und Revolution und der Strom von Einwanderern aus den (...) Staaten würde gewaltsam zurückgeschickt. Mein Hund schüttelte den Kopf, wohl doch wegen der Schmerzen. Es war nicht das erste Mal, dass wir mitbekamen, welche tief verankerten Ängste aber auch welche kategorische Ablehnung der arabischen und afrikanischen Kultur gegenüber in allen Volksteilen verankert sind. Zwar spricht man mit leichter Zunge von Multikultur und Offenheit, im Alltag aber funktioniert das Nebeneinander und Miteinander überhaupt nicht. Der Veterinär sprach von klammheimlicher Infiltration des französischen Staates durch arabische Organisationen, dies sei auch der Grund, dass al-Qaida keine lauten Sprengstoffanschläge mehr anordne. Die Politiker wüssten um die schwerwiegende Problematik, aber die höchste Staatsetage bleibe stumm wie ein Karpfenteich. Wer einmal durch Marseille oder Lyon gefahren ist, ich spreche vom Zentrum mit den Vorquartieren und nicht von den Umfahrungsstrassen, wird sich die Frage stellen müssen, wie sich der kulturelle und religiöse Schmelztiegel in nächster Zukunft entwickeln wird. Dass ein eingewanderter Araber seine Familie nachziehen lässt, ist verständlich, dass aber unser Veterinär murrt, weil er mit seiner Arbeit Afrikaner oder Algerier durch die Steuern unterstützen muss, ist nachvollziehbar. Ethnologen und Ökonomen sprechen von einer Zeitbombe. Wenn mein Hund die Katze etwas besser respektiert hätte, wäre der Angriff vielleicht unterblieben. Ich spinne den Faden weiter: Jagdhunde und Katzen können nur koexistieren, entweder, wenn beide in ihrer Jugend aus dem gleichen Napf gefressen haben, dann kennen sie sich von Kindesbeinen an. Oder aber beiden wird strikte beigebracht, dass die eine Spezies die andere in Ruhe lassen muss. Die dritte Variante ist, dass bei kategorischem Ungehorsam Hund und Katze voneinander getrennt werden. Mein Hund wird wohl nicht um eine Operation herumkommen, zu tief sitzen die Krallenverletzungen. Ich hätte doch einen dichteren Zaun um den Garten aufrichten müssen, die Katzenrache wäre unterblieben, und er, der Jagdgrossvater, hätte nie gelernt, dass man die Schwächen anderer ausnützt. E-Mail: claudehy@gmx.ch redaktion-bo@bom.ch>

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