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Eine Klagemauer als Sinnbild für die Passion und Ostern

bätterkindenErdbeben, Tsunami, Atomunfall: In der Kirche nimmt eine Klagemauer die Katastrophe in Japan auf.

«Ich finde es furchtbar, dass Generationen von Menschen leiden müssen nach dem Reaktorunfall.» «Ich habe Angst, dass immer grössere Teile unserer Erde nicht mehr bewohnbar sind.» Und schliesslich: «Warum machen wir mit unseren hohen Ansprüchen die Welt kaputt?» Rot und orange leuchten die kleinen Zettel mit diesen und anderen sorgenvollen Gedanken an der Stellwand im Chor der Kirche Bätterkinden. Zum Teil stecken die Papierchen auch, adrett zusammengerollt, in den aufeinandergestapelten Backsteinen zu Füssen. Schon fast einen Monat lang präsentieren sie sich in dieser Art, denn Ende März hat die Kirchgemeinde eine Klagemauer aufgebaut. Als Reaktion auf Erdbeben, Tsunami und Atomkatastrophe in Japan. Und als Sinnbild für die noch verbleibende Zeit bis Ostern, für die Passionszeit also. In gute Hände übergeben Denn in der Passionszeit, schlägt Pfarrer Ueli Wagner den Bogen zurück zu den Ereignissen in Japan, «geht man nicht unbeteiligt an Sachen vorbei, die schwierig sind». In diesen Tagen und Wochen blicke die Kirche jeweils über ihr engeres Umfeld hinaus, wende sich mit besonderer Aufmerksamkeit den Problemen der Menschen in der Welt zu. Wagner erinnert an die traditionelle vorösterliche Kampagne der kirchlichen Hilfswerke Brot für alle und Fastenopfer, die seit über 40 Jahren genau diese Sensibilität wecken will – in diesem Zusammenhang, davon ist der Pfarrer überzeugt, kommt um die Ereignisse in Japan heuer eigentlich niemand herum. Zumal sie die Kirche und ihre Mitglieder sehr stark beschäftigten. Gerade der Atomunfall werfe die grundsätzliche Frage auf, wie es nun, «da in unserer technisch derart gut organisierten Welt so etwas passieren konnte», überhaupt weitergehe. «Wir sind aufgefordert worden, diesem Thema Raum zu geben», und daraus sei die Idee der Klagemauer entstanden, an der die verschiedensten Anliegen vor Gott deponiert und damit quasi in gute Hände übergeben werden könnten. Auch dieser Gedanke folgt einer sogar noch älteren Tradition. Gerade in der katholischen Kirche liegen Bücher auf, in denen die Gläubigen ihre Gedanken niederschreiben können. Oder Zettel zum Aufhängen. Vom Leid in die Hoffnung Bis morgen Karfreitag bleibt die Klagemauer in der Kirche Bätterkinden noch so stehen. Dann verschwindet sie, denn nun löst das Ostergeschehen mit dem Auferstehungswunder die von Leiden, Trauer und Tod geprägte Passionszeit ab. Plötzlich überwiegen in den Kirchen das Leben und die Lebensfreude, Wagner redet von der überraschenden Wende, die alles Schwierige beiseite stelle. Und dem wolle man mit dem Abbau der Klagemauer auf Ostern hin nachleben. Auf den kleinen Zetteln ist von dieser Heiterkeit schon heute etwas spürbar. Nicht mehr rot oder orange sind die Papierchen nun, sondern dem Thema entsprechend grün, und sie rufen dazu auf, «Sorge zu tragen zur Natur» und auch «zu den Menschen». «Bitte Herr, hilf den Menschen in Japan, ein neues, erfülltes Leben aufzubauen», steht auf diesem Teil der Wand auch – und darunter kunstvoll in japanischer Kalligrafie mit mehrsprachiger Übersetzung: «Esperance. Hope. Hoffnung.»Stephan Künzi>

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