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Eine Bernerin schielt nach Hollywood

StuntfrauBettina Schindler ist Feuer und Flamme

Von kleinen Mädchen, wie Bettina Schindler eines war, sagt man gerne, sie seien halbe Jungs. Die Bernerin kletterte als Kind nicht auf Bäume, um dann hilflos nach Mami und Papi zu schreien. Sie erklomm die Wipfel und liess sich furchtlos durch die Äste zu Boden fallen. Und auch als Dreiradfahrerin rasselte sie lieber steile Waldhänge runter, als auf Quartierstrassen öde Runden zu drehen. «Stuntfrau zu werden, war schon immer mein Traum», sagt Schindler, mittlerweile 25-jährig und eine Powerfrau durch und durch. Für diesen Traum lebt sie bis heute: Seit vier Jahren ist Bettina Schindler im Elitestuntteam K-Stunts tätig. Ähnlich wie bei Schauspielern standen auch ihr unterschiedliche Ausbildungswege zur Wahl. «Der Besuch einer Stuntschule ist aber nicht zwingend nötig», sagt Bettina Schindler, die trotz ihrem Reissen nach Action und Filmabenteuer in einer Werbeagentur das KV absolvierte. Schindler hatte schon viel früher vorgespurt: In ihrer Jugend lernte sie Sportarten wie Judo, Kickboxen, Turmspringen und Fussball, und bis heute trainiert sie ihren Körper für immer neue Herausforderungen. Bei «Illuminati»-LeicheDer endgültige Türöffner zum Filmgeschäft war die SF-Castingshow «Stunthero» im Jahr 2007. Bettina Schindler erhielt dadurch die Gelegenheit, in die USA zu reisen und wichtige Leute kennen zu lernen. Nach Abschluss der «Stunthero»-Dreharbeiten kehrte sie erneut nach Amerika zurück. «Ich lebte in Los Angeles in einem Wohnwagen im Garten von Bob Yerkes», so die Bernerin. Ihn zu kennen, sei ein wahrer Glücksfall. Denn Yerkes ist mit 75 Jahren einer der ältesten, erfahrensten und berühmtesten Stuntmen Hollywoods. Und immer noch dick im Geschäft — zum Beispiel als brennende Leiche im Kinofilm «Illuminati». Zurück in der Schweiz, wurde Bettina Schindler innert Kürze zur erfolgreichsten Stuntfrau des Landes. Sie grinst: «Es gibt ausser mir nur noch eine andere Schweizerin in diesem Job — sie ist aber nur selten im Einsatz.» So kommt das aufgestellte Energiebündel derzeit in fast allen grösseren Schweizer Produktionen zum Zug. «Sennetuntschi», «Cargo», «Das Fräuleinwunder» oder «Liebling, lass uns scheiden» sind nur einige namhafte Filme, in deren Abspann der Name Bettina Schindler zu finden ist. Weil sie unter anderem als Double bekannter Schauspielerinnen wie Esther Schweins, Mona Petri oder Melanie Winiger im Einsatz war. Letzterer nimmt Bettina Schindler auch in «One-Way-Trip» die waghalsigen Einsätze ab. Der 3-D-Horrorstreifen kommt im Herbst in die Kinos. Der gefährlichste Stunt Ihr gefährlichster Stunt, so Bettina Schindler, ist in keinem Film zu sehen. «Bei einer Feuerwehrübung durfte ich einmal einen Ganzkörperbrand inszenieren.» Es sei eine Überraschungsübung für einen abtretenden Kommandanten gewesen. «Ich wusste also nicht, wie das ausgehen würde.» Als unangenehmster Stunt ist ihr eine Szene in «Das Fräuleinwunder» in Erinnerung geblieben. «Ich musste mehrmals leblos von einer fahrenden, rund drei Meter hohen Fähre ins Wasser stürzen», so Schindler. «Das tat mit der Zeit abartig weh.» Angst kennt Bettina Schindler zum Glück nicht. Es ist ihr, abgesehen von einer angerissenen Sehne, auch noch nie etwas passiert. Abenteuer Hollywood Am 17.April ist Bettina Schindler im Schweizer «Tatort» zu sehen. Sie doubelt Sofia Milos (bekannt aus der US-Serie «CSI: Miami»). «Ich war für diese Folge zweimal im Einsatz — zum einen durfte ich in eine geschlossene Türe prallen, zum anderen eine Treppe runterstürzen», sagt sie. Im Herbst will die Bernerin, die gegenwärtig Teilzeit in einer IT-Firma arbeitet, dann alles auf eine Karte setzen und sich ins Abenteuer Hollywood stürzen. «Ich werde wie jeder Neuling in Hollywood die Klinken putzen müssen», sagt sie. Zugleich ist sie aber aufgrund ihrer Kontakte, ihren Fähigkeiten und der Vielzahl von Jobangeboten im amerikanischen Filmgeschäft guter Dinge, auch in den USA Feuer fangen zu können.Miriam LenzStuntkurs für jedermann: Bettina Schindler und Stuntprofis geben vom 18.Juli bis am 5.August einen Basiskurs im Stürzen, Brennen, Abseilen und Kämpfen. Infos unter: www. kstunts.com >

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