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Ein Plädoyer gegen die Gewalt auf Fussballplätzen

Auch in unteren Ligen nimmt die Gewalt auf und neben den Fussballplätzen zu. Peter Hänggi, Präsident der Sicherheitskommission, zeigte in Sumiswald mögliche Lösungen auf – und forderte mehr Verantwortungsbewusstsein.

Am Sonntag geschah es schon wieder: In der interregionalen 2.-Liga-Gruppe, in der auch Klubs aus dem Oberaargauisch-emmentalischen Fussballverband (OEFV) mittun, stieg das Basler Derby zwischen Nordstern und Liestal. Der Schiedsrichter musste die Partie in der 55.Minute abbrechen, weil zuerst die Teams eine veritable Schlägerei austrugen und sich danach auch noch die beiden Fanlager in die Haare gerieten. Ein Nordstern-Akteur kassierte die rote Karte und eine Spielsperre, weitere Sanktionen werden folgen. Der Vorfall zeigt, dass Gewalt unter Spielern und Zuschauern längst auch Einzug im Amateurbereich gehalten hat. Was kann man dagegen tun? Welche Lehren gilt es aus solchen Vorfällen zu ziehen? Auf Einladung des OEFV hat Peter Hänggi, Präsident der Sicherheitskommission des Schweizer Fussballs, im Forum Sumiswald nach Antworten gesucht. Ein Fan-Pass? Die Bilder der Chaoten, die an den Spielen der Super League Wochenende für Wochenende für Ärger sorgen, rücken den Fussball immer mehr in den Hintergrund. Da verstehe es sich von selbst, «dass es zu Nachahmersituationen kommt und sich dies logischerweise im Amateurbereich fortsetzt», sagt Peter Hänggi, der ehemalige Regierungsrat des Kantons Solothurn. Auf die Frage, warum die Polizei nicht restriktiver eingreife, antwortet er: «Das lässt sich nur über die Finanzen regeln. Um auf höchster Stufe dem normalen Fan Gewähr zu bieten, dass rein gar nichts geschieht, müsste eine Hundertschaft an Polizeikräften aufgeboten werden.» Einen ersten guten Ansatz fände Hänggi die Einführung eines Fanpasses. Nur wer einen solchen besässe, bekäme überhaupt Tickets, gleichzeitig könnte die Karte zum bargeldlosen Zahlungsverkehr genutzt werden. In Holland und England hat man damit bereits gute Erfahrungen gemacht. Vor allem das Abbrennen von pyrotechnischem Material gibt dem Fussballverband zu denken. Bis zum 28.Oktober gab es kein einziges Super-League-Spiel, in dem keine Petarden gezündet wurden. Es gab Bussen von 100000 Franken, die Zuschauerzahlen gehen zurück, und die Klubs riskieren, dass ihnen auch die Sponsoren davonlaufen. Auch bei den Junioren Ein weiterer möglicher Lösungsansatz ist der Ehrenkodex, den viele Vereine aus dem Oberaargau und Emmental ihren Mitgliedern bei der Neuaufnahme vorhalten. Aber auch dieser bietet keine hundertprozentige Gewähr, dass sich die Spieler bis ins letzte Detail an ihn halten. Ein Beispiel dazu: In der letzten Saison musste in Hasle-Rüegsau ein Spiel abgebrochen werden, weil «in die Integrität des Schiedsrichters eingegriffen» wurde. Auch bei den Junioren kommt es öfters zu brenzligen Situationen, die schon zu Spielabbrüchen führten. Die Schuld daran ist nicht nur bei den Spielern zu suchen, sondern auch bei einigen Trainern, die alles andere als gute Vorbilder sind. Nicht wegsehen Welche Konsequenzen müssen die 29 dem OEFV angeschlossenen Vereine ziehen? Peter Hänggi fordert jeden Spieler und Trainer, aber auch jedes Vorstandsmitglied und jeden Funktionär auf, sich bewusst zu werden, dass das eigene Verhalten auf und neben dem Fussballplatz mitentscheide, wohin sich der Fussball – die schönste Nebensache der Welt – hinbewege. Die Öffentlichkeit habe zwar begriffen, dass nur wenige Querschläger den Sport missbrauchten, aber noch nicht erkannt, dass das Wegsehen keine Lösung sei. Roland Jungi>

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