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Ein grosser Moment – auch für die Eltern

SchangnauHeute startet Beat Feuz in Garmisch-Partenkirchen zu seinem ersten WM-Rennen. Hedi und Hans Feuz, die Eltern, fiebern vor Ort mit. Morgen sind sie daheim am Arbeiten, und bereits übermorgen reisen sie mit dem Fanclub wieder an die WM.

Das Bild hängt eingerahmt über dem Küchentisch. Es zeigt drei Männer, die im Renndress der Schweizer Skinati in die Kamera jubeln. Darunter in blauen Buchstaben: «Schweizer Meisterschaft Abfahrt Stoos 2009/2010. 2. Beat Feuz, 1. Patrick Küng, 3. Didier Cuche.» Beat Feuz vor Didier Cuche, vor dem erfolgreichsten Abfahrer der Welt – gerne warten Hedi und Hans Feuz, die Eltern, bis der Besucher dieses Bild ausgiebig studiert hat. Und gerne würden sie dereinst weitere Jubelbilder aufhängen. Die erste Chance bietet sich schon bald: Heute Mittag startet Beat Feuz in Garmisch-Partenkirchen zur Abfahrt, zu seinem ersten Einsatz an einer Elite-WM. Ob für den Schangnauer nach den guten Weltcupresultaten sogar eine Medaille drinliegt? «Für uns», antwortet Hedi Feuz, «zählt nicht nur das Edelmetall.» Ein Platz unter den ersten zehn wäre «ein Superergebnis, das man vor ein paar Monaten nicht erwarten durfte». Denn in der ersten Abfahrt der Saison zog sich Feuz in Lake Louise einen Riss am Meniskus zu, seine x-te Verletzung. «Es war schlimm – für Beat wie auch für uns. Wir hätten ihm gerne geholfen, konnten aber nichts tun ausser warten und zuschauen.» Hin und her Zuschauen: Das werden die Eltern Feuz heute direkt vor Ort. Gestern sind sie im Auto nach Garmisch gefahren, haben dort übernachtet und werden sich heute, nach der WM-Abfahrt, sogleich wieder auf den Heimweg machen. Denn als Betriebsleiter der Skilifte Bumbach sollte Hans Feuz an Sonntagen, wenn auf der Piste Hochbetrieb herrscht, daheim sein. Dass so wenig Schnee liegt und der Lift im Moment abgestellt ist, konnte man beim Buchen der Reise nicht wissen. Bereits am Montagmorgen wird das Ehepaar aber wieder in Richtung WM-Stadt reisen – diesmal im Car, den der Fanclub organisiert hat. Mehrere Dutzend Schangnauerinnen und Schangnauer haben sich angemeldet, um live bei der Super-Kombination dabei zu sein, bei der Beat Feuz wohl die grössten Chancen hat. Die Familie Feuz wohnt im Roseggli, direkt neben dem Skilift Bumbach. Der Sohn im Stöckli, die Eltern im Bauernhaus. Zum Hof gehören 30 Stück Vieh und 12 Schafe, zu denen, wenn die Familie nicht daheim ist, der Nachbar schaut. Meistens bringen Hans und Hedi Feuz die Arbeit und die Rennbesuche aber aneinander vorbei: Vor den Weltcuprennen in Adelboden und Wengen zum Beispiel standen sie morgens in aller Frühe auf, molken, fuhren dann ins Oberland – und standen abends bereits wieder zu Hause im Stall. Wie von selbst Wer dem Ehepaar Feuz beim Erzählen zuhört, merkt bald: Dass ihr Sohn in der Weltelite fährt, ist kein Zufall. Im Alter von 23 Monaten sei er zum ersten Mal am Kinderskilift gewesen, berichtet Hedi Feuz. «Er ist drauflosgefahren, als wäre es das Selbstverständlichste.» Mit 3 oder 4 Jahren nahmen er und seine Eltern zum ersten Mal an einem Familienskirennen teil. Irgendwann kam die Zeit, als Hedi und Hans Feuz nicht mehr jedes Rennen ihres Sohnes besuchen konnten. Vor dem Fernseher zu sitzen, koste aber viel mehr Nerven, sagt Hans Feuz. Noch schlimmer, fügt seine Frau an, seien die Trainingsläufe fernab der TV-Kameras. Dann bleibt ihr nichts anderes übrig, als den Internetliveticker mit den Zwischenzeiten zu verfolgen und zu hoffen, dass der Name ihres Sohnes auch im Ziel auftaucht. Denn in diesem Fall ist unterwegs kein Sturz passiert – und das ist für Eltern wichtiger als jede Medaille. Markus Zahno>

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