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Egoismus und Individualität

adrian maurer

Gesellschaft ist keine bleibende Grösse, sondern etwas, das durch Menschen geschaffen und verändert wird. In jeder Gesellschaft gibt es Probleme und Schwierigkeiten, mit denen Menschen zu kämpfen haben. Ich stelle jedoch fest, dass besonders in Wohlstandsgesellschaften grosse Probleme auftreten. Vor einiger Zeit waren die Menschen in feste Strukturen eingebunden. Sie bekleideten bleibende Positionen und traten meist in die Fussstapfen ihrer Eltern. Das Haus war auch der Arbeitsplatz, und verlässliche Personen waren in greifbarer Nähe. Bei Unglücken und Schäden standen sich die Menschen bei und halfen einander in direkter Hilfe. Diese Vorstellungen klingen altmodisch, nostalgisch und romantisch aus heutiger Sicht. Wie sieht es in unserer Zeit aus? Das eigene Heim ist nicht selten ein betriebsamer, einsamer Ort geworden. Wenige Menschen leben miteinander und haben verschiedene Tagesrhythmen und Wochenprogramme. Gemeinsame Zeiten finden sich nur am Rande. Der Arbeitsplatz ist gefährdet, die Konkurrenz unter den Menschen gross. Strukturen wandeln sich schnell: Was heute neu, schnell, verlässlich ist, ist morgen, alt, langsam und ungenau. Die Menschen kämpfen, zumindest in reichen Ländern, mit einem Überfluss an Gütern und Geld. Sie wissen oft nicht, womit sie sich beschäftigen sollen, da sie so viel besitzen. Es geht mir bei diesem kurzen Vergleich nicht darum, aufzuzeigen, welches die bessere Zeit gewesen ist, sondern was die heutigen Konsequenzen sind. Individualität, das Recht und die Freiheit des Einzelnen, ist in reichen Ländern ein Statussymbol geworden. Fast jeder hat sein Auto, seine Wohnung, seinen Kleidungsstil, seine Jacht oder noch exklusivere Dinge. Die Individualität kennt kaum Grenzen. Trotzdem bedeutet Individualität auch ein Eingeschlossensein. Wegen fehlender Strukturen, sozialer Kontakte und einer sich schnell wandelnden Welt verlieren Menschen oft den äusseren und inneren Halt. Einige driften in den Alkohol oder Drogen ab, andere verschreiben ihre Seele exzessiver Kaufsucht. Freiheit und Wohlstand haben Vorzüge, aber auch Schattenseiten. Ich finde es tragisch, dass Menschen immer noch persönlich die Schuld gegeben wird, wenn sie in Schwierigkeiten stecken. Die Gesellschaft ist ebenso mitschuldig. Adrian Maurer (23) wohnt in Unterlangenegg. Er absolviert das Studium der Allgemeinen Sozialen Arbeit FH in Olten. Seine Hobbys sind Bogenschiessen, Kraftraum, Mittelalter und Schreiben. >

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