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Die Tändelei des smarten Goldflötisten

Emmanuel Pahud bezirzte das Publikum am Freitag in der Kirche Saanen mit zwei Klassikern. Das Franz Liszt Chamber Orchestra fiel dagegen ab.

Und dann kommt die Badinerie, der Schlusssatz der 2. Orchestersuite von Johann Sebastian Bach. Es ist die berühmteste Tändelei der Musikgeschichte, beliebt auch als Klingelton für Smartphones. Emmanuel Pahud, der Mann mit der goldenen Flöte, schickt Ton-Girlanden über orchestrale Akkorde – so forsch, dass die Orchestermusiker zu Getriebenen wider Willen werden. Kaum eineinhalb Minuten dauert der Exzess. Pahud variiert das prägnante Thema, schmückt es aus mit gewagten Verzierungen. Und am Ende hat man den Eindruck, diesen totgespielten Satz wieder neu gehört zu haben. Was will man mehr? Jenseits der Klischees Die Schweiz hat nicht viele E-Musik-Stars. Pahud, 1970 in Genf geboren, gehört dazu. Seit 1993 amtiert er als Soloflötist bei den Berliner Philharmonikern. Daneben verfolgt er seine Solo-Karriere als smarter Goldflötist. Pahud macht sich auf CD-Covers genauso gut wie in Hochglanzmagazinen. Zugleich strahlt er etwas unprätentiös Verschmitzes aus. Das macht ihn so symphathisch – auch an diesem Konzertabend in der Kirche Saanen. Pahud pflegt einen Flötenton jenseits überkommener Klischees – robust, expressiv, klar konturiert. Und wie der Oboist Heinz Holliger – der andere Schweizer E-Musik-Star – zeigt er sich als Meister der Phrasierung und Verzierung. Das Schwierige klingt bei ihm einfach und selbstverständlich, das Schwere leicht und luftig. Kommunikativer «Tänzer» Ob bei der 2. Orchestersuite von Bach oder beim D-Dur-Flötenkonzert von Leopold Hofmann, das lange fälschlicherweise Joseph Haydn zugeschrieben wurde: Emmanuel Pahud bewegt sich wie ein Solo-Tänzer, beugt sich bald zu den ersten Violinen, bald zu den Celli, um Töne «abzuholen» oder «zu bringen». Ein kommunikatives Moment, das dem Franz Liszt Chamber Orchestra aus Budapest leider abgeht. Ohnehin erscheint der auf (ungarische) Romantik abonnierte Klangkörper kaum als optimale Besetzung.Bachs Brandenburgische Konzerte 3 und 6 zum Auftakt wirken eher heruntergespielt als gestaltet. Die Interpretation bleibt weit hinter dem zurück, was spezialisierte Ensembles heute daraus machen. Und beim Flötenkonzert von Hofmann wünschte man sich mehr orchestrale Impulse. Noch am ehesten zu Hause scheint das Ensemble bei Mendelssohns Oktett. Die doppelte Besetzung geht allerdings auf Kosten der Leichtigkeit und Agilität. Immerhin: Als Pahud zum Abschied noch einmal Bachs Badinerie zum Besten gibt, beginnt auch das Orchester endlich zu tändeln. Oliver Meier>

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