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«Die Staffel ist etwas ganz anderes als ein Einzelrennen»

Sportpsychologin Andrea Binggeli spricht vor dem sonntäglichen Teamwettkampf über die Probleme bei Simone Niggli-Luder.

Nach der Babypause ist Simone Niggli-Luder in Windeseile auf ihren Thron zurückgekehrt. In der Staffel hingegen offenbarte die einst ungemein souveräne Schlussläuferin Schwächen. An der WM 2009 in Ungarn vergab sie einen sicher geglaubten Medaillengewinn. An der EM 2010 in Bulgarien hatte sie vorübergehend die Spitze erobert, fiel danach jedoch auf Platz 3 zurück. Sportpsychologin Andrea Binggeli ist in dieser Funktion für die Betreuung des OL-Nationalteams zuständig. Die 37-jährige Bernerin äussert sich zu Ursachen und Lösungsansätzen. Weshalb bekundet eine Ausnahmekönnerin wie Simone Niggli-Luder, die der Schweiz schon etliche Staffelmedaillen gesichert hat, plötzlich derartige Schwierigkeiten? Andrea Binggeli: Der Kontakt mit Gegnerinnen ist immer mit Stresssituationen verbunden. Es handelt sich um einen Störfaktor, weil er das Einhalten des eigenen Konzepts gefährdet. Es ist nicht ungewöhnlich, wiederholen sich solche Fehler – auch schlechte Erinnerungen bleiben im Gedächtnis hängen. Was wurde zur Bekämpfung des Problems unternommen? Zuerst rekonstruierten wir die Situationen. Es ging um die Frage, wie und warum Simone von ihrem Plan abgewichen war. Danach erarbeiteten wir eine Art Massnahmenkatalog. Wir legten fest, wie sie sich in welchem Fall verhalten soll, welches «Werkzeug» sie wann nutzen muss. Ist es bei der Wahl des «Werkzeugs» relevant, welcher Konkurrentin sie begegnet? Nein oder besser gesagt: kaum. Es gilt, auf das eigene Rennen zu fokussieren, sich vor Augen zu halten, dass man auf niemanden angewiesen ist. Die Gegnerin kann man nicht steuern. Nur wenn man mit sich im Reinen ist und noch über Kapazitäten verfügt, darf man sich mit ihr befassen. Dabei ist jedoch Vorsicht geboten – man kann den Kopf in Extremsituationen auch überlasten. In Trondheim hat Niggli-Luder bei zwei Starts zweimal Gold gewonnen. Werden sich die positiven Emotionen auf ihre Staffel-Darbietung auswirken? Ich denke, Simone ist in der Lage, einen Trennstrich zu ziehen. Die Staffel ist ein Teamwettkampf, in mentaler Hinsicht etwas ganz anderes als ein Einzelrennen. Sollte ich mich irren, stellten die Erfolgserlebnisse auch eine Gefahr dar. Inwiefern? Simones WM-Bilanz ist schon jetzt perfekt, die Staffelkolleginnen hingegen haben noch nichts gewonnen. Der Druck, mit dem Schlussläuferinnen generell konfrontiert werden, würde sich in diesem Fall verstärken.Interview: mjs >

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