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Die Stadt Thun will aus Bern eine Expertin beiziehen

Tauben in ThunDie Ankündigung der Stadt, die kranken Tiere zu erschiessen, hat die Tierfreunde auf den Plan gerufen. Nun könnte sich die Praxis aber ändern: Die Stadt prüft, ob sie die Dienste einer Taubenpflegerin aus dem Dählhölzli beanspruchen soll.

Der Aufschrei unter Tierfreunden war gross, als die Stadt Thun Mitte September ankündigte, kranke und verletzte Tauben in der Innenstadt gezielt abschiessen zu lassen. Die Verantwortlichen für den Entscheid reagierten damit auf die unkontrollierte Fütterung durch Passanten. Sie leiste Krankheiten und einer Überpopulation Vorschub. In der Folge war es Naturschutzaufseher Rudolf Schmid, der Tauben mit Verstümmelungen und Eitergeschwüren an Füssen und Kopf mit einem Kleinkalibergewehr abschoss. Aus Rücksicht auf die Gefühle tierliebender Passanten verrichtete Schmid seine Arbeit jeweils zu Randzeiten und unbeobachtet. Mittlerweile ist der Taubenbestand in Thun um rund zweihundert auf noch vierhundert Tiere gesunken. Der grösste Teil der Tiere wurde aber nicht mit einer Kugel getötet, sondern eingeschläfert. «Hinterhältige, feige Aktion» Trotzdem hat das Vorgehen der Stadt heftige Kritik ausgelöst. Leserinnen und Leser dieser Zeitung äusserten ihren Unmut in Leserbriefen; die Thunerin Ruth Gerber wandte sich in einem Brief, welcher der Redaktion vorliegt, an den Tierschutz Region Thun und schrieb von einer «hinterhältigen und feigen Aktion». Gerber gehört keiner Partei oder anderen Interessengruppe an, sondern handelt nach eigenen Angaben aus purer Tierliebe. «Ich bezweifle, dass von den zweihundert getöteten Tauben wirklich alle krank waren», sagt Ruth Gerber, die auch mit der Vogelwarte Sempach in Kontakt stand. Von dort aus wurde Gerber mitgeteilt, dass das Abschiessen von Tauben dauerhaft zu keinem Erfolg führe. «Schwärme, die andernorts auf 20 Prozent ihrer Grösse reduziert wurden, erreichten schon nach wenigen Wochen wieder ihren früheren Bestand», erläutert Christian Rogenmoser von der Vogelwarte. Er weist aber ausdrücklich darauf hin, dass Tierschutz auch bedeute, die Tauben eben gerade nicht zu füttern. Berner Projekt auch in Thun? Die Stadt Bern hat laut der Zeitung «Bund» entschieden, die dortigen Tauben künftig von einer professionellen Taubenmutter betreuen zu lassen. Es handelt sich um Tierpflegerin Carina Tobler vom Tierpark Dählhölzli. Tobler soll mindestens dreimal pro Woche die fünf Berner Taubenschläge besuchen, hochwertiges Futter nachfüllen und gleichzeitig den Gesundheitszustand der Tiere kontrollieren. In Thun verfolgen die Behörden das Berner Projekt mit grossem Interesse. Es wird überlegt, ob kontrollierte Taubenschläge und eine Fachperson zur Betreuung der Tiere auch hier eingesetzt werden könnten. Thuns Gewerbeinspektor Reto Keller hat bereits mit Bernd Schildger, Direktor des Tierparks Dählhölzli, Kontakt aufgenommen. «Wir prüfen zurzeit, eine Zusammenarbeit mit der Stadt Bern aufzugleisen», sagt Keller auf Anfrage. Da das Projekt in Bern erst am 1.Juni startet, sei es momentan noch zu früh, auf Details einzugehen. «Es wird sich zeigen, ob es möglich und sinnvoll ist, so etwas auch in Thun umzusetzen», erklärt Keller weiter. Der Gewerbeinspektor weist darauf hin, dass diese Frage auf politischer Ebene beantwortet werden müsse. «Bisher hat die Stadt pro Jahr 2000 Franken für die Belange der Tauben eingesetzt. Für eine professionelle Betreuung reicht dies natürlich nicht», räumt Keller ein. Es sei auch noch unklar, wie viele und wo allfällige Taubenschläge platziert werden könnten. «Es liegt an den entsprechenden Fachleuten, dies zu gegebener Zeit sorgfältig zu analysieren und zu beurteilen», gibt Keller zu bedenken. Zudem würden sämtliche Massnahmen wenig bringen, solange Passanten die Tiere weiterhin fütterten. Gabriel Berger>

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