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Die Kinder werden Teil der Geschichten

könizAm Kinder- und Jugendmedienfestival auf dem Schlossareal trafen sich von Freitag bis Sonntag lesebegeisterte Schulkinder. Dabei zeigte sich: Das klassische Vorlesen hat ausgedient. Die Kinder konnten an den Geschichten teilnehmen.

Dass er eigentlich Naturwissenschaftler ist, verriet nur noch die Power-Point-Präsentation, mit der Olaf Fritsche am Samstag seine Lesung illustrierte. Und natürlich der korrekte historische Hintergrund in seiner Abenteuergeschichte, die sich um die erste Mondlandung dreht. Ansonsten schien Fritsche aber mehr eine Art Moderator zu sein. Die Kinder mussten Fragen beantworten und bei einem Würfelspiel mithelfen. So waren sie Teil der Geschichte. Fritsche war einer der Autoren, die unter dem Motto «Abheben» am vierten Kinder- und Jugendmedienfestival Köniz (Kibuk) Geschichten vorlasen. Andere waren etwa Rufus Beck – die Hörbuchstimme von Harry Potter – oder die Wortkünstler von «Bern ist überall». Die «Lesungen» fielen alle eher in die Kategorien Performances, Workshops oder Theater. Ein paar Meter quer über den Schlosshof sah es ähnlich aus, aber mit umgekehrter Rollenverteilung: Hier lasen die Kinder vor, während die Erwachsenen gespannt zuhörten. Beides auf Bestellung. Auf der «abgehobenen Glücksgeschichtenbistro-Menükarte» fanden sich Vorspeisen, Salate und Hauptgänge. Statt des Caprese wurde aber zum Beispiel ein Wörtersalat aus «Allerlei mit Brot» serviert – natürlich nicht, ohne dass den Gästen vorher freundlich «Guten Appetit» gewünscht wurde. Zwei Klassen aus Bern und Köniz hatten die Geschichten verfasst und lasen sie den Gästen vor. Geschichten tauschen Ein umfassendes Rahmenprogramm ergänzte die Lesungen. An der Medientauschbörse zum Beispiel wechselten an den ersten beiden Tagen rund zweihundert Bücher den Besitzer, schätzte Elke Pensing, die den Stand betreute. Darunter seien Klassiker wie die Werke von Astrid Lindgren oder «Jim Knopf», aber auch neuere Bücher und Hörbücher. Offenbar bevorzugen viele Kinder auch heute noch das klassischen Buch (siehe Umfrage). Der Anteil an Hörbüchern oder anderen neueren Medien an der Tauschbörse war klein. Carol Rosa, eine der Kibuk-Organisatorinnen, hatte eine andere Erklärung für die grosse Anzahl an Tauschbüchern: «Kinder geben ein Buch leichter weg, wenn sie es einmal gelesen haben.» Für Rosa ist klar: Geschichten finden überall statt, nicht nur auf Papier. Und die klassische Wasserglaslesung, bei der ein Autor ohne Requisiten staubtrocken aus seinem Werk vorliest, hat deshalb längst ausgedient. Dementsprechend interaktiv wurden am Kibuk die Geschichten erzählt. Als eine der Letzten sorgte am Samstag die Leseanimatorin Susi Fux mit ihrem «Gschichtewunschbuech» für Spannung bei den jüngsten Besuchern. Das Buch erzählt je nach Wunsch der Zuhörenden eine andere Geschichte. Während ihrer Aufführung war es entweder mucksmäuschenstill, oder aber die Zurufe und Tipps aus dem Publikum überschlugen sich fast. Ein grosses Herz für Bücher Die Wasserglaslesung mag abgeschafft sein – der Hunger auf Geschichten und das Lesen selbst sind es aber längst nicht. Ein junger Zuhörer brachte auf den Punkt, was wohl für viele am Kibuk galt: Auf Fux’ Frage nach seinem Lieblingsbuch antwortete er, er habe unendlich viele Lieblingsbücher. Wie er das denn mache, mit so vielen Büchern, wollte die Animatorin wissen. Die Antwort: indem man einfach alle Bücher gern hat. Martina Bisculm >

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