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Die Gefahr wandert stets mit

Die BLS beschäftigt auf ihrem Schienennetz immer noch vier Streckenwärter. Emil Burri ist einer von ihnen. Unterwegs auf den Gleisen kontrolliert er Material und Umgebung – immer in Erwartung heranrauschender Züge.

Mit bedächtigen Schritten und aufmerksamen Augen für die Umgebung ist Emil Burri an diesem sonnigen Frühlingstag unterwegs. Den Bahnhof Interlaken-Ost lässt er hinter sich und überquert die erste Eisenbahnbrücke. Kurz darauf deutet der 61-Jährige mit einem Holzstock auf ein Waldstück, das vor ein paar Tagen gerodet worden ist. «Es gilt zu verhindern, dass Bäume die Sicht auf Signale verhindern oder im Winter unter der Schneelast auf die Schienen fallen», erklärt der Streckenwärter der BLS. Weiter vorn erreicht er eine Felswand. Burri berichtet, dass hier im Winter oft herunterlaufendes Wasser zu Eiszapfen gefriere. Diese gelte es jeweils umgehend zu entfernen. Wasser sei auch häufig in Tunneln ein Problem. Als er nun auf dem gedeckten Kabelkanal, der parallel zum Gleis verläuft, weitermarschiert, bleibt Emil Burri plötzlich stehen. Zwei grosse Steinbrocken haben ein Loch in die Kanalabdeckung geschlagen. Steinschlag verursache häufig Schäden auf der Bahnstrecke. Weiter gehört zu seinem Aufgabenbereich leider auch das Entfernen von Tierkadavern. Oft werden Katzen vom Zug überfahren. Diese nimmt der Streckenwärter dann in einem Sack mit sich zur Entsorgung. Kommen Wildtiere zu Schaden, wird der Wildhüter kontaktiert. Kollege von Zug erfasst Burri hat 2003 seine Stelle als Stationsvorstand in Lalden an der BLS-Südrampe nach 18 Jahren aufgegeben und ist nun bei jedem Wetter draussen unterwegs. Der gelernte Betriebsdisponent erklärt: «Man muss schon einen robusten Körper für diese Arbeit haben. Auch sind ein gutes Auge und ein intaktes Gehör wichtig. Unerlässlich ist es auch, den Fahrplan auswendig zu kennen und eine korrekt laufende Uhr zu tragen.» Während er mit seinem mitgetragenen Meterstab die Abnutzung einer Weiche misst, begibt er sich bereits neben das Gleis, da in einer Minute der ICE vorbeifahren wird. Ein paar Sekunden später ist der Zug zu hören und kurzum auch zu sehen. Von weitem erhebt Burri seine Hand und gibt dem Lokführer ein deutliches Grusszeichen. «Der Beruf ist nicht ungefährlich», sagt der in Faulensee wohnende Burri. «Erst kürzlich ist ein Kollege von einem Zug erfasst worden. Es ist aber noch glimpflich abgelaufen.» Sicherheit oberstes Gebot Während am Gleisrand die ersten Frühlingsblumen zu sehen sind, erzählt Burri von den schönen Seiten dieses Berufes: «Ich schätze es, bei dieser Arbeit alleine zu sein. Wir arbeiten nicht unter Zeitdruck. Es wird von uns verlangt, dass die Arbeit gewissenhaft ausgeführt wird.» Auf die Frage nach etwaiger Monotonie des Berufsalltags meint er: «Ich treffe unterwegs auch oft Leute. Im Sommer spielt sich besonders entlang des Thunersees ein buntes Treiben ab. Es kommt vor, dass ich zu einer kurzen Kaffeepause eingeladen werde.» Wo liegt denn für ihn die Befriedigung in diesem Beruf? «Nun», erzählt Burri, «es ist für mich eine Befriedigung, wenn alles auf den Gleisen gut läuft und es auch drumherum einigermassen gut aussieht. Am wichtigsten ist die Sicherheit und dass vor allem die Züge freie Fahrt haben.» Verschleiss durch ICE Der Streckenwärter nähert sich nun der Barriere am Bahnhof Interlaken-West. Mit geübtem Blick überprüft er, ob alle elektrischen Signale funktionieren und wie der Zustand der Signaltafeln ist. Der Verschleiss an Material habe in den letzten Jahren zugenommen, weiss Burri zu berichten. Ein Grund sei der erhöhte Zugverkehr im Allgemeinen, und besonders auch der ICE-Zug mit seiner Länge sei eine grosse Belastung für die kurvenreiche Gleisführung in der Schweiz. Trotz Einzug modernster Technik im Eisenbahnwesen verzichtet die BLS nicht darauf, Strecken ihres 440 Kilometer langen Schienennetzes durch Streckenwärter belaufen und kontrollieren zu lassen. War der Streckenwärter früher mit Schraubenschlüssel und anderem Werkzeug unterwegs, genügt ihm heute meist ein Natel, um Beschädigungen oder besondere Vorkommnisse umgehend seinem Vorgesetzten zu melden, der dann den Einsatz von Gleismonteuren zur umgehenden Reparatur plant. Wandern ohne Fahrplan Auf die Frage, wie lange er seinen Beruf noch ausüben werde, meint Emil Burri verschmitzt lachend: «Ich habe meinen Kollegen gesagt, dass ich das noch bis ins Jahr 2013 machen werde. Dann ist das 100-Jahr-Jubiläum der BLS. Das wäre doch ein guter Zeitpunkt, um in Rente zu gehen.» Dann wird Burri viel Zeit haben für sein Hobby – wie könnte es anders sein –, das Wandern. Jedoch abseits der Gleise, ohne die Gefahr herannahender Züge, ohne Fahrplan, einfach da, wo er will, und dann, wann er will, und wohl nicht bei jedem Wetter. Hans Heimann >

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