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Die Flut vom See ist Geschichte

Der Gletschersee kann nicht mehr gefährlich werden. Der Abflussstollen ist bereit und leitet ab nächsten Frühling Wasser in die Gletscherschlucht ab. Bei der gestrigen offiziellen Besichtigung zeigten sich die Politiker erleichtert.

Der Gletschersee stellt keine Gefahr mehr dar, zumindest vorläufig. So lautete das Fazit zahlreicher Politiker und Bauverantwortlicher bei der gestrigen offiziellen Besichtigung in Grindelwald. Hinauf durch den kalten, zugigen Stollen ging es in einem offenen Baustellenfahrzeug. Zahlreiche Journalisten und Fernsehstationen aus aller Welt waren vor Ort. «Die Auswirkungen des Klimawandels sind nirgends so unmittelbar wie hier», erklärte eine Reporterin einer französischen Fernsehstation bei der Besichtigung. Nach rund zehnmonatiger Bauzeit ist der Stollen grösstenteils fertig. In den nächsten Monaten wird der Auslaufbereich beim zweiten Stollenfenster noch optimiert, hier wird das Gletscherseewasser dereinst auslaufen. 110 Meter hoher Wasserfall Regierungsrätin Barbara Egger-Jenzer erklärte in ihrem Referat, dass den Zeitpunkt der offiziellen Inbetriebnahme die Natur bestimme: «Die Schneeschmelze wird den Stollen in ein reissendes Bachbett verwandeln.» Vor gut einem Jahr ist die Öffentlichkeit erstmals umfassend über die Gefahr durch den Gletschersee informiert worden, verschiedene bauliche Massnahmen wurden geprüft. Man entschied sich für einen Stollen, am 8.Januar dieses Jahres wurde mit dem Bau begonnen. Nach rund zehn Monaten Bauzeit ist der Stollen bereit, Gletscherwasser aufzunehmen. Grindelwald erhält mit dem Ausfluss beim zweiten Stollenfenster den höchsten Wasserfall im Tal: künftig wird das Wasser 110 Meter tief hinunter in die Gletscherschlucht stürzen. Der Steg in die Schlucht war letzten Sommer wegen der Bauarbeiten und wegen der Gefahr eines Seeausbruchs geschlossen worden. Sagenhaftes hatte der Grindelwalder Gemeindepräsident Emanuel Schläppi zu erzählen: Die Vollendung des Stollens erinnere ihn an die Sage vom heiligen Martin. Dieser soll die Gefahr eines Seeausbruchs gebannt haben, indem er die Berge Mettenberg und Eiger auseinanderdrückte, um einen Abfluss beim Unteren Grindelwaldgletscher zu schaffen. «Wir können wieder ruhiger schlafen, die Erleichterung ist riesengross», sagte Schläppi. 15 Millionen Franken teuer Der Abflussstollen ist rund zwei Kilometer lang, 3,2 Meter breit und 4,4 Meter hoch. Mit einer Steigung von maximal 21 Prozent können schwere Baumaschinen den Tunnel hinauf bis zum See fahren, etwa, um den Einfluss von herabstürzendem Geröll freizuräumen. Der Abflussstollen begrenzt das Seevolumen auf 120000 Kubikmeter, damit ist die Gefahr für Grindelwald und das Lütschinental gebannt. Gekostet hat das Bauwerk 15 Millionen Franken, Bauherrin war die Schwellenkorporation Grindelwald zusammen mit der Schwellenkorporation Bödeli Süd. Der Bund beteiligt sich mit 35 Prozent, der Kanton mit 31 Prozent an diesem Werk. Gemäss Regierungsrätin Barbara Egger-Jenzer seien die Baukosten bisher nicht überschritten worden. Das Bauende ist auf März 2010 vorgesehen. Fritz Lehmann>

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