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Der stille Abschied für einen Polizisten

HeimiswilGenau eine Woche nach den tödlichen

Besser hätte das Wetter zum bedrückenden Anlass kaum passen können. Just als es gestern Nachmittag gegen halb zwei Uhr zuging, begann es zu regnen. Und so kam auch Pfarrer Simon Jenny nicht um das symbolträchtige Bild herum, als er die ersten Worte zur Trauergemeinde sprach: «Er ist in seinem Geburtsmonat Mai gestorben, der fast nur voller Sonne war. Fast scheint es, als ob der Himmel nun mit uns weinen würde.» Heimiswil nahm Abschied vom Polizisten, der genau eine Woche zuvor bei der Zwangsräumung in Schafhausen ums Leben gekommen war. Nachdem Roger F., der Mieter, der aus der Wohnung hätte gewiesen werden sollen, auf ihn geschossen und ihn tödlich getroffen hatte – es war ein stiller, würdiger Abschied, zu dem das Dorf, die Kollegen aus dem Korps und viele weitere Trauernde zusammengekommen waren. Der kleine Friedhof konnte die Menge, die schon lange vor Beginn der Feier ruhig beisammenstand, kaum fassen. Zu den Klängen des Spiels der Kantonspolizei nahmen nun die Fähndriche von Korps und Vereinen Abschied, feierlich ertönten die Strophen von «Ich hatt’ einen Kameraden». Nun sei die Zeit gekommen, fuhr Pfarrer Jenny fort, individuell am Sarg Abschied zu nehmen, dabei eine Blume niederzulegen und dem Verstorbenen in Gedanken einen letzten Wunsch mitzugeben. Nacheinander traten die Leute vor, eine Rose, eine Lilie oder eine Nelke in der Hand. Zuerst die Ehefrau mit den beiden Töchtern und weiteren Familienangehörigen, dann die Kolleginnen, Kollegen und Vorgesetzten, unter ihnen der Polizeikommandant Stefan Blättler und der Polizeidirektor Hans-Jürg Käser – es war einer der ergreifendsten Momente dieses Nachmittags. Später, in der Kirche, versuchte Kommandant Blättler «das Unaussprechliche in Worte zu fassen, das Unfassbare zu begreifen, das Undenkbare zu verstehen und schliesslich das Unerträgliche zu ertragen». In seiner Ansprache würdigte er den Polizisten als «erdverbundene, geradlinige Persönlichkeit», als Mann auch, der «sich liebevoll um seine Familie gekümmert hat und für sie da war». Sein Tod, «dieses grausame Verbrechen», habe das Korps nur noch näher zusammenrücken lassen. Auch Pfarrer Jenny machte sich Gedanken zur Gewalt, die, wie er in seiner Predigt betonte, nicht nur den Polizisten, sondern genauso sein näheres und weiteres Umfeld getroffen habe. Ein solcher Ausbruch, betonte er indes, stehe am Ende einer Reihe von Ereignissen, die von Angst und grenzenloser Verzweiflung geprägt seien und sich Luft verschaffen müssten. Den Trauernden empfahl er, die Erinnerung an den Verstorbenen zuzulassen. Sie werde, obwohl sie derzeit noch schmerze, längerfristig heilsam wirken. Die Töchter forderte er auf, «ein Licht für den Papa» anzuzünden. Kerze um Kerze ging an, es war so ein kleiner Hoffnungsschimmer in dieser dunklen Zeit. Trotz allem. Stephan Künzi ;Trauerfeier Heimiswil Weitere Bilder von der Feier www.trauerfeier.bernerzeitung.ch >

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