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Der Mauerfall des Patrick Heuscher

Es sind nur ein paar Schritte vom Stadion bis zur Mauer. Patrick Heuscher ist sie gegangen, und jetzt steht er dort, wo vor 20 Jahren Weltgeschichte geschrieben worden ist: Die Geschichte von Heuscher ist im Vergleich eher unbedeutend, trotzdem gibt es viele Parallelen zwischen der Touristenattraktion in Berlin-Friedrichshain und Heuschers persönlichem Mauerfall. «Die Probleme hatten sich vor mir aufgetürmt, dass ich Angst hatte, die Freude am Beachvolleyballsport zu verlieren», erzählt der 33-jährige Thurgauer. «Und jetzt ist alles abgefallen.» Patrick Heuscher sagte diese aussergewöhnlichen Worte unmittelbar nach dem Überraschungssieg gegen die Weltmeister Julius Brink/Jonas Reckermann in deren heimischen Stadion. Nachdenklich blickt der Olympiadritte von Athen zur Mauer an der East Side Gallery. «Es gilt, viele Mauern abzubauen», hat ein Künstler an die Wand gemalt. Diesen Satz nimmt sich Heuscher an den kontinentalen Titelkämpfen in Berlin offensichtlich zu Herzen, ist er doch im Begriff, seine negativen Gedanken zu vertreiben. Wenn Patrick Heuscher heute an der Seite von Sascha Heyer (38) zum Achtelfinal gegen das ukrainische Tandem Mykola Babich/Oleksandr Ioisher antritt, steht er mit Glücksgefühlen im Sand. «Nach dem Sieg gegen Brink/Reckermann wurde mir wieder bewusst, was für einen lässigen Beruf ich habe», sagt Heuscher. Für den 3-fachen Gewinner auf der World Tour (mit Stefan Kobel) muss der Sieg gegen die Weltmeister wie eine Befreiung gewesen sein. Nach dem enttäuschenden 17. Rang in Gstaad Anfang Juli stellte Heuscher sogar die Sinnfrage. «Passion to perform», lautet das Motto von Heyer und Heuscher bis zu den Olympischen Spielen 2012. In den letzten paar Monaten habe er gemerkt, gesteht Heuscher, dass er nicht mehr mit der gleichen Leidenschaft ans Werk gegangen sei wie die zwölf Jahre zuvor. Es sei ein schleichender Prozess gewesen, angefangen habe er mit der Ellbogenverletzung in diesem Frühling. «Erstmals in meiner Karriere war ich verletzt», sagt der 1,94 Meter grosse Athlet. Die Vorbereitung litt darunter, die Resultate, die für den erfolgsorientierten «Kopfmenschen» Heuscher von fast existenzieller Bedeutung sind, blieben ernüchternd. Er geriet in eine Abwärtsspirale. «Bin ich noch gut genug?», hinterfragte sich der Athletenbotschafter der Entwicklungshilfeorganisation Right to Play. «Mein einst so stabiles psychologisches Fundament wurde wackelig.» Eine Oberschenkelzerrung zwang den verunsicherten Heuscher zuletzt zu einer zweiwöchigen Pause. «Sie hat mir gut getan. Ich konnte auftanken.» Nun ist der Tank wieder so voll, dass Patrick Heuscher seine persönliche Mauer zum Einsturz bringen konnte.Thomas Wälti, Berlin >

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