Zum Hauptinhalt springen

Der Aufsteiger hebt nicht ab

Drei Tore hat Zuzug Nick Proschwitz in vier Spielen erzielt. Der erfolgreichste Stürmer der letztjährigen Challenge-League-Saison trifft also auch im Oberhaus. Der 23-jährige Deutsche bleibt gleichwohl auf dem Boden.

Nick Proschwitz ist der Einstieg beim FC Thun gelungen. Abheben wird er aber nicht: Er hat Höhenangst. Berge möge er zwar, versichert er. Sich von Felsen zu stürzen, wie das manche seiner Kollegen beim Teamausflug Anfang Woche in Grindelwald getan haben, ist für den Hünen hingegen ausgeschlossen. Auch wer mit Vorliebe mit beiden Füssen auf dem Boden steht, kann von Grossem träumen. Der 23-Jährige hofft, zu einem späteren Zeitpunkt seiner Laufbahn für den FC Bayern zu stürmen. Der gebürtige Ostdeutsche wuchs in der Nähe des germanischen Vorzeigeklubs auf. «Davon, für die Bayern zu spielen, bin ich aber noch weit entfernt», sagt der FC-Thun-Angreifer. In der Spielzeit 2007/2008 war er nahe dran, Bundesligaluft zu schnuppern. Unter Felix Magath durfte er beim VfL Wolfsburg vorübergehend in der 1.Mannschaft trainieren. Stets bei den Reserven Magath aber tätigte in der Folge Aufsehen erregende Transfers – Proschwitz, damals 20-jährig, fand sich bei den Amateuren wieder. Die deutschen Regionalligen kennt er nur zu gut. Beim HSV stand er unter Vertrag, bei Hoffenheim und Hannover auch. Gespielt hat er immer bloss bei den Reserven. Es hat noch nicht ganz gereicht. Das Angebot des FC Vaduz kam dann unvermittelt. Proschwitz konnte sich erst nicht vorstellen, im Fürstentum Fussball zu spielen. Seine Karriere sollte er dennoch in Schweizer Ligen fortsetzen. Via Liechtenstein stiess er im Sommer zum FC Thun, in die Super League. Und am 17.Juli 2010 stand Nick Proschwitz auf einmal im Fokus aller. Beim ersten Spiel der Saison schoss er Thun nach nicht mal einer Minute gegen YB in Führung. Dem Fernsehen gab er ein Interview, Vertretern nationaler Printmedien stand er Red und Antwort, und tags darauf kriegte er daheim Besuch des Boulevards. Das war aufregend für den Zuzug der Oberländer. Selbst 23 Tore in der Challenge League hatten nicht genügt, um die breite Bevölkerung auf sich aufmerksam zu machen. «Es war schön, über sich zu lesen; zumal die Berichterstattung positiver Art war.» Lob für Littbarski Bereut hat er seinen Weggang von Deutschland jedenfalls nicht. Und hier im Oberland fühlt er sich wohl. «Die Mannschaft hat mich prima aufgenommen. Wir verstehen uns wirklich sehr gut und machen auch neben den Trainings mal was zusammen.» In Liechtenstein sei das anders gewesen. «Wir hatten eine schlechte Mannschaft bei Vaduz. Die Chemie stimmte nicht.» Lob hält er für Pierre Littbarski bereit, der ihn von Deutschland ins Fürstentum geholt hatte. «Er hat mich weitergebracht.» Derzeit hat Nick Proschwitz einen Lauf. Drei Treffer schoss er in lediglich vier Spielen. Der Emporkömmling mit Höhenangst, der an freien Tagen oft nach Zürich zur Freundin fährt, tritt auf die Euphoriebremse. «Ich habe noch nicht eingeschlagen», sagt er. Seiner Ansicht nach ist die Saison noch zu jung, als dass sich ein Urteil bilden lässt. Der 23-Jährige ist eben Realist. «Das Minimalziel des FC Thun ist nach wie vor Rang acht. Sollten wir in einer fortgeschrittenen Phase der Meisterschaft Chancen sehen, uns für einen internationalen Wettkampf zu qualifizieren, würden wir aber bestimmt noch mal reden.» Erfahrungen mit «Quälix» Es ist interessant, mit Thuns derzeit bestem Stürmer zu sprechen. Der 23-Jährige hat schon viel erlebt. Die Erfahrung, unter Magath trainiert zu haben, bezeichnet er als interessant. Offenbar wird Magath nicht umsonst «Quälix» genannt. «Nach einem Trainingslager mit ihm kannst du kaum noch die Arme heben. Der schleift einen total.» Der Ostdeutsche weiss sich durchzubeissen. Dem Erfolg ordnet er vieles unter. Das Thuner Stadtfest etwa wird er nicht besuchen. «Das werde ich mit Sicherheit nicht tun. Wir haben am Sonntag ein Spiel.» Da gastiert Thun beim FC Sion. Proschwitz sagt: «Wir wollen gewinnen, keine Frage.» Der Stürmer besitzt das deutsche Siegergen, das sich Trainer Murat Yakin gewünscht hat. Adrian HornMehr zu Sion - Thun Seite 13>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch