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Das «Hirschenbedli» in Gunten ist geschlossen und verwahrlost

GuntenMitten in der Badesaison und Ferienzeit bleibt das «Hirschenbedli» in Gunten leer und verwaist. Grund für die Verwahrlosung der Parzelle an bester Lage ist ein Rechtsstreit zwischen dem konkursiten Mieter und den Eigentümern.

Alles ist verlassen, verwaist, verwahrlost. Dabei könnte das «Hirschenbedli» in Gunten der schönste Platz am Thunersee sein, gerade jetzt, in der Sommer- und Ferienzeit. Bis letzten Sommer tummelten sich hier die Badegäste. Doch ausgerechnet jetzt herrscht im Strandbad neben dem Guntenbach gähnende Leere. Statt Rasen knietiefes Gras und Unkraut. Der Sand des Beachvolleyball-Feldes liegt unter verdorrtem Winterlaub, und näher am Wasser vergammelt ein eingeknicktes Sonnenzelt. «Keine Augenweide» «Eine absolute Katastrophe.» Hans Boss, ehemaliger Gemeindepräsident von Sigriswil und grosser «Hirschenbedli»-Fan, ist fassungslos, wenn er über das brachliegende Gelände an bester Lage blickt. Viele Jahre sei das «Hirschenbedli» ein «idyllischer Ort» für Jung und Alt gewesen, ein richtiger Treffpunkt für Sigriswiler Familien und für Leute von nah und fern. «Ich habe selber hier in manchem Sommer viele schöne Stunden verbracht.» Nun sei das verloren gegangen. «Mit dem Hotel Hirschen zusammen ist das für die Gemeinde Sigriswil, zu der Gunten gehört, alles andere als eine Augenweide.» (vgl. Kasten). Was ist schiefgelaufen? Christian Abplanalp bringt Licht in die Ereignisse der vergangenen Jahre rund ums Strandbad. Der Verwaltungsrat der Hotel Hirschen Gunten AG, welche die Eigentümer der Strandbadparzelle vertritt, erklärt: «Nachdem der Mieter des Geländes über längere Zeit die Miete nicht mehr bezahlt hat und Einigungsversuche gescheitert sind, haben die Eigentümer im Herbst 2010 die Betreibung eingeleitet.» In der Folge seien alle verwertbaren Gegenstände auf der Parzelle konfisziert worden. «Das Gerichtsverfahren ist zurzeit hängig.» Der Mieter, Fredy Diethelm, hatte das Strandbad vom Sommer 2002 bis 2010 geführt und während dieser Zeit auch verschiedene Umgestaltungen vorgenommen. So entstand unter anderem ein Sandplatz für Beachvolleyball. «Diethelm hat viel investiert und gemacht, das muss man schon sehen», räumt Ex-Gemeindepräsident Hans Boss ein. «Damit lockte er eine neuere, jüngere und vermehrt auch auswärtige Kundschaft an, mit Events und sogar mit Beachvolleyturnieren.» Die selbst ausgeführten Investitionen machte Fredy Diethelm schliesslich mit einem Anwalt gegenüber den Eigentümern geltend. Gerüchten zufolge soll es sich um einen Betrag von rund 100000 Franken handeln. Gemeinde machtlos Christian Abplanalp, als Verwaltungsrat der Hotel Hirschen Gunten AG eine Art Bindeglied zwischen Eigentümern (siehe Kasten) und Behörden, hält die Forderungen des Mieters indessen für «absurd und ohne Grundlage». Inzwischen ist Fredy Diethelm pleite. Am 30.Mai eröffnete das Konkursamt Interlaken den Konkurs über ihn. Angesprochen auf die Situation im Hirschenbad spricht auch der Sigriswiler Gemeinderatspräsident Martin Sommer von einem «Ärgernis». «Wir erhalten viele Anfragen, was los ist und warum es so weit gekommen ist.» Sommer betont aber, dass es um einen «privatrechtlichen Handel» gehe. «Deshalb kann die Gemeinde leider keinen Einfluss nehmen.» Er hofft auf eine «baldige gute Lösung». Auch Christian Abplanalp äussert Bedauern, dass das Hirschenbad zurzeit für die Öffentlichkeit nicht benutzbar ist. «Wir sind in Kontakt mit möglichen Nachfolgemietern, können aber noch nichts Konkretes unternehmen, solange die Verhandlungen mit dem Konkursamt nicht zufriedenstellend abgeschlossen sind.» Man sei mit mehreren «ernsthaften Interessenten» in Kontakt. Diese Saison wird das «Hirschenbedli» kaum noch seine Türen öffnen. Der Entscheid über das weitere Verfahren erfolgt frühestens Ende Juli, eher aber im Lauf des August. Bis dahin ist die Badesaison 2011 schon fast vorbei. Der konkursite Parzellenmieter Fredy Diethelm war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Seine Handynummer ist eingestellt. Und letzten Monat hat er sich bei der Einwohnergemeinde Sigriswil abgemeldet. Neuer Aufenthaltsort unbekannt. Hans Peter Roth>

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