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Das Gefühl, gebraucht zu werden

burgdorfMit Freiwilligenarbeit wollte Rolf Studer seine Freizeit ausfüllen und etwas Gutes tun – dabei fand er seinen besten Freund: Kurt Aeschlimann.

Zwei Männer am Wirtshaus-tisch, sie diskutieren über dies und das, prosten sich mit einer Stange zu. Man sieht, sie verstehen sich. Doch ohne den Vermittlungsdienst des Schweizerischen Roten Kreuzes hätten sie sich nie getroffen. Beide Männer wohnen im sel-ben Quartier in Burgdorf, nicht weit voneinander entfernt. Beide kommen aus der Elektrobranche, sind Opernliebhaber, Hobbyfotografen, beide haben eine gescheiterte Ehe hinter sich und schmeissen den Haushalt allein, beide haben viel freie Zeit. Diese Aufzählung könnte man noch beliebig verlängern, es gibt aber auch Unterschiede – zum Beispiel 25 Jahre Altersdifferenz. «Du könntest mein Vater sein», sagt Studer und lacht, «wenn du in 20 Jahren im Altersheim bist, hole ich dich ab und schiebe dich im Rollstuhl herum.» «Da will ich lieber noch auf eigenen Beinen mit Dir wandern gehen», entgegnet Aeschlimann, er ist 75 und gut «zwäg», meint man. Doch eben, es gibt Dinge, die man nicht sieht. Der Elektroingenieur ist seit einem Unfall in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt und darum froh über Studers Begleitung. Aber auch der Betreuer leidet an einem krankheitsbedingten Handicap und ist deshalb arbeitsunfähig. Als allein erziehender Vater eines schulpflichtigen Kindes habe er zwar eine Aufgabe, doch die Rolle als Rotkreuzbesucher gebe ihm das gute Gefühl, gebraucht zu werden. Er betreue verschiedene Senioren, sagt er, nur bei Kurt Aeschlimann sei es ein Geben und Nehmen. Eine richtige Freundschaft sei in den sechs Jahren, die sie sich kennen, entstanden, er freue sich jedes Mal auf ihr Treffen. «Dass eine Freundschaft daraus wird, ist gar nicht so selten», meint Margret Schaller, Leiterin Besuchsdienst des Schweizerischen Roten Kreuzes, Geschäftsstelle Burgdorf. Naturgemäss seien die Freiwilligen oft selber im Pensionsalter, und meist seien es Frauen. Schade, meint Schaller, denn Männer hätten eigentlich lieber männliche Besucher mit ähnlichen Interessen. Dabei könnte jeder als Rotkreuzbesucher oder -besucherin viel Freude ins Leben eines betagten oder behinderten Mitmenschen tragen. Gegen Einsamkeit gebe es kein Rezept, ausser einem mitfühlenden Gegenüber. Es seien keine Pflegekenntnisse notwendig, es müssten keine Hausarbeiten erledigt werden, und man brauche schon gar kein Psychologiestudium – nur etwas Zeit und Aufmerksamkeit. Gertrud LehmannMöchten Sie besucht werden, oder möchten Sie Rotkreuzbesucher werden? Kontaktstelle: Margret Schaller, SRK Sektion Bern-Emmental, Tel. 034 4111153. >

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