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Blick hinter die Türen der Ateliers

29 Kunstschaffende aus Thun und Region öffneten am Wochenende die Türen ihrer Schaffensräume und gewährten Einblicke in ihre Arbeit. Auf einem Rundgang besuchte unsere Reporterin einige Ateliers und sah typisch Künstlerisches – aber auch für Künstler Untypisches.

Es ist Sonntag. Viele Menschen hasten durch Thuns Gassen und Strassen. Sie ha-ben es eilig und wollen ihre Einkäufe machen. Nicht so im Atelierhaus an der Uttigenstrasse 27. Hier herrscht Beschaulichkeit ohne Hast und Eile. Die Künstlerinnen und Künstler im Haus geniessen die beiden Tage der «Open Ateliers», die das Kunstmuseum seit 2004 organisiert. Heiter und gelassen begrüssen sie die Besucher und bieten ihnen Apéros an. Einige der Kunstschaffenden werfen auch mal einen Blick ins Nachbaratelier. Insgesamt 29 Kunstschaffende aus der Region nehmen am Anlass teil. «Kunst und Architekturergänzen sich hervorragend. Ich arbeite oft mit Künstlern zusammen, und es ist meistens ein befruchtendes Miteinander», erklärt Architekt Johannes Saurer und schaut zur Wand, wo die grosszügigen Bilder von Steffi Schott hängen. «Besonders gerne besuchen mich Kinder, denn hier, in meinem Büro, kann man auch etwas anfassen. Es hat auch ein paar Gäste, die zum ersten Mal bei mir hereinschauen, weil es so ungezwungen zugeht», erklärt er mir. Da guckt Fotograf Christian Helmle herein. In seinem Atelier zeigt er menschgemachte Landschaften und Bilder über Kraftwerkarchitektur. Im oberen Stockwerk präsentiert Roberto de Luca sein Buch «Cercando la Luce», mit deutscher und englischer Einführung. Das Geheimnis besteht darin, dass nur Blinde die Geschichte lesen können, weil in Brailleschrift geschrieben. Die Fotos darin beweisen, was Blinde sehen. Kunstwerke kennt man vorwiegen aus Museen oder Kunstausstellungen. Eine ganz andere Erfahrung ist es, wenn man das Werk unvollendet und am Ort des Entstehens sieht. Der Boden im Atelier von Michael Streun ist übersät von Farbspritzern. Auf dem Tisch stehen Dosen mit ganz verschiedenartigen Pinseln. Aus dem Bild an der Wand schaut mir Mokka-Chef Pädu Anliker mit sinnendem Blick entgegen. Es ist ein Bild aus der Serie «Klingende Köpfe» von Streun. Gleich daneben sind etliche provokative Bilder. «Als Künstler habe ich den Auftrag, die Menschen etwas aufzurütteln. Daher habe ich Bilder wider das Vergessen gemacht», begründet er diesen einen Teil seiner vielseitigen Arbeiten. Das Atelier von Valerie Büttiker an der Freienhofgasse ist untypisch fein säuberlich aufgeräumt. Sachte taucht sie dem Pinsel in die aus Eitempera und Pigment selbst gemischte Farbe. Insgesamt 30 Nuancen an Blau hat sie in den Gläschen. Im Malen von Porträts hat sie sich grosses Können angeeignet. Im Moment lässt sie ihre Farbkompositionen nach selbst geschossenen Fotos sprechen. Sie experimentiert und tüftelt, bis auf dem Bild manchmal bis zu 30 Schichten liegen. An der Scheibenstrasse6 in einem Atelier steht ein Paar Tanzschuhe für Damen auf einem Stück Polsterfolie. Daneben stehen und liegen geöffnete Spraydosen. Auffällig: Die Schuhe sind frisch eingesprayt. Es ist ein begonnenes Werk der Künstlerin Sibylla Walpen, die ein breites Spektrum an Skulpturen und Installationen herstellt. Sie teilt sich den Raum mit Kotscha Reist. Er befasst sich indes mit figurativer Malerei und arbeitet vorwiegend nach Texten oder Erinnerungen. Anne-Gabriele von Gunten vertritt in der Galerie Wilfried von Gunten ihren Gatten und zeigt den Gästen die Bilder der einheimischen Künstler. Im Flying Fashion Store sind, neben Modekleidern und Accessoires, ihre künstlerisch gestalteten Spiegel zu sehen. Verena Holzer >

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