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Bideau-Kritiker wird neuer Film-Chef

FilmpolitikDer Nachfolger von Nicolas Bideau steht fest:

«Wo Entscheide gefällt werden, gibt es immer Gewinner und Verlierer, allen recht machen kann man es nie», sagte Ivo Kummer kürzlich, als ihn diese Zeitung auf das vakante Amt des Filmchefs im Bundesamt für Kultur ansprach. Nun steht er selber in der Verantwortung: Gestern wurde bekannt, dass Kummer, langjähriger Direktor der Solothurner Filmtage, zum Nachfolger von Nicolas Bideau ernannt worden ist, der seinen Posten per Ende letzten Jahres räumte. Kummer tritt seine neue Funktion spätestens im August dieses Jahres an. «Förderer des Biotops» Mit dem 51-jährigen Solothurner kommt ein entschiedener Bideau-Kritiker an die Spitze der Schweizer Filmförderung, der sich stets als «Artenpfleger des Schweizer Films» und als «Förderer des Biotops» verstanden hat. 2008 warf er dem umstrittenen Filmchef vor, zu sehr «auf grosse Kisten» zu setzen. Ausserdem inszeniere sich Bideau «mit reisserischen Prognosen». Und im Mai letzten Jahres sagte er, Bideaus Politik habe die Vielfalt des Schweizer Films bedroht. Von einer «180-Grad-Wende» in der Filmpolitik wollte BAK-Direktor Jean-Frédéric Jauslin gestern allerdings nichts wissen. Kontinuität sei wichtig, und das Ziel bleibe dasselbe, erklärte Jauslin: grössere Sichtbarkeit des Schweizer Films – sowohl hierzulande wie international. Kummer selbst zeigt sich unverbindlich-zurückhaltend: «Ich verstehe mich als Dienstleister für die Branche, der zusammen mit dem Bundesamt für Kultur und dem Innenminister dafür sorgt, dass die politischen Rahmenbedingungen für das Schweizer Filmschaffen möglichst optimal sind», hält er auf Anfrage fest. «Ich habe das Amt nicht angestrebt. Aber ich bin jetzt in einem Alter, da ich noch etwas Neues anfangen kann. Und so eine Chance bietet sich ja nicht jedes Jahr – hoffentlich.» Wehmütiger Abschied Es sei noch zu früh, um über Konzepte zu sprechen, so Kummer. Für ihn sei aber klar: «Eine Förderung nach dem Giesskannenprinzip macht keinen Sinn. Dennoch: Ambitionierte Filmprojekte sollen genauso ihren Platz haben wie Projekte mit kleinen Budget.» Es sei nicht an ihm, bei der Förderung «Vorgaben» zu machen oder «Filme unter Erfolgsdruck zu stellen». «Die Auswahl der Filmprojekte ist Sache der Expertenkommissionen.» Kummer plädiert indes dafür, dass die Filmbranche künftig stärker in die Verantwortung eingebunden wird, etwa durch die Schaffung eines Filminstituts. Zudem gelte es, die unter Bideau teilweise erheblich gestörten Beziehungen zur Branche weiter zu verbessern und die «positive Dynamik» zu nutzen, die sich zuletzt durch den Vermittlereinsatz von Marc Wehrlin, dem früheren Chef der Schweizer Filmförderung, entwickelt habe. Vorerst muss sich Kummer nun um die Nachfolgeregelung bei den Solothurner Filmtagen kümmern. «Ich habe heute ein Glücksgefühl und gleichzeitig ein Gefühl von Wehmut. Der Abschied fällt mir schwer.» mei>

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