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Zwei Bernerinnen an der Miss Russian-Wahl

Sofiya Miroshnyk und Natalia Bolkonskaia wollen Vorurteile über die Russisch sprechenden Menschen in der Schweiz abbauen. Dazu nehmen die Bernerinnen an der Wahl zur Miss Russian Switzerland teil. Kein Widerspruch, finden sie.

Natalia Bolkonskaia wohnt in Bern. Sie hat eine Theater-Akadamie besucht und Journalistik studiert.
Natalia Bolkonskaia wohnt in Bern. Sie hat eine Theater-Akadamie besucht und Journalistik studiert.
zvg
Sofiya Miroshnyk wohnt in Bern und ist Chemielaborantin in Ausbildung. Sie hasst Krieg und würde gerne nach San Francisco reisen.
Sofiya Miroshnyk wohnt in Bern und ist Chemielaborantin in Ausbildung. Sie hasst Krieg und würde gerne nach San Francisco reisen.
zvg
Maria Zaytseva wohnt in Basel und ist im Finanzwesen tätig.
Maria Zaytseva wohnt in Basel und ist im Finanzwesen tätig.
zvg
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Sie würden es immer wieder hören, sagen Sofiya Miroshnyk (18) und Natalia Bolkonskaia (19). Russinnen und Ukrainerinnen? Leichte Mädchen mit kurzen Röcken. Oder: Wodkavernichtungsmaschinen. «Manchmal», sagt Bolkonskaia, «nerven mich diese Klischees. Aber ich weiss, wer ich bin und was ich kann. Verletzen können mich solche Sprüche längst nicht mehr.»Bolkonskaia und Miroshnyk trinken selten bis nie Wodka. Und mit den anderen Vorurteilen über die 70'000 russisch sprechenden Menschen in der Schweiz wollen sie am 30.Mai aufräumen, wenn sie mit 14 weiteren Frauen an der zweiten «Miss Russian Switzerland» in Zürich teilnehmen. Klar gehe es an dieser Wahl in erster Linie um makelloses Aussehen, sagen die beiden. Die Miss Russian Switzerland könne und müsse den Leuten aber auch zeigen, wie reich die Kultur ihrer Heimat ist, meint Miroshnyk. «Und wie wichtig für uns die Familie ist, wie gut ausgebildet wir sind.» Dazu sei eine Miss-Wahl durchaus die richtige Plattform.Die Flucht nach BernNatalia Bolkonskaia hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Aufgewachsen ist sie als Angehörige der russischen Minderheit in Kirgistan. Dort war sie täglich mit Gewalt konfrontiert. Die «schrecklichen Dinge», die sie in ihrer Kindheit erlebt habe, seien zu privat, um darüber zu sprechen, sagt sie und senkt ihren Kopf. Vor drei Jahren, als 16-Jährige, ist Bolkonskaia alleine in die Schweiz geflüchtet und in Bern gelandet. Das Sozialamt zahlt ihr ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft. Wo ihre Eltern und Geschwister heute sind, weiss sie nicht. Freunde haben ihr geholfen, sich in der Schweiz durchzuschlagen. Sie spielt Theater, moderiert auf dem Radiosender Rabe eine russische Show und perfektioniert ihr schon beinahe perfektes Deutsch. Eine Stelle annehmen darf die zierliche Frau nicht. Ihr Asylgesuch ist hängig. Sollte sie am Samstag die Miss-Wahl gewinnen, verdient Bolkonskaia 10000 Franken. Als erstes, sagt sie, würde sie von dem Geld ein Hörgerät kaufen und nach Kirgistan schicken. Es gebe dort eine alte Frau, die ihr in der Kindheit geholfen habe.Das Ass in ChemieDass die Ukrainerin Sofiya Miroshnyk heute in Steffisburg lebt, hat einen anderen Hintergrund, einen romantischeren als bei Bolkonskaia. Ihre Mutter verliebte sich in einen Schweizer, heiratete ihn und zog vor knapp sieben Jahren mit ihrer Tochter und ihrem Sohn in den Kanton Bern. Sofiya ging hier zur Schule und lässt sich jetzt in Spiez und Bern zur Chemielaborantin ausbilden. Chemie, sagt sie, sei ihr Thema Nummer 1, Modeln nur ein Hobby. «Aber wenn ich die Chance dazu bekäme, wäre ich gerne das beste Model der Welt – und ein Ass in Chemie dazu.» Auch Miroshnyk würde zuerst an ihre Familie denken, sollte sie am Samstag Titel und Preisgeld holen. «Ich würde bestimmt meinen Grossvater in der Ukraine etwas schicken.»Der AdrenalinkickBeim Posieren für die Fotografin in der Innenstadt spürt man die fast schon überschäumende Energie der jungen Frauen. Sie lachen, halten sich an den Händen, rennen herum. Passanten bleiben stehen. Miroshnyk und Bolkonskaia geniessen die Aufmerksamkeit. Sie würden es lieben, auf der Bühne zu stehen und sich zu präsentieren, erklären die beiden. «Dieser Adrenalinkick ist einzigartig. Das willst du immer und immer wieder», sagt Miroshnyk. Adrenalinkicks mit männlicher Beteiligung übrigens sind für die Miss-Kandidatinnen derzeit rar. Beide sind Single. Bolkonskaia setzt ihr schönstes Grinsen auf. «Es gibt so viele schöne Männer, überall. Aber die schönen Typen sind meistens dumm.»

«Miss Russian Switzerland»: Samstag, 30. Mai, SchützenhausAlbisgütli Zürich.

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