Zürcher Essen hinterlässt Abfallberg in Bern

Bern

Wieso stellt die Stadt Bern nicht ein eigenes Projekt auf die Beine, um ihre Schulkinder mit Mittagessen zu versorgen? GFL/EVP und SP regen an, über neue Wege nachzudenken. Das aus Zürich nach Bern gelieferte Essen verursacht zudem viel Abfall.

Von den aus Zürich gelieferten Cannelloni bleibt viel Abfall zurück.

Von den aus Zürich gelieferten Cannelloni bleibt viel Abfall zurück.

(Bild: Beat Mathys)

Christoph Hämmann

Eine rot-grün regierte Stadt, die ihre Schulkinder mit Essen versorgt, das in Zürich vorgekocht wurde – daran hat manche Bernerin und mancher Berner noch immer zu kauen. Immerhin gibt es einen Monat nach der Information der Stadtbehörden, dass elf Tagesstätten und -schulen dieses Jahr vom Zürcher Caterer Menu and More beliefert werden, auch diese Stimmen: Es sei gut gekocht, was da im Rahmen des Pilotversuchs angeliefert werde.

Neben grundsätzlichen Bedenken gibt aber auch die Menge an Verpackungsmaterial zu reden, die nach jedem Essen übrig bleibt. «Der Abfall aus zwei Kilo Penne ist beeindruckend», sagt GFL-Stadtrat und Lehrer Manuel C. Widmer – Penne notabene, die in Zürich vor dem Kochen auch schon in einer Verpackung steckten.

Bern beliefert Nachbarn

Zusammen mit Ratskollegin Yasemin Cevik (SP) reichte Widmer letzte Woche eine Interpellation ein. Der Titel: «Catering für Tagesschulen und Tagesstätten: neue Wege andenken.» Das Unverständnis, das der angelaufene Pilotversuch vielerorts auslöst, rührt laut Vorstoss vor allem daher, dass das Essen von weither mit dem Auto angeliefert wird und von einer Firma stammt, die zu 20 Prozent der Stadt Zürich gehört.

Zugespitzt liesse sich zu dieser Gegebenheit sagen: Ein Teil des Geldes, das im Rahmen des nationalen Finanzausgleichs von Zürich nach Bern fliesst, wird gebraucht, um der Stadt Zürich Essen abzukaufen.

Die Interpellanten wollen vom Gemeinderat unter anderem wissen, ob die Möglichkeit einer Belieferung der Berner Tagesschulen und Kitas durch ein städtisches Projekt geprüft worden sei.

Bei der Lektüre des 41-seitigen Konzepts «Produktion der Mahlzeiten in den Kinderbetreuungseinrichtungen der Stadt Bern», das die Stadt im letzten April publizierte, wurden Widmer und Cevik nämlich stutzig. In einem Überblick, wie die Nachbargemeinden Muri und Ostermundigen Schulkinder verköstigen, wird «externes Catering» aufgeführt.

Alternativen prüfen

«Beide Gemeinden wurden vom Gastroprojekt Murifeld der städtischen Vereinigung für Beratung, Integrationshilfe und Gemeinwesenarbeit beliefert», sagt Widmer. Interessanterweise, heisst es im Vorstoss, «verliert das Konzept hierüber kein Wort». Und die Frage: «Versäumnis oder Absicht?»

«Mir ist sauer aufgestossen, dass keine Silbe darüber im Konzept steht», sagt Widmer. Er wolle indes nicht polemisieren, sondern dazu beitragen, dass bis zum Ende des laufenden Pilotprojekts mögliche Alternativen geprüft würden. «Selbstverständlich soll aber das Projekt sauber evaluiert werden.»

Berufseinstieg für Migranten

Das Gastroprojekt Murifeld biete rund zehn Programmplätze, die unter anderem vom städtischen Kompetenzzentrum Arbeit oder von der Caritas besetzt werden. «Erwerbslose Migrantinnen und Migranten oder Jugendliche mit Problemen beim Berufseinstieg finden so eine sinnvolle Beschäftigung», so Manuel C. Widmer.

Berner Zeitung

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