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«Wohneigentum ist für viele Leute erstrebenswert»

Vor 100 Jahren, mitten im Ersten Weltkrieg, wurde der Hauseigen­tümerverband Bern und Umgebung gegründet.

Adrian Haas präsidiert den HEV Bern und Umgebung.
Adrian Haas präsidiert den HEV Bern und Umgebung.
Susanne Keller

Als im Ersten Weltkrieg die meisten Männer im Aktivdienst stehen, droht zahlreichen Hauseigentümern wegen Mietzinsausfällen die Kündigung der Hypotheken – da sie die Zinsen nicht mehr bezahlen können.

In dieser Situation, am 14. November 1915, wird in Aarau der Grundstein für einen schweizweiten Hauseigentümerverband gelegt: 12 Hausbesitzervereine gründen den Zentralverband Schweizerischer Haus- und Grundbesitzervereine. Er zählt 5000 Mitglieder. 2 Jahre später reagieren auch die Berner. Sie gründen am 8. Januar 1917 den Hauseigentümerverband Bern und Umgebung (HEV).

Eingeführt und abgeschafft

Im gleichen Jahr führt der Bundesrat per Notrecht die Mietzinskontrolle ein. Erhöhungen der Mietpreise müssen künftig bewilligt werden. Der neu gegründete Berner Verband beschäftigt sich in seinen Anfängen mit Fragen des Mietrechts und wehrt sich gegen die Mietzinskontrolle. 1925 wird diese wieder ab­geschafft, weil sie «tendenziell eigentumsfeindlich» sei. Die steigenden Mieten und heftige Proteste von Mietern führen dazu, dass die Mietzinskontrolle 1936 wiedereingeführt wird.

Erstes Heft: «Mein Haus»

Annelies Hüssy, Historikerin und Vorstandsmitglied des HEV, hat anlässlich des Vereinsjubiläums recherchiert. «Noch im letzten Kriegsjahr 1944 bringt der Berner Hauseigentümerverband seine eigene Zeitschrift mit dem opulenten Titel ‹Mein Haus. Offizielles und obligatorisches Organ des Hauseigentümerverbandes Bern und Umgebung› heraus», schreibt sie in ihrer geschichtlichen Abhandlung.

Das Signet der Publikation ist ein schmuckes Einfamilienhaus, welches vom Berner Staatswappen (quasi als Sonne) angestrahlt wird. «So unverkrampft und obrigkeitsgläubig, wie es das Titelbild suggeriert, ist das Verhältnis des Hauseigentümerverbandes zu den staatlichen Institutionen allerdings nicht», weiss die Historikerin.

Der HEV gab sich kämpferisch. Die Themen: Stadtentwicklung und Siedlungspolitik, die angeblich verfehlte städtische Verkehrspolitik, überbordender Mieterschutz. Da ist unter anderem auch die Rede von der «Entrechtung der Hausbesitzer».

Erfolge in den 1970er-Jahren

1946 wird die Mietzinskontrolle nach 10-jähriger Dauer wieder gelockert. 1971 schliesslich wird die Mietpreisgestaltung gänzlich freigegeben. Zum ersten Mal seit dem Ersten Weltkrieg gilt schweizweit Vertragsfreiheit im Mietwesen. Es ist nicht der einzige Erfolg für den HEV in den 1970er-Jahren: 1975 wehrt er sich erfolgreich dafür, dass die Gebühren für die Abfallbeseitigung nicht pauschal beim Hauseigentümer, sondern beim Mieter eingezogen werden. 1977 hilft er, die eid­genössische Mieterschutzinitiative zu bodigen.

Über 13'000 Mitglieder

Eitel Sonnenschein herrscht heute, 100 Jahre nach der Gründung, keineswegs beim HEV. ­Adrian Haas, FDP-Grossrat und HEV-Präsident, sagt: «Wir sehen uns heute generell mit Problemen konfrontiert, dass insbesondere die Stadt Bern Forderungen nach einschränkenden Regulierungen aufstellt.» Er nennt ­Einschränkungen im Energie­bereich. Es gehe ihm zu weit, wenn beispielsweise Ölheizungen ganz verboten werden sollen.

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Für Haas gibt es auch Positives. «In den letzten Jahren hat die Hauseigentümerquote zugenommen, Wohneigentum ist nach wie vor attraktiv.» Gemäss Umfragen sei Wohneigentum für viele Leute erstrebenswert und ein Traum, meint Haas. Mit seinen 13'103 Mitgliedern zählt der HEV heute zu den grössten Verbänden in der Region Bern.

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