Wird das Marzili wieder zur Insel?

Der Gemeinderat hat einen Projektierungskredit fürs Marzilibad genehmigt. Mit den 5,2 Millionen Franken will die Stadt unter anderem prüfen, ob das Marzili wieder wie früher zur Insel wird.

Der «Löifu» verlief bis Ende der 1960-Jahre ums Marzilibad. Heute ist davon nichts mehr zu sehen.

Der «Löifu» verlief bis Ende der 1960-Jahre ums Marzilibad. Heute ist davon nichts mehr zu sehen.

(Bild: Andreas Blatter)

Bis Ende der 1960-er Jahre lag das Marzili auf einer Insel – zwischen der Aare und dem so genannten «Löifu», einem Aare-Seitenarm, der sich damals durchs heutige Marzilibad zog. Dieser wurde zwischen 1968 und 1970 zugeschüttet, so dass der Insel-Charakter der Badeanlage verloren ging.

Am Donnerstag genehmigte der Gemeinderat nun einen Projektierungskredit in der Höhe von 5,2 Millionen Franken. Mit dem Kredit soll unter anderem geprüft werden , ob der alte Aare-Seitenarm wieder geöffnet wird. Es ist nicht das erste Mal, dass diese Idee durch den Stadtrat geistert. So wurde schon 2012 eine Renaturierung des Marzilis diskutiert. Über eine allfällige Öffnung des «Löfu» entscheidet die Stadt erst nach Vorliegen des Studienauftrages.

36 bis 48 Millionen Franken teuer

Dass das Marzilibad saniert werden muss, ist schon länger bekannt. Der Berner Stadtrat überwies Anfang dieses Jahres eine Motion, in der er eine baldige Sanierung der sanitären Anlagen forderte. Knapp 33 Millionen Franken seien für die Gesamtsanierung in der mittelfristigen Investitionsplanung eingestellt, sagte damals der Gemeinderat.

Im am Donnerstag veröffentlichten Vortrag des Gemeinderats an den Stadtrat steht nun, dass mit 36 bis 48 Millionen Franken zu rechnen ist, die allfällige Öffnung des alten Aarelaufs nicht inbegriffen. Wird der «Löifu» geöffnet, ist mit zusätzlichen Kosten von 9 bis 14 Millionen Franken zu rechnen.

Eine Öffnung des alten Seitenarms wäre «eine städtebauliche und betriebliche Chance von grosser Bedeutung», schreibt die Berner Stadtregierung. Sie würde für den Gemeinderat die Attraktivität des Marzili-Quartiers erhöhen.

Sowohl ein zum Schwimmen geeigneter als auch ein seichter, nur rund 50 Zentimeter tiefer Kanal ist mittels Strömungssimulation auf wasserbautechnische Realisierbarkeit untersucht worden. «Diese konnte für beide Varianten bestätigt werden», steht im Gemeinderatsvortrag. Es sind nun weitere Untersuchungen nötig, etwa hinsichtlich Flächenbedarf und Auswirkungen auf den Betrieb.

Im Marzilibad wird bereits gebaut: Anfang Oktober begann die Sanierung des Bueberseelis, also des am weitesten flussabwärts gelegenen Anlageteils. Die Bauarbeiten dauern voraussichtlich bis Mai 2019 und dürften etwa sechs Millionen Franken kosten.

Etappenweise Sanierung

Im Rahmen des Studienauftrages wird unter anderem geprüft, wie die bestehenden Schwimmbecken am besten ersetzt und wie die Gebäude erneuert werden können. Die Garderoben- und Kabinenbauten sind denkmalpflegerisch als erhaltenswert eingestuft. Aus diesem Grund sollen sie nicht komplett ersetzt, sondern saniert werden.

Demgegenüber ist das Betriebs- und Gastronomiegebäude weder im Bauinventar enthalten, noch wäre eine Sanierung laut Gemeinderat wirtschaftlich. Deshalb ist ein «zeitgemässer Ersatzbau» geplant. Zudem sollen alle Sanitäranlagen, der Zugang und die Veloparkplätze erneuert werden.

Alle Massnahmen sollen dazu führen, dass der «einmalige Charakter des über Bern hinaus bekannten und beliebten Flussbades nicht nur erhalten, sondern gestärkt werden kann», wie der Gemeinderat schreibt.

Er beabsichtigt, den Baukredit für die Gesamtsanierung den Stimmberechtigten im Jahr 2022 zu unterbreiten. Die baulichen Massnahmen könnten ab 2023 umgesetzt werden. Dabei sollen die Arbeiten wenn immer möglich etappenweise beziehungsweise ausserhalb der Badesaison vorgenommen werden, so dass nur Teile der Gesamtanlage für die Besucher gesperrt werden müssen.

ske/sda

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