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Wie die Freimaurer funktionieren

Die Frei­maurer sind umzingelt von ­Geheimnissen und Gerüchten. Eine Ausstellung im ­Histo­rischen Museum widmet sich der Bruderschaft und will sie verständlicher machen.

Die Ausstellung über die Freimaurer im Historischen Museum bietet ungewohnte Einblicke in eine fremde Welt.
Die Ausstellung über die Freimaurer im Historischen Museum bietet ungewohnte Einblicke in eine fremde Welt.
Christine Moor/Historisches Museum Bern

Drei Leute können ein Geheimnis nur für sich behalten, wenn zwei von ihnen tot sind. Das hat Benjamin Franklin (1706–1790) gesagt. Franklin war Freimaurer. Der amerikanische Staatsmann, Schriftsteller und Erfinder (Blitzableiter) war der erste grosse Amerikaner, der sich 1731 einer Loge anschloss und bereits drei Jahre später als Grossmeister an der Spitze der Bruderschaft stand.

Schätzungen gehen davon aus, dass heute bis zu fünf Millionen Menschen Mitglied einer Freimaurerloge sind. Und doch haben sie es geschafft, Geheimnisse für sich zu behalten.

«Top Secret – die Freimaurer»

Die Ausstellung «Top Secret – die Freimaurer» im Historischen Museum will mit Vorurteilen gegenüber dieser Bruderschaft aufräumen und geheimnisumwitterte Rituale und Symbole verständlich machen.

Ein Modell des Salomonischen Tempels in einer Glasvitrine empfängt die Besucherinnen und Besucher im Untergeschoss des Kubus. Den Salomonischen Tempel – das erste grosse steinerne Bauwerk, das in der Bibel erwähnt wird – haben die Steinmetzen des Mittelalters und später die Freimaurer zum Vorbild genommen.

Sie betrachten den Tempel symbolisch als Baustelle der Humanität. Tempel heissen deshalb auch die Versammlungsräume der Freimaurer. Ein Tempel ist ein Ort der Einkehr und der Andacht, lässt man die Besucher wissen. Aber auch: «Die Freimaurerei ist weder eine Religion noch ein Religionsersatz.» Die Mitglieder sind frei in der Ausübung ihrer Re­ligion.

«Die Freimaurerei ist weder eine Religion noch ein Religionsersatz.»

Loge zur Hoffnung

Dennoch kam es, wie in der Ausstellung dokumentiert, 1966 zum Zoff. Die Vereinigte Gross­loge von England verbot den Schweizern Kontakte zum Grand Orient de France. Diese beiden Dachverbände bestimmen massgeblich die Organisation der Freimaurerei.

Zum Bruch der beiden Verbände kam es, weil Letzterer Atheisten aufnahm. Das hat auch zu Abspaltungen in der Schweiz geführt; heute gibts Logen mit einer traditionellen, andere mit einer liberaleren Ausrichtung.

Die «Weltverschwörer»?

Die Anfänge der Freimaurerei gehen ins Jahr 1717 zurück, als sich in London erste Logen zusammenschlossen. Bald darauf trafen sich auch in der Schweiz, in Bern Gleichgesinnte – was der Berner Obrigkeit suspekt war.

Mittels Erlass verbot sie 1745 die Freimaurerei in Bern. Doch die Zusammenkünfte konnte die Regierung nicht verhindern. Ende des 18. Jahrhunderts entstanden die ersten Logen, die Berner Loge zur Hoffnung 1803. Sie befindet sich heute an der Brunngasse.

Einen zweiten Versuch, die Freimaurerei in der Schweiz zu verbieten, unternahm 1934 der rechtsextreme Oberstbrigadier Arthur Fonjallaz. Er lancierte eine Volksinitiative, die 1937 mit 70 Prozent Nein-Stimmen wuchtig abgelehnt wurde. Dass Gleichgesinnte wie Fonjallaz – Ludendorff, Hitler, Mussolini – die Freimaurerei als verbrecherische Weltverschwörung deklarierten, wird ebenfalls in der Ausstellung thematisiert.

«Ist die Freimaurerei eine Weltverschwörung?», fragt die Loge zur Hoffnung. «Sie ist es, keine Frage – eine Weltverschwörung zum Guten», gibt sie selbst zur Antwort.

In der Ausstellung wird das Bild von Menschen vermittelt, die einem Verein angehören – das sind die Logen im rechtlichen Sinn –, der sich das humanistische Gedankengut auf die Fahne geschrieben hat, Menschen, denen die eigene Persönlichkeitsentwicklung und die Stärkung positiver Charaktereigenschaften wichtig sind.

Menschen, die bestrebt sind, nach ethischen Grundsätzen zu denken und zu handeln. Ein weibliches Mitglied einer Frauenloge sowie drei Brüder (so nennen sich Freimaurer untereinander) der Loge zur Hoffnung erzählen in Videointerviews über ihre Beweggründe zur Mitgliedschaft.

Da ist von Diskussionen mit Tiefgang, von interessanten Vorträgen die Rede, darüber, dass man in den Versammlungen den Alltag aussen vor lassen kann.

Manches bleibt geheim

Bei aller Offenheit: Die Logen verpflichten ihre Mitglieder, Bräuche und Logenangelegenheiten nicht nach aussen zu tragen. Aussenstehende können nicht – wie in eine Kirche – einfach in einen Freimaurertempel eintreten.

Auch wenn im Museum ein Teil des Tempels der Loge zur Hoffnung nachgebaut ist: Alle Geheimnisse werden dem Publikum nicht verraten.

Es scheint so, dass auch mehr als drei Leute Geheimnisse für sich behalten können; vorausgesetzt, es sind Freimaurer.

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