Wenn Ostschweizerinnen den «Zwiblemart» besuchen

Bern

Rund 100 Reisecars haben am Montagmorgen Tausende aus dem In- und Ausland an den Zibelemärit gefahren. Darunter die drei Ostschweizerinnen Ruth Dietrich, Heidi Maier und Rosa Herrsche. langenthalertagblatt.ch/Newsnetz hat das muntere Trio begleitet.

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Michael Bucher@MichuBucher

Ein Reisecar nach dem anderen reiht sich an der Winkelriedstrasse im Berner Breitfeldquartier auf. Es ist 6:30 Uhr – in der Ziebelmärit-Zeitrechnung eigentlich etwas spät. Doch in dem Fall verständlich, da die Cars von weit entfernten Ecken der Schweiz und dem Ausland kommen. Über 100 Reisecars sollen es sein, welche Schaulustige hier in den frühen Morgenstunden ausladen und an das Berner Volksfest übergeben.

Aus einem Car der Firma Rheintal Reisen strömen dutzende Zibelemärit-Gängerinnen und -Gänger aus der Ostschweiz. Darunter ein auffällig gut gelauntes Frauentrio in den Fünfzigern. Ruth Dietrich (53), Heidi Maier (57) und Rosa Herrsche (58) sind frohen Mutes und freuen sich auf einen umtriebigen Tag am «Zwiblemart» – das klingt für Berner Ohren etwas schmerzhaft, aber so nennt man das Volksfest eben im Rheintaler Dialekt.

Während Rosa aus Rebstein SG ihre Premiere am Zibelemärit feiert, haben Ruth und Heidi aus Altstätten SG bereits Märit-Erfahrung – vor allem Heidi. «Ich komme seit über 20 Jahren jedes Jahr hierher», sagt die Mitarbeiterin bei Rheintal Reisen. Bei der Hinfahrt habe sie den Gästen Kaffee und Gipfeli serviert, auch bei der Rückreise sei dies geplant. «Deshalb nehme ich heute nur einen Glühwein», schmunzelt die Ostschweizerin. «Wir werden sicher mehr als einen nehmen», meinen hingegen Ruth und Rosa, die zusammen im Coop Altstätten arbeiten.

Die unvermeidbare Konfettidusche

Die drei aufgeweckten Rheintalerinnen haben sich vorgenommen mindestens ein paar Zwiebelzöpfe zu kaufen, ansonsten werde man mal schauen, was es sonst noch Interessantes habe. Die drei sitzen mittlerweile im vollgestopften 20er-Bus Richtung Bahnhof. Draussen fallen vereinzelt Regentropfen. «Das darf doch nicht sein», empört sich Ruth, «der Bucheli hat gestern keinen Regen gemeldet.» Doch beim Aussteigen am Bahnhof ist Petrus den Besucherinnen und Besuchern wieder wohlgesinnt. Auch die Temperaturen sind angenehm.

Man wolle erstmals Richtung Bundeshaus, sind sich die drei einig. Langsam quetschen sich die Damen durch das Gedränge in der Neuengasse. Es riecht nach Glühwein und Knoblibrot, Plastikhämmerli, die auf Köpfe gehauen werden, erklingen und der Boden ist standesgemäss mit Konfetti übersät. Die Plastikhämmerli sind etwas, das vor allem Heidi widerstrebt. Sie dürfte nicht die einzige sein.

Mittlerweile haben es die drei bis zum Waisenhausplatz geschafft, ohne auch nur ein einziges Konfetti abzubekommen – eine Meisterleistung. Doch oha! Just, als sie diese stolze Leistung erkannt haben, gibts die erste Konfettidusche. Ruth findets lässig, Heidi meint nur: «Das reicht für heute an Konfetti.» Es dürfte ein frommer Wunsch bleiben.

Apéro statt Zmorge

7:30 Uhr: Es wird langsam hell und immer enger auf dem Waisenhausplatz. Das wackere Damentrio beschliesst Richtung Bundesplatz zu dislozieren. «Von Jahr zu Jahr werden es mehr Leute», bemerkt Heidi, die redseligste der dreien. Die Statistik gibt ihr Recht. Unterwegs haben Rosa und Ruth bereits die ersten Zwiebelzöpfe gekauft. Das erste Tagesziel ist also erreicht.

Konfettidusche: check! Zwiebelringe kaufen: check! Fehlt nur noch der erste Glühwein. Auf dem Bundesplatz angekommen, wollen die drei Ostschweizerinnen dieses Versäumnis nachholen. Keine Minute später dampft auch schon ein Becher gefüllt mit dem Traditionsgetränk in den Händen des Frauengrüppchens. «So früh hatte ich noch nie einen Glühwein», stellt Heidi ernüchtert fest. «Wir sind aber auch schon seit 2:30 Uhr auf den Beinen», verteidigt Ruth den frühen Umtrunk, «zeitlich gesehen ist das jetzt fast schon ein Apéro», doppelt sie nach. Die anderen grölen.

Beim Glühweinstand gäbe es auch noch Knoblibrot. Doch das ist nichts für die drei. «Susch stinket miar no us de Schnörre», meint Heidi. Rosa, die Ruhigste der munteren Truppe, lobt derweil den Glühwein: «Der ist sehr gut, nicht so bitter wie andere.» Nach kurzer Besprechung einigt man sich darauf, vor allem den Bundesplatz als Flanierzone zu nutzen, ehe es um 14:30 Uhr wieder nach Hause geht. «Auf der Heimfahrt werden wir uns noch ein Cüpli im Car gönnen», sagen die drei. Das gehöre dazu.

Es wird immer heller, die Becher der Damen leerer. «Da trümmlet scho chli im Chopf», sagt Heidi. Aber auch das gehört ja schliesslich zum Zibelemärit, pardon Zwiblemart!

langenthalertagblatt.ch/Newsnetz

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