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Wenn Kühe um die Wette rennen

Erstmals waren beim traditionellen Bauernpferderennen in Schwarzenburg auch Kühe im Einsatz. Für die Favoritin resultierte ein Start-Ziel-Sieg – mit langem Unterbruch.

Auf der 450 Meter langen Strecke gab es für die Reiter manch heikle Situation zu überstehen.
Auf der 450 Meter langen Strecke gab es für die Reiter manch heikle Situation zu überstehen.
Iris Andermatt

Es war eine Premiere gestern beim 47. Bauern­pferderennen in Schwarzenburg: In der Halbzeit des umfangreichen Programms gab es ein Kuhrennen. Fünf Teilnehmer waren gemeldet, doch ein Trio schälte sich rasch als hoch zu favorisierendes Team heraus: Monika und Johann Hostettler mit Kuh Adeline aus Rüschegg-Gambach. Die drei waren offensichtlich die Einzigen, die sich seriös auf das Rennen vorbereitet hatten. Kuh Adeline nämlich war bereits namentlich im Programm erwähnt, bei den anderen vier Einträgen hiess es, Kuh sei «noch zu bestimmen».

So war zum Beispiel Kuh Nova erst am Morgen «zufällig» für ihren Einsatz ausgewählt und darüber hinaus die Reiterin ausgetauscht worden. Doch, so sagte ihr Besitzer und Führer Kurt Brönnimann, «wir wollen gewinnen», und nervös werde er höchstens, wenn die Kuh «allein secklet».

Nicht viel besser sah es punkto Vorbereitung auch bei den drei weiteren Teams aus: Mit Kuh Suzette war nur zweimal eine halbe Stunde trainiert worden, mit Sissi sogar nur einmal, weder Führer, Reiter noch Kuh verfügten – wie zugegeben wurde – über «grossartige Wettkampferfahrung». Und gleich unerfahren war auch das Team um Kuh Summer. Ihre Reiterin Franziska Pichler erklärte, ihr Hauptziel sei «überleben», es gehe darum, «Spass zu haben».

Wie anders hatte hingegen das Training für Adeline ausgesehen: Schon drei Wochen vor dem grossen Anlass war mit ihr geübt worden, in der letzten Woche sogar intensiv: dreimal pro Woche. Und damit sich Adeline besonders wohlfühlte, waren ihr am Sonntagmorgen neben Kraftfutter auch Äpfel in den Futtertrog gelegt worden, mit Absicht: «Sie ist beim Trainieren immer zum Apfelbaum gelaufen und hat Äpfel gefressen», sagte Reiterin Monika Hostettler. Nur etwas hätte Adeline vielleicht doch aus dem Konzept bringen können: Nicht Johann Hostettler, wie im Programm angekündigt, war der Reiter, sondern eben Schwester Monika. Ihre Begründung: «Er cha schneller seckle.»

Als das Startzeichen für das rund 450 Meter lange Rennen gegeben wird, passiert zunächst einmal nichts. Nach einem Moment des Zögerns machen sich Adeline und Nova auf den Weg, die drei Mitkonkurrentinnen sind vorerst nicht zu bewegen. Adeline sieht wie die sichere Siegerin aus – bleibt aber in der Südkurve bockstill stehen, und Nova tut es ihr gleich. Minutenlang geht gar nichts – doch dann gelingt es dem Geschwisterpaar Johann und Monika Hostettler, Adeline wieder in Gang zu bringen, und schliesslich geht die Favoritin, wie vom Berichterstatter von allem Anfang an zu Recht vermutet, mit grossem Vorsprung durchs Ziel.

Auf Rang zwei Sissi, auf Rang drei Nova. Geradezu dramatisch wird der Kampf um die beiden letzten Plätze: 100 Meter vor dem Ziel wird Franziska Pichler von Kuh Summer abgeworfen. Es sieht so aus, als könne ihr Daniel Kurz auf Suzette, der unterwegs schon mehrmals hatte Bodenkontakt machen müssen, noch den vierten Rang streitig machen. Und tatsächlich schafft er das schliesslich.

Franziska Pichler, die das Ziel neben anstatt auf der Kuh erreicht, müsste eigentlich sogar disqualifiziert werden, doch beim ersten Kuhrennen überhaupt in Schwarzenburg lassen die Juroren Gnade vor Recht walten. Alle fünf Teams erhalten ihre wohlverdienten Preise. Für Siegerin Hostettler gibt es eine schöne Kuhglocke. Auf die obligate Ehrenrunde wird jedoch verzichtet, es hätte wohl schlicht zu lange gedauert, die Kühe noch einmal zum Laufen zu bringen.

Die Resultate aller 28 Rennen ­finden Sie auf www.bauernpferderennen.ch.

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