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Wenn die Panne eine Falle ist

Ein Mann wurde dieses Wochenende in Rapperswil BE ausgeraubt, als er den Insassen eines vermeintlichen Pannenfahrzeuges helfen wollte. Hätte er auch weiterfahren dürfen? Oder ist das Unterlassen der Nothilfe?

«Soweit zumutbar, muss Hilfe geleistet werden», sagt die Kantonspolizei Bern.
«Soweit zumutbar, muss Hilfe geleistet werden», sagt die Kantonspolizei Bern.
Keystone

An Dreistigkeit ist der Fall kaum zu übertreffen. Ein Automobilist, unterwegs am vergangenen Freitagabend im ländlichen Seeland zwischen Rapperswil und Schüpfen, meint es eigentlich nur gut. Kurz vor der Abzweigung nach Frauchwil steht ein Pannenfahrzeug mit angeschalteten Warnblinkern am Strassenrand. Der Mann will den Leuten helfen. Er hält an, steigt aus seinem Auto, nähert sich dem Fahrzeug – und wird überfallen.

Zwei der Insassen greifen den Mann unvermittelt an, der Dritte stiehlt Geld aus dessen Auto. Die Täter flüchten mit ihrem Auto mit ausländischem Nummernschild in Richtung Schüpfen. Der Überfallene wird leicht verletzt. Seine Hilfsbereitschaft ist ihm zum Verhängnis geworden.

Im Kanton ein Einzelfall

Dieser Fall erschreckt. Zum Glück handelt es sich laut der Kantonspolizei Bern nicht um eine neue Masche von skrupellosen Räubern in der Region: «Im Kanton Bern ist dieses Vorgehen ein Einzelfall», sagt Mediensprecherin Regina Aeberli.

Fragt sich nun, wie man in einer ähnlichen Situation vorgehen soll. Anhalten? Weiterfahren? Hält und hilft man, riskiert die betroffene Person einen Überfall wie jenen in Rapperswil. Wer weiterfährt, riskiert aber allenfalls rechtliche Konsequenzen wegen Unterlassung der Nothilfe.

117 anrufen

Gesetzlich ist die Unterlassung der Nothilfe im Artikel 128 des Strafgesetzbuches verankert. Der Artikel ist jedoch ziemlich weit gefasst. Zu konkreten Fällen äussert sich Regina Aeberli nicht. Wie soll sich beispielsweise eine Frau verhalten, die nachts und alleine auf eine solche Situation trifft? «Soweit zumutbar, muss Hilfe geleistet werden», sagt die Polizeisprecherin allgemein. Das könne also in jeder einzelnen Situation wieder anders aussehen.

Die Kantonspolizei empfiehlt, in mit Rapperswil vergleichbaren Situationen den Notruf mit der Nummer 117 zu tätigen. «Auf den Bauch hören hilft», sagt Aeberli. Man könne auch ein Stück von der entsprechenden Stelle entfernt anhalten, die Situation beobachten und der Polizei weitere Hinweise melden. Aeberli: «Den Notruf zu tätigen, ist unter Umständen auch bereits eine Hilfestellung.» Ob jemand tatsächlich für das Unterlassen der Nothilfe rechtlich belangt werden könne, sei dann eine Frage, die im Einzelfall von der Justiz geklärt werden müsse, so Aeberli weiter.

Täter auf der Flucht

Im Fall Rapperswil sind die Täter weiterhin flüchtig. Regina Aeberli bestätigt, dass aus der Bevölkerung mehrere Hinweise eingegangen seien. Die Kantonspolizei sucht weiterhin Zeugen.

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