Vor die Tür gestellt

Ostermundigen

Die Christophorus-Schule muss ihr Schulhaus in Ostermundigen bis 2021 verlassen. Die Gemeinde braucht das Schulhaus selbst. Die Schule beklagt das Vorgehen der ­Gemeinde.

Schulleiter André Engel: «Das ist ein riesiger Schock für uns.»

Schulleiter André Engel: «Das ist ein riesiger Schock für uns.»

(Bild: Andreas Blatter)

Die ersten Anzeichen erhielt André Engel am Freitag, dem 13. Mai. Bei einem Treffen mit dem Gemeinderat Ostermundigen erfuhr der Schulleiter der Christophorus-Schule, dass die Gemeinde offenbar den Mietvertrag für das Schulhaus kündigen will. Es waren noch unklare Signale.Vergangene Woche dann wurde der Fall kristallklar: Am Donnerstag teilte die Gemeinde der Schule mündlich mit, dass sie den Mietvertrag auf Ende Juli kündigen werde. Sie braucht das Gebäude für eigenen Schulraum.

So muss die Christophorus-Schule das Schulhaus Rothus innert fünf Jahren verlassen. «Das ist ein grosser Schock für uns», sagt Engel. Und Simone Bürge, die Mutter eines der Schulkinder, sagt: «Das ist für die Schüler und ihre Familien eine absolute Katastrophe.»

Hohe Investition in Gebäude

Die Christophorus-Schule ist eine heilpädagogische Tagesschule und unterrichtet in Ostermundigen 70 Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung. Sie zog 2009 ins Schulhaus Rothus ein und investierte damals 2 Millionen Franken in den Umbau. Unter anderem wurde das Gebäude behindertengerecht gemacht – auch dank «grosszügigem Entgegenkommen der Gemeinde», wie auf der Website der Schule steht.

«Wir hatten keinerlei Anzeichen dafür, dass wir das Schulhaus nach zwölf Jahren schon wieder verlassen müssen», sagt der Schulleiter. «Ansonsten hätten wir nicht so viel Geld investiert.» Die Gemeinde habe damals versichert, dass sie das Gebäude in Zukunft nicht mehr ­benötige. Insbesondere wegen der ungünstigen Lage sei es als Schulhaus ungeeignet.

Kritik an der Gemeinde

Für die Christophorus-Schule aber war der Standort ein Glücksfall. Zudem habe sich auch die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Ostermundigen ausgezeichnet entwickelt, sagt Engel. «Sie hat gut zu uns geschaut.» Umso erstaunter ist er über das jetzige Vorgehen. In einem offenen Brief an den Gemeinderat beklagen sich das Präsidium und die Schulleitung über die Art und Weise der Kündigung.

Nach dem Treffen Mitte Mai habe die Schule mehrmals versucht, mit dem Gemeinderat und den Planungsbehörden ins Gespräch zu kommen. «Gerne hätten wir die Gelegenheit erhalten, gemeinsam mögliche Alternativen für die Schulraumplanung in Ostermundigen zu suchen», steht in dem Brief. «Doch alle unsere Bemühungen blieben unerwidert.» Das Vorgehen blende das Schicksal der Schülerinnen und Schüler mit zum Teil mehrfacher Behinderung komplett aus. «Das macht uns einfach nur traurig.»

Schule wollte Haus kaufen

Gemeinderat Henrik Schoop (FDP) wollte am Montag nicht Stellung nehmen. Die Gemeinde werde am Dienstag umfassend über die Schulraumplanung orientieren. So bleibt vorerst unklar, was die Gemeinde von diesem Angebot hält: «Wir wollten das Schulhaus kaufen», sagt An­dré Engel. Er geht von einem ­tiefen zweistelligen Millionen­betrag aus. Mit der Hilfe der Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern wäre die Investition für die Schule tragbar gewesen, ist er überzeugt.

Aus seiner Sicht hätte davon auch die Gemeinde Ostermundigen profitiert. «Mit dem Erlös hätte sie ein neues Schulhaus bauen können.» Weiter hätte die Christophorus-Schule einen Teil ihres Schulareals für ein Provisorium zur Verfügung gestellt.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Die definitive Kündigung hat André Engel noch nicht erhalten. Und die Hoffnung auf einen Verbleib in Ostermundigen hat er nicht aufgegeben. «Ich bin noch immer zuversichtlich, dass wir eine Lösung finden, die für alle passt.»

Berner Zeitung

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