Vier Frauen und 250 Kilo Nutella

Wabern

Viele Bäuche haben sie auf dem Gurten schon gefüllt: die Crêpes von Caroline Elsaesser. Seit zwanzig Jahren betreibt sie den legendären Stand am Festival. Nun gibt sie die Leitung endgültig an ihre Nichten ab.

Generationenwechsel: Sabine Liechti-Elsaesser (links) und Caroline Elsaesser (2. v.r.) geben die Leitung an Lou (2. v.l.) und Sina Liechti ab.

Generationenwechsel: Sabine Liechti-Elsaesser (links) und Caroline Elsaesser (2. v.r.) geben die Leitung an Lou (2. v.l.) und Sina Liechti ab.

(Bild: Susanne Keller)

Claudia Salzmann@C_L_A

Vieles war anders am Gurtenfestival 1995. Die Musik, die Frisuren, der Zeltplatz. Auch der Crêpes-Stand befand sich noch nicht zentral zwischen Haupt- und Zeltbühne, sondern ganz hinten bei der Zeltbühne.

Caroline Elsaesser und ihre Helfer mussten in Eimern Wasser herbeischleppen. «Bis man sich am Publikum vorbeigekämpft hatte, waren die Kübel natürlich leer», erinnert sich die heute 46-Jährige. Mit Martin von Dach starteten sie vor zwanzig Jahren – mit sechs Kochplatten. Heute sind es achtzehn.

Zwei Schwestern

Mit den Jahren wuchs das Projekt zum Familienunternehmen heran. Erst stieg Caroline Elsaessers acht Jähre ältere Schwester Sabine Liechti-Elsaesser in den Betrieb mit ein, später folgten deren Kinder. Sina und Lou Liechti arbeiten seit mehr als zehn Jahren mit.

«Weil ich am Anfang noch zu klein war, um über die Theke zu sehen, bastelten mir die anderen ein Schemeli», erinnert sich die 23-jährige Lou. Auch Elsaessers Sohn Eliot (13) und weitere Cousins helfen jeweils mit.

Seit vier Jahren wird der Betrieb nun etappenweise an die beiden Schwestern übergeben. Nächste Woche, wenn das Gurtenfestival 2015 beginnt, sind sie zum ersten Mal offiziell die Geschäftsführerinnen. Nervös seien sie nicht, da sie schon viel Erfahrung hätten. «Das Gurtenfestival kennen wir sowieso nicht als normale Besucherinnen.»

2500 Eier

Tausende Crêpes gehen während der vier Festivaltage über den Ladentisch. Klar, dass Abschalten in den kurzen Nächten schwerfällt. «Ich mache jeweils noch im Schlaf Crêpes oder überlege mir, ob ich noch genug Spinat habe», sagt Sabine Liechti. «Einmal gingen uns die Eier aus, und wir zogen mit dem Einkaufswagen von Laden zu Laden und kauften die Stadt leer.»

Heute braucht niemand mehr 2500 Eier auf den Gurten zu schleppen: Ein Pulver, das mit Wasser angerührt wird, dient als Ersatz. Davon verbrauchen die Crêpes-Macherinnen während vier Tagen 800 Kilogramm. Am beliebtesten seien die Nutella-Crêpes – 250 Kilogramm Nutella werden insgesamt verputzt.

Neben den Familienmitgliedern arbeiten dreissig Personen in 3-Stunden-Schichten am Crêpes-Stand mit. Ruhepausen für die Kochplatten gibt es keine, man setzt auf 24-Stunden-Betrieb. Da kommt es natürlich zu vielen mehr oder weniger heiteren Begegnungen. Die neuen Betreiberinnen Lou und Sina Liechti sind sich einig: «Je später die Stunde, desto irrer die Crêpes.»

Berner Zeitung

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