Und ab und zu das Handgelenk entspannen

Köniz

Sie schreiben, was das Zeug hält: 16 Kinder aus der ganzen Schweiz werden in einer Schreibwerkstatt in Köniz unter anderem von Autor Christoph Simon betreut. Der hätte als Jugendlicher niemals freiwillig so ein Lager besucht.

Mit Feuereifer dabei: Die Kinder in Christoph Simons Workshop sind beim Schreiben kaum zu bremsen.

Mit Feuereifer dabei: Die Kinder in Christoph Simons Workshop sind beim Schreiben kaum zu bremsen.

(Bild: Susanne Keller)

Marina Bolzli@Zimlisberg

Neulich habe eine Teilnehmerin zu ihm gesagt: «Darf ich noch eine Geschichte vorlesen, dann kann mein Handgelenk ein bisschen entspannen.» Christoph Simon lacht, als er an die Episode zurückdenkt. «Die schreiben bis der Akku leer ist, das macht einem manchmal fast Angst.»

Siegerinnen aus der Region

Der Berner Autor leitet zusammen mit anderen Textprofis die Schreibwerkstatt von Schreibzeit Schweiz. Sie bietet Kindern und Jugendlichen aus der ganzen Schweiz die Möglichkeit, sich intensiver mit dem literarischen Schreiben zu befassen. Rund 400 Kinder hatten beim Wettbewerb einen Text eingereicht, 16 von ihnen durften die letzten Tage im Büschiheim in Köniz verbringen und den ganzen Tag nur schreiben, schreiben, schreiben. Darunter auch mehrere Kinder aus der Region sowie die Siegerinnen der beiden Alterskategorien, Corinne Lehmann aus Köniz und Anna Sutter aus Wabern.

Anregungen bekommen die Jungautorinnen und Jungautoren immer wieder von den Werkstattleitern. So lässt Christoph Simon die Kinder mal so richtig streiten: Sie schreiben unabhängig voneinander Argumente zu einem Thema auf, die sie einander anschliessend an den Kopf werfen. So üben sie Dialoge – und stellen nebenbei fest, dass eine wichtige Eigenschaft des Streitens ist, dass man aneinander vorbeiredet.

Mit Feuereifer sind die sieben Mädchen und der eine Junge aus der jüngeren Gruppe am Werk. Sobald sich jemand freiwillig melden soll, schiessen gleich mehrere Hände in die Höhe.

«Es ist eindrücklich, wie motiviert die Kinder sind, das erlebe ich sonst ganz anders», sagt Christoph Simon. Der 41-Jährige führt auch Schreibwerkstätten an Schulen durch. «Dort geht es vor allem darum, Kindern mit schulischen Defiziten ein positives Erlebnis mit der Sprache zu vermitteln», erklärt Simon. Er erkläre dann, dass er Schriftsteller sei und Schriftsteller zum Arbeiten vor allem Ruhe bräuchten. Das mit der Ruhe klappe im Schulraum mal besser und mal schlechter. Die erste Frage an ihn laute so oder so meistens: «Wie lang muss der Text sein?»

So etwas hört man hier in Köniz nie. Ruhig und konzentriert sind die Kinder. Ist ein Text fertig, wollen die Teilnehmer sich gleich an den nächsten machen. Manche sässen schon morgens um sieben vor dem Frühstück hin, um eine Geschichte niederzuschreiben, sagt der Autor.

Täglich gibt es auch Feedbackrunden, während deren sich die Kinder die Kritikpunkte fleissig notieren. Und ab und zu wird auch ein Text von Christoph Simon kritisiert. «Ich habe einen Text über einen Bösewicht in der Könizer Badi geschrieben, bei dem die anderen nicht alles logisch fanden», erzählt er. Die Atmosphäre während der Feedbackrunden erinnere ihn sehr an die Treffen mit seinen Schriftstellerkollegen Lorenz Langenegger und Urs Mannhart, mit denen er die Autorengruppe Autören bildet. Diese zwei seien normalerweise die Einzigen, denen er genug vertraue, um ihnen neue Texte vorzustellen.

«Zu verklemmt»

Als Christoph Simon im Schulalter war, gab es solche Schreibwerkstätten noch nicht. Ist das schade? Der Autor schüttelt den Kopf. «Nein», sagt er entschieden, «ich habe als Kind zwar auch geschrieben, hierhin wäre ich aber niemals gekommen, dazu war ich zu verklemmt und zu introvertiert.»

Berner Zeitung

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