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Überraschung im Tramstreit

Trams mit zwei Führerständen statt nur mit einem? Die Berner Regierung zeigt sich erstaunlich offen für einen Fahrzeugtyp, den Bernmobil im Alltag lieber nicht auf dem Stammnetz haben will.

Stephan Künzi
Heute ist Bernmobil nur mit Trams unterwegs, die über einen Führerstand verfügen. Nun zeigt sich die Berner Regierung offen für eine Alternative.Foto: Stefan Anderegg
Heute ist Bernmobil nur mit Trams unterwegs, die über einen Führerstand verfügen. Nun zeigt sich die Berner Regierung offen für eine Alternative.Foto: Stefan Anderegg

Würde Bernmobil mit Trams, die über zwei Führerstände verfügen, nicht viel besser fahren? Der Könizer GLP-Parlamentarier Casimir von Arx stellt die Frage seit Monaten in den Raum. Auf lokaler Ebene bissen er und seine Mittefraktion bislang aber auf Granit.

Zumal sie die Frage der sogenannten Zweirichtungsfahrzeuge stets mit der geplanten Verlängerung der Tramlinie nach Kleinwabern verknüpften: Er sei gehalten, das offizielle, von den Könizer Stimmberechtigten, vom Kanton und letztlich auch vom Bund genehmigte Projekt umzusetzen, hielt Gemeinderat Christian Burren den Vorstössen aus der Mitte stets entgegen. Dieses sehe nun mal Trams mit nur einem Führerstand sowie an der Endstation eine grosse Wendeschlaufe quer über die Balsigermatte vor (siehe Kasten).

Nun die Auslegeordnung

Wie wohltuend muss es da für von Arx sein, dass es nun vom Regierungsrat her anders tönt. Als Mitglied des Grossen Rates ist er inzwischen nämlich auch auf kantonaler Ebene aktiv. Dort treibt er das Thema mit einer Motion voran, in der er «eine ausführliche und unvoreingenommene Auslegeordnung zum Verlgeich von Zweirichtungs- und Einrichtungssystemen» verlangt. Damit das «Tramsystem im Raum Bern strategisch und ohne den Bau neuer Wendeschlaufen in Richtung eines Zweirichtungssystems» entwickelt werden kann.

Und siehe da, in ihrer Antwort gibt sich die Berner Regierung überraschend offen. Sie sei «gerne bereit», dem Grossen Rat im Rahmen künftiger Beschlüsse zum öffentlichen Verkehr «eine Auslegeordnung mit Vor- und Nachteilen von Einrichtungs- und Zweirichtungstrams vorzulegen». Und weiter ein Szenario mit einem vollständigen Wechsel der Berner Tramflotte zu einer reinen Zweirichtungsflotte zu skizzieren.

Vorzeitiger Euphorie nimmt sie den Wind allerdings gleich aus dem Segel. Welche Fahrzeuge konkret ausgewählt und gekauft würden, sei letztlich ein unternehmerischer Entscheid, den Bernmobil als Betreiberin fällen müsse. Auch wenn der Kanton als Besteller und Mitfinanzierer im öffentlichen Verkehr durchaus ein Mitspracherecht habe.

Trotzdem fühlt sich von Arx in seinen Aktivitäten bestärkt. Daran ändert auch der Nachsatz nichts, in dem die Regierung betont, dass es an bereits beschlossenen Projekten nichts mehr zu rütteln gebe. Tatsächlich hat Bernmobil für die verlängerte Tramlinie nach Kleinwabern schon im letzten Herbst sechs neue Fahrzeuge mit nur einem Führerstand bestellt – er hoffe wenigstens, sagt von Arx, dass das Unternehmen nun innehalte. Und unter anderem für die neue Linie nach Ostermundigen nicht voreilig 23 weitere Trams dieses Typs bestelle.

Sollte es dies dennoch tun, bevor der Grosse Rat über die Vor- und Nachteile der beiden Systeme diskutiert und entschieden habe, würde er sich vor vollendete Tatsachen gestellt sehen.

Bernmobil bremst

In Köniz betont derweil Gemeinderat Burren, dass er stets nur im Zusammenhang mit dem Tram nach Kleinwabern für die Einrichtungsfahrzeuge votiert habe. Immerhin drohe mit jedem Abweichen von den offiziellen Plänen eine weitere Verzögerung in einem Projekt, auf das das Quartier warte.

Und Bernmobil? Das städtische Verkehrsunternehmen wollte bislang nichts von Zweirichtungsfahrzeugen für den Regelbetrieb auf seinem Stammnetz wissen. Eine einheitliche Flotte aus Trams mit nur einem Führerstand sei im Alltag viel einfacher zu handhaben.

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