Über 100 Familien hoffen auf die Ferieninsel

Ostermundigen

Soll die fünftgrösste Gemeinde des Kantons die Schulkinder ­künftig auch in den ­Ferien ­betreuen? Nächste ­Woche trifft das Ostermundiger Parlament einen Grundsatzentscheid.

Szenen aus einer Tagesschule. Während der Ferien gibt es in Ostermundigen noch kein Betreuungsangebot für Schulkinder.

Szenen aus einer Tagesschule. Während der Ferien gibt es in Ostermundigen noch kein Betreuungsangebot für Schulkinder.

(Bild: Keystone)

In einer Umfrage der Ostermundiger Behörden antworteten 134 Familien, sie seien in den ­Ferien auf eine externe Betreuung der Schulkinder angewiesen. Das sind 60 Prozent der Antwortenden. Deshalb möchten die ­Gemeindebehörden nun probehalber eine sogenannte Ferieninsel einführen. Am 23. August stimmt das Gemeindeparlament darüber ab. Sagt es Ja, werden sieben ­Wochen Betreuung angeboten: je zwei in den Frühlings-, Sommer- und Herbstferien sowie eine in den Sportferien.

Der Versuch würde zwei Jahre dauern, 2019 sowie 2020. Danach würden die Erfahrungen ausgewertet, und das Parlament könnte über die definitive Einführung entscheiden.

Verschiedene Meinungen

Wer soll das Angebot bezahlen? Voraussichtlich ein Drittel steu­ert der Kanton bei. Die Gemeinde übernimmt ebenfalls mindestens ein Drittel, also 30 Franken pro Kind und Tag. Angenommen, es beteiligen sich durchschnittlich 40 Kinder, wären das insgesamt um die 45 000 Franken pro Jahr.

Die restlichen Kosten sollen auf die Eltern aufgeteilt werden. Doch nach welchem Schlüssel? Die Sozial- und die Bildungsabteilung schlagen die gleichen Ansätze wie bei der Tagesschule vor: 76 Rappen bis 12 Franken pro Stunde, je nach Einkommen der Eltern. Denn möglichst viele Eltern sollen es sich leisten können, ihre Kinder auf die Ferieninsel zu schicken, argumentieren die Abteilungen. Dieses System habe sich bewährt.

Die Schul- und die Sozialkommission stimmen den Tagesschulansätzen zwar zu, wollen aber einen Mindestbeitrag von 20 Franken und einen Höchstbetrag von 70 Franken pro Kind und Tag. Den definitiven Entscheid fällt das Parlament, das parteipolitisch ähnlich zusammengesetzt ist wie die Kommissionen.

Der zweite Anlauf

Einig sind sich die Beteiligten, wer die Ferienbetreuung übernehmen soll: die Kinderbetreuung Ostermundigen GmbH. Sie reichte einerseits die günstigste Offerte ein und führt andererseits die beiden Kindertagesstätten Oberfeld und Ostermundigen. Dort kauft die Gemeinde 19 subventionierte Kita-Plätze ein und hat gute Erfahrungen gemacht, wie die Behörden festhalten.

Die GmbH bot in Ostermundigen 2014 versuchsweise eine Ferieninsel an. Diese wurde aber bereits nach kurzer Zeit wieder gestrichen. Das Interesse sei damals zu gering gewesen, sagt Gemeinderätin Melanie Gasser (GLP). Die Ferieninsel sei sehr kurzfristig ausgeschrieben worden, und es habe keine Durchführungsgarantie gegeben. «Berufstätige Eltern brauchen bei der Kinderbetreuung aber Planungssicherheit», so Gasser.

«Natürlich ist der Spardruck in  Ostermundigen gross. Aber die Ferieninsel wäre eine gute  Investition.»Melanie GasserGemeinderätin

Diesmal gäbe es eine solche Durchführungsgarantie. Und die Umfrage habe gezeigt, dass die Nachfrage der Eltern weiter gestiegen sei. «Natürlich ist der Spardruck in Ostermundigen gross», sagt Melanie Gasser. Doch die Zeit sei reif, den Versuch zu wagen. Sie ist überzeugt: «Es wäre eine gute ­Investition in unsere Standort­attraktivität.»

Berner Zeitung

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