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Thierry Carrel operiert bald am Beau-Site

Das Inselspital und die Privatklinikgruppe Hirslanden bilden ab Juli ein gemeinsames Herzzentrum. Das ist für den Medizinalstandort Bern eine gute Nachricht, jedoch existiert auch Konfliktpotenzial.

Starchirurg Thierry Carrel operiert künftig auch für die Privatklinik Hirslanden.
Starchirurg Thierry Carrel operiert künftig auch für die Privatklinik Hirslanden.

Das grosse, dynamische Zürich konkurrenziert das kleine, oft etwas behäbige Bern in vielen Bereichen. Einer davon ist die Herzchirurgie. Dort liefern sich Bern und Zürich seit Jahren einen erbitterten Wettstreit um die nationale Vormachtstellung.

Vor diesem Hintergrund ist die gemeinsame Mitteilung des Berner Inselspitals und der Privatklinikgruppe Hirslanden für den Medizinalstandort Bern eine gute Nachricht: Die beiden Partner wollen ihre bereits be­stehende Zusammenarbeit in der Herzmedizin vertiefen. Konkret bilden die beiden Spitalgruppen ab Juli 2018 ein gemeinsames Leistungszentrum für kardiochirurgische Eingriffe.

Der Kooperationsvertrag wurde diese Woche unterzeichnet. Die Herzchirurgen der Insel werden künftig an den beiden Hirslanden-Standorten Aarau und Beau-Site (Bern) sowie an der Insel operieren. Umgekehrt ist nicht vorgesehen, dass die Beau-Site-Ärzte Herzoperationen am Inselspital durch­führen.

Im Fernduell mit Zürich könnte dieses Zusammengehen zweier grosser und anerkannter Spitalgruppen die Position Berns durchaus stärken.

Carrel macht nicht nur Freude

Bereits seit 2011 arbeiten die Insel und Hirslanden auf diesem Gebiet zusammen. Seit 2013 führen der bekannte Berner Herzchirurg Thierry Carrel und sein Team Herzoperationen an der Hirslandenklinik in Aarau durch. Mit dem neuen Zusammenarbeitsvertrag wird in dieser Partnerschaft nun eine neue Stufe erreicht.

Das Kooperationspapier birgt jedoch auch gewisse Gefahren, vor allem im zwischenmensch­lichen Bereich: Denn waren die Herzchirurgen von Hirslanden bisher von jenen der Insel unabhängig, so wird sich dies ab Sommer ändern. Thierry Carrel wird als Direktor der Berner Uniklinik für Herz- und Gefässchirurgie künftig auch die Leitung des neu geschaffenen Leistungszentrums übernehmen. Das bedeutet: Die drei Herzchirurgen und die Kardiologen der Berner Hirslan­denklinik Beau-Site werden zumindest teilweise Carrel unterstellt sein. Er übernimmt insbesondere die Koordination, wer wann und wo operiert.

Gegen die Installation von Carrel bei Hirslanden regte sich bereits letztes Jahr Widerstand. Einige der betroffenen Hirslanden-Ärzte wollten verhindern, dass ih­nen der heute 57-jährige Carrel vor die Nase gesetzt wird. Denn: Die meisten Ärzte arbeiten als Belegärzte und sind nicht direkt bei Hirslanden angestellt. Das bedeutet, dass sie auf eigene Rechnung arbeiten und der Klinik im Gegenzug eine Gebühr für die ­Benutzung des Operationssaals entrichten. Die Befürchtung war, dass Carrel durch seine angekündigte Tätigkeit am Beau-Site der Hirslanden-Belegschaft Operationen wegschnappen würde.

Wie die Medienabteilung von Hirslanden gestern Abend auf Anfrage mitteilte, sei die künftige Rolle der drei Herzchirurgen noch nicht geklärt. In den nächsten Wochen würden die Kooperationspartner das Gespräch mit ihnen suchen, entsprechende Terminvorschläge seien bereits unterbreitet worden.

Kanton: «Gut, aber...»

Beim kantonalen Spitalamt reagiert man grundsätzlich positiv auf die vertiefte Kooperation von Hirslanden und Insel. «Es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Erfreulich ist, dass sich die beiden Spitalgruppen nicht bekämpfen und darauf verzichten, sich gegenseitig die besten Fachkräfte abspenstig zu machen», sagt Vorsteherin Annamaria Müller. Das könne Bern im Wettbewerb um die Position in der Spitzenmedizin nach vorne ­bringen.

Allerdings ortet auch Müller gewisse Schwierigkeiten in der neuen Konstellation. Etwa, dass mit der neu gegründeten Firma «Herzchirurgie Hirslanden Bern AG» ein neuer Partner zwischengeschaltet werde. «Unsere Ansprechpartner und Auftragnehmer bleiben jedoch Hirslanden und Insel», stellt Müller schon einmal klar.

Die vertiefte Zusammenarbeit zwischen Insel und Hirslanden könnte laut Müller theoretisch dazu führen, dass beispielsweise das Herzchirurgieteam der Insel am Beau-Site operiere, während gleichzeitig in der Insel ein gleicher Notfall eintreffe. «Insel und Hirslanden werden uns aufzeigen müssen, wie sie ihr jeweiliges Angebot auch in neuer Konstellation rund um die Uhr gewährleisten können. «Genau das ist eine der Auflagen, die im Leistungsauftrag für das jeweilige Angebot aller Spitäler enthalten ist.»

Insel beschwichtigt

Laut den Verantwortlichen der Insel-Gruppe seien solche Befürchtungen jedoch unbegründet, wie die Kommunikations­abteilung auf Anfrage verlauten liess: «Die personellen Ressourcen lassen sich steuern.» Durch das neue Modell biete sich sogar die Chance, die Herzchirurgie der Uniklinik wenn nötig zu entlasten. Und: In der momentanen Umbruchphase der Schweizer Herzchirurgie sei eine gezielte Kooperation zwischen öffentlichen und privaten Spitälern im selben Versorgungsmarkt ein «wegweisender Ansatz».

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