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Prüfungsdebakel: Streit geht weiter

Weil Studierende an der Uni Bern die Lösungen einer Prüfung bereits kannten, musste sie wiederholt werden. Sieben Beschwerden dagegen sind noch hängig. Die StudentInnenschaft macht der Uni nun Vorwürfe.

Sieben Beschwerden gegen die Wiederholung einer Prüfung sind noch hängig. Die StudentInnenschaft vermutet dahinter Taktik.
Sieben Beschwerden gegen die Wiederholung einer Prüfung sind noch hängig. Die StudentInnenschaft vermutet dahinter Taktik.
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Wenn angehende Juristen gegen gestandene Juristen juristisch vorgehen, kann das eine längere Geschichte werden. So könnte man den aktuellen Streit an der Universität Bern umschreiben.

Die Vorgeschichte: Eine Professorin gab ihren Masterstudierenden an der Universität Bern im Fach Schuldbetreibungs- und Konkursrecht im Sommer fast die gleiche Prüfung ab, wie sie sie schon 2013 verwendet hatte (wir berichteten).

Von den rund 190 betroffenen Studierenden haben bis auf eine Person alle die Prüfung wiederholt. Auch wenn die Studentinnen und Studenten die Prüfung nochmals geschrieben haben: Der Ärger ist nicht bei allen verflogen. 7 Studierende haben bei der Rekurskommission der Uni Bern eine Beschwerde eingereicht. «Das Verfahren ist noch hängig», hiess es bei der Uni im November auf Anfrage dieser Zeitung.

Universität spielt auf Zeit

Das Verfahren ist auch jetzt noch hängig. Genau das stösst der StudentInnenschaft der Universität Bern (SUB) sauer auf. Das Verfahren sei vonseiten der Uni von Beginn weg verzögert worden, teilte die Studierendenvertretung am Mittwoch mit.

Bereits bevor das Verfahren begonnen habe, habe die Fakultät die Ausstellung einer anfechtbaren Verfügung verweigert – obschon sie rechtlich dazu verpflichtet gewesen wäre, heisst es in der Mitteilung. Erst als die Studierenden mit einer Klage wegen Rechtsverweigerung gedroht hätten, habe das Dekanat eine Verfügung ausgestellt. Fristen nicht eingehalten?

Die SUB wirft der Uni ausserdem vor, dass sie Fristen nicht eingehalten habe. Nach dem Eingang der sieben Beschwerden hätte die Uni laut SUB innert 30 Tagen die nötigen Unterlagen einreichen müssen. Sie bat aber zweimal um Fristverlängerung.

«Es ist schon erstaunlich, dass eine Handvoll Studierende imstande ist, die Fristen einzuhalten, aber eine Universität mit eigener Rechtsabteilung und einer eigenen juristischen Fakultät nicht», wird SUB-Vorstandsmitglied Tobias Vögeli in der Mitteilung zitiert.

Das hat nichts mit Verzögerungstaktik zu tun.

Peter V. ?Kunz, Dekan Rechtswissenschaftliche Fakultät

Den Vorwurf, die Uni spiele auf Zeit, lässt Peter V. Kunz, Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bern, nicht gelten. Die Fristverlängerung habe man verlangt, weil man auf die gut formulierten Rekurse der Studierenden ebenso korrekt und seriös habe reagieren wollen. «Das hat nichts mit Verzögerungstaktik zu tun», sagt Kunz.

«Inakzeptable Verzögerung»

Aber nicht nur in Bezug auf die Fristen, sondern auch in einem weiteren Punkt wirft die Student-Innenschaft der Universität Verzögerungstaktik vor. Nachdem die Rekurskommission das schriftliche Verfahren nämlich beendet gehabt habe, um über die Sache entscheiden zu können, habe die Universität eine Wiederaufnahme des Verfahrens verlangt – und damit den Entscheid weiter verzögert.

«Diese Verzögerungstaktik ist inakzeptabel.»

Tobias Vögeli, Vorstand der StudentInnenschaft

«Diese Verzögerungstaktik des Dekanats ist inakzeptabel. Es besteht ein berechtigtes Interesse daran, dass diese Sache rasch entschieden wird», meint Tobias Vögeli gemäss Medienmitteilung.

Verfahren noch nicht zu Ende

Auch diesen Vorwurf kontert Peter V. Kunz: «Es ist nicht korrekt, dass das Verfahren abgeschlossen war und wir Wiederaufnahme verlangten.» Kunz präzisiert: «Wenn jemand klagt, gibt es eine Klageantwort. Es folgte im konkreten Fall die Replik der Studierenden. Das Verfahren war also noch nicht abgeschlossen. Denn auf diese Replik folgt die Duplik der Universität.»

Die Rekurskommission habe für diese Stellungnahme eine Frist bis kommenden Montag gewährt. «Wir werden die Duplik aber wohl noch in dieser Woche einreichen», sagt Kunz. Die Uni habe die rechtsstaatlichen Möglichkeiten wahrgenommen.

Wie auch immer der Streit ausgehen wird – Kunz bedauert die Unannehmlichkeiten für die Studierenden. Er sei froh, dass bis auf eine Person alle die Prüfung wiederholt und eine Note erhalten hätten.

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