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Streit in Reitschule: Freiheitsstrafe von 27 Monaten

Der 34-jährige Mann, der in der Berner Reitschule einen anderen Mann mit einer Bierflasche verletzt hat, muss hinter Gitter. Er wurde zu 27 Monaten verurteilt.

In der «Cafete» der Reitschule kam im Januar 2016 zu einem Streit, bei dem ein 34-Jähriger schwer verletzt wurde.
In der «Cafete» der Reitschule kam im Januar 2016 zu einem Streit, bei dem ein 34-Jähriger schwer verletzt wurde.
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Sieben Monate nach einem gewaltsamen Streit in der Reitschule hat das Regionalgericht Bern-Mittelland am Freitag einen 34-jährigen Mann wegen versuchter schwerer Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von 27 Monaten verurteilt, davon 8 Monate unbedingt.

Der Holländer hatte am frühen Morgen des 23. Januar in der «Cafete» der Berner Reitschule nach einem zunächst verbal ausgetragenen Streit seinen Widersacher mit einer abgebrochenen Bierflasche am Hals verletzt.

Das dreiköpfige Gericht folgte mit seinem Urteil den Anträgen von Staatsanwalt Cesar Lopez, der das Gericht in seinem Plädoyer am Mittwoch aufgefordert hatte, angesichts dieser «klaren Grenzüberschreitung» ein Zeichen zu setzten. Der Pflichtverteidiger hatte für ein milderes Strafmass von 16 Monaten plädiert.

Der Täter habe «aus nichtigem Anlass» mit dem Flaschenhals zugestochen und dabei schwere Verletzungen in Kauf genommen, sagte Gerichtspräsident Daniel Gerber. Trotz verbaler Beschimpfung durch seinen Widersacher sei keine Notwehr erkennbar. Vielmehr habe der Mann eine «markante kriminelle Energie» an den Tag gelegt.

Auch für den anwesenden Sicherheitsdienst der Reitschule sei die «völlig überraschende Eskalation» nicht vorhersehbar gewesen. Zwei Sicherheitsmitarbeiter hatten den Mann nach dem verbalen Streit mit seinem Widersacher zum Ausgang bugsiert. Dort zückte der Mann die abgebrochene Bierflasche und stiess sie gegen den Oberkörper seines Kontrahenten.

Kritik an mangelnder Kooperation der Reitschule

Wie bereits der Staatsanwalt kritisierte auch Gerichtspräsident Gerber die mangelnde Kooperation der Reitschule mit der Justiz. Die polizeiliche Arbeit vor Ort sei unmöglich oder wäre nur mit unverhältnismässigen Mitteln durchsetzbar gewesen. Deshalb sei am Tatort keine Beweisaufnahme möglich gewesen.

Dass sich ein Zeuge des Geschehens von sich aus bei der Polizei gemeldet habe, sei deshalb «ein erfreulicher Glücksfall». Der Mann, der den Streit aus nächster Nähe miterlebt hatte und erste Hilfe leistete, gab bei der Befragung am Mittwoch vor Gericht an, sich aufgrund eines Facebook-Aufrufs des Opfers gemeldet zu haben.

Zum Falls für die Justiz wurde der Übergriff nur deshalb, weil das Opfer ins Spital eingeliefert wurde, und die Polizei darum Ermittlungen aufnahm. Kommissar Zufall ist es zu verdanken, dass die Polizei in der gleichen Notfallabteilung auf den mutmasslichen Täter stiess, der sich wegen Schnittverletzungen an den Händen behandeln liess.

Der gewaltsame Vorfall vom 23. Januar ist auch im Bericht registriert, den die Polizei im Auftrag des Stadtberner Sicherheitsdirektors Reto Nause (CVP) über «Vorkommnisse in der Reitschule» erstellt hatte. Den Bericht hatte SVP-Stadtrat Henri-Charles Beuchat Ende Juni publik gemacht.

Aussergerichtlicher Vergleich

Das Opfer, ein ebenfalls 34-jähriger Mann, hatte sich als Privatkläger vom Strafprozess zurückgezogen. Dies, nachdem sich der Angreifer in einem aussergerichtlichen Vergleich zu einer Entschädigungszahlung von 5670 Franken bereit erklärt hatte.

Der nun Verurteilte muss auch die Verfahrenskosten in der Höhe von über 23'000 Franken tragen. Der Mann, der seit der Tatnacht - also seit knapp sieben Monaten - im Regionalgefängnis Burgdorf einsitzt, muss noch 30 Tage in Haft bleiben. In seinem Schlusswort hatte der Angeklagte gesagt, die Haft sei «die schlimmste Zeit seines Lebens» gewesen. Der Holländer ist nicht vorbestraft.

SDA/tag

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