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Stöckacker Süd als Musterbeispiel

In einem neuen Buch blickt die Stadt auf die ­Geschichte von Stöckacker Süd – und nimmt das Projekt als Beleg dafür, dass sie in der Lage ist, selber auf der Höhe der Zeit zu bauen.

Vor zwei Jahren Baustelle, heute Vorbild: Stöckacker Süd.
Vor zwei Jahren Baustelle, heute Vorbild: Stöckacker Süd.
Stefan Anderegg

«Wir können das»: Der Ausspruch des Stadtberner Finanzdirektors Michael Aebersold (SP) erinnert an Angela Merkels «Wir schaffen das», mit dem diese 2015 den steigenden Flüchtlingszahlen begegnete.

Doch während in der Zuversicht der Kanzlerin von ­Anfang an Zweifel mitschwang, hält ­Aebersold nüchtern fest, was die Behörden seit zwei Jahren als ­erwiesen betrachten: Wir können selber bauen, und zwar moderne und ökologische Wohnungen zu moderaten Preisen; verdichtet, durchmischt, autoarm. Gelungen sei ihr dies im Stöck­acker Süd, einem «Leuchtturmprojekt, richtungsweisend für die Zukunft».So steht es im Buch «Wohnen im Westen», das die Stadt gestern präsentiert hat.

Beleuchtet wird darin die Geschichte des Quartiers Stöckacker Süd am Eingang zu Bümpliz und Beth­lehem. Vor zwei Jahren sind dort die ersten Wohnungen in den Neubauten bezogen worden, die nach dem Abriss der alten Siedlung entstanden. Dass das 70-Millionen-Franken-Bauprojekt so gut gelungen sei, mache «Lust auf mehr», sagte Aebersold vor den Medien: «Die Stadt kann, will und soll selber bauen.»

«Fast schon aufrührerisch»

Redaktionell verantwortet und zu grossen Teilen geschrieben hat das Buch Bernhard Giger, der ­Leiter des Kornhausforums. Vor zehn Jahren begleitete er die Stadt, als es darum ging, die ­Bewohnerinnen und Bewohner über das nahende Ende ihrer Siedlung zu informieren und die Meinungsträger im Stadtteil ­sowie die politischen Parteien für das Projekt zu gewinnen.

Für die damaligen wohnbaupolitischen Verhältnisse sei es «fast schon aufrührerisch» gewesen, dass die Stadt nach langer Zeit wieder selber bauen wollte, schreibt Giger. Hinzu gekommen sei, dass es in Bern zuvor noch nie einen Ersatzneubau dieser Grössenordnung gegeben habe.

Auch die angestrebten Nachhaltigkeitsstandards seien kontrovers aufgenommen worden. Wesentlich zur Akzeptanz des Projekts beigetragen haben dürfte die ­Tatsache, dass die alte Siedlung «langsam zugrunde ging». Laut Giger mussten Balkone gestützt werden, intime Gespräche seien wegen der «extremen Ringhörigkeit» höchstens in den ­Küchen möglich gewesen.

Vom Mut profitieren

Gemeinderat Aebersold schreibt in seinem Vorwort, dass es die kleinere Herausforderung gewesen wäre, statt des Ersatzneubaus «die mehrfach erprobte ­Sanie­rung des Baubestandes» zu wählen.

Jetzt will er profitieren vom Mut der Vorgängergeneration, den Schwung von Stöckacker Süd mitnehmen für die städtischen Bauprojekte an der Reichenbachstrasse, auf dem Vierer- und Mittelfeld oder dem Gaswerkareal.

Auf einem Rundgang durch das Quartier war der Stolz Aebersolds und seines Bereichsleiters Baumanagement, Marcel Mischler, förmlich greifbar. Ein einziges, selbstbewusstes «Wir können das», an jeder Ecke: ange­fangen bei der neu eröffneten Kulturbar als «Begrüssungs- und Kontaktort», dann beim Blick auf die ökologisch gestalteten Aussenräume, den nach Vorgaben der Bewohner gestalteten Spielplatz oder die Magerwiese, die Holz- und die Steinhaufen, wo sich Tiere einnisten dürfen. Salamander und Blindschleiche liessen sich nicht zweimal bitten.

Das Buch kann für 15 Frankenbezogen werden bei Immobilien Stadt Bern, Bundesgasse 33, Bern.

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