Stadt lässt Regierungsrat Müller auflaufen

Alec von Graffenried steigt nicht auf die Kritik von Polizeidirektor Philippe Müller ein, er handle gegenüber der Reitschule inkonsequent.

Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) lehnte es am Montag ab, zu dieser und anderen Forderungen Müllers explizit Stellung zu nehmen.

Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) lehnte es am Montag ab, zu dieser und anderen Forderungen Müllers explizit Stellung zu nehmen. Bild: Christian Pfander

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Der kantonale Polizeidirektor Philippe Müller (FDP), rund 100 Tage im Amt, liess es am Samstag in dieser Zeitung krachen – fast so, als wäre er immer noch der bissige Parlamentarier, der er zuvor in Stadt und Kanton jahrelang gewesen war.

Nach den Ausschreitungen vor der Berner Reitschule am vorletzten Wochen­ende sei das Polizeikorps frustriert, sagte Müller, man wünsche sich «deutlich mehr Rückhalt vom Gemeinderat». Statt den Polizisten den Rücken zu stärken, mache der Gemeinderat das Gegenteil.

Schliesslich verlangte Müller: «Der Gemeinderat soll in corpore und zusammen mit Polizisten vor die Reitschule stehen mit einem Transparent, auf dem steht: ‹Keine Gewalt gegen Polizisten›.» Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) lehnte es am Montag ab, zu dieser und anderen Forderungen Müllers explizit Stellung zu nehmen.

«Wir reden direkt mit dem Regierungsrat», sagte er. «Wir kommunizieren nicht via Medien mit anderen Behörden.» Von Graffenried bestätigt, dass Müller und er sich bereits letzte ­Woche austauschten, wie dies auch Müller im Gespräch mit dieser Zeitung erwähnt hatte. «Das Interview zeigt, dass wir noch mehr Gesprächsbedarf haben», so von Graffenried.

«Haltloser Vorwurf»

Stadt und Kanton haben laut von Graffenried «so viele gemein­same Themen, wir sind ohnehin immer miteinander im Gespräch». Von einem Zerwürfnis zwischen den beiden Staatsebenen will er nichts wissen.

«Sicher bewerten wir gewisse Dinge unterschiedlich, aber von einer Krise kann meines Erachtens keine Rede sein.» Die Idee mit dem Transparent habe er «nicht ganz verstanden», sagt der Stadtpräsident. «Der ­Gemeinde­rat leitet die Geschicke dieser Stadt. Ich glaube nicht, dass ein Auftritt mit einem Transparent unserem Auftrag angemessen wäre.»

Müllers Vorwürfe an die Stadtregierung zielten unter anderem auf von Graffenrieds Kritik am Polizeieinsatz. «Ich bin missverstanden worden», sagt der Stapi. Der Vorwurf, dass er nicht hinter der Polizei stehe, sei haltlos.

Samstag vorbesprochen

Vor dem kommenden Wochenende, an dem der «Marsch fürs Läbe» und Gegendemonstrationen sowie das Cupfussballspiel zwischen Breitenrain und dem FC Zürich auf der Agenda stehen, plädiert der Stadtpräsident für Deeskalation auf allen Ebenen.

«Die Leitung der Regionalpolizei und der Gemeinderat haben den Samstag vorbesprochen», so von Graffenried. «Da hat kein Blatt Platz zwischen der Polizei und der Stadt.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 10.09.2018, 21:31 Uhr

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